Erhaltung der Biodiversität in den nördlichen Regionen Russlands durch den Ausbau eines an den Klimawandel angepassten Schutzgebietsnetzes zur Erreichung der CBD-Ziele

Stand: Oktober 2021

Arktische Ökosysteme können einen großen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention (CBD) leisten, sind aber gleichzeitig besonders stark vom Klimawandel bedroht. Die Hälfte der Arktis liegt in Russland, das Land spielt daher eine entscheidende Rolle für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Das Projekt konzipiert gemeinsam mit Partnern vor Ort ein Schutzgebietsnetzwerk, das die Folgen des Klimawandels und der industriellen Erschließung der Region einbezieht. So werden etwa veränderte Wanderverhalten einzelner Arten, wie zum Beispiel des wilden Rentiers, erfasst. Entsprechend der Verlagerung der Lebensräume gefährdeter Arten werden Schutzgebiete geplant und eingerichtet. Dabei werden auch traditionelle Lebensweisen der lokalen und indigenen Bevölkerung berücksichtigt. Das Projekt unterstützt die Vernetzung engagierter Menschen aus der Region und bietet gemeinsam mit ihnen Fortbildungen vor Ort an. So werden lokale Initiativen im Naturschutz angeregt und etabliert.

Stand der Umsetzung/Ergebnisse

  • Trotz der Covid-19-Pandemie konnten Projektbeiträge wie technische Gutachten, Kartierungen und Konsultationen per Videokonferenz für die Ausweisung von sieben neuen und die Ausweitung von drei existierenden Schutzgebieten in den drei Zielregionen erbracht werden.
  • Im Rahmen des öffentlichen Konsultationsprozess zur neuen EU-Arktisstrategie wurden inhaltliche Kommentare und Forderungen über das internationale WWF Arktis Programm (WWF Canada, Ottawa) und in Ab-stimmung mit dem WWF European Policy Office (Brüssel) eingebracht.
  • Ab Mai 2021 wird Russland den Vorsitz im Arktischen Rat bis 2023 übernehmen. Für die Senior Arctic Official (SAO) Sitzung des Arktisrates am 16.-18. März 2021 erstellte das Internationale WWF Arktisprogramm Empfehlungen zum Inhalt einer geplanten Ministererklärung, die an das Sekre-tariat des Rates weitergeleitet wurden. Dazu wurden Kommentare und Vorschläge vom IKI-Vorhaben eingebracht. Beispiele: Forderung nach Durchführung von Environmental Impact Assessment und Strategic Environmental Assessment für Erschließungsprojekte in der Arktis, Förderung der Partizipation der „arktischen Jugend“ bei Umweltentscheidungen und Governance, Ausbau des Schutzgebietsnetzwerkes.
  • Am 18. Februar 2020 wurde das Naturdenkmal „Krasnye Kami“ (Rote Steine) in der Nähe der Industriestadt Norilsk, Region Krasnojarsk, durch eine Fläche von 9,94 ha erweitert. Krasnye Kami ist ein markanter offener Basaltkegel mit Wasserfall. Unkontrollierter Wochenend-Tourismus ist ein wesentlicher Störfaktor.
  • Am 23. Dezember 2020 wurde im Autonomen Kreis der Nenzen, die Pufferzone für den Naturpark Nord-Timan mit 4331,78 ha erweitert. Die Erweit-rung schützt wertvolle Laichgebiete von Lachsen und Fischarten vor berg-baulicher Erschließung.
  • Am 02. Oktober 2020 wurde die Schutzfläche für das Naturdenkmal "Pym-Va-Shor" im Autonomen Kreis der Nenzen vergrößert (1999,65 ha). Damit wird das Denkmal besser gegen die umliegenden expandierenden Erdö-förderstätten geschützt. In Pym-Va-Shor befinden sich die nördlichsten Thermalquellen Russlands, die auch während des arktischen Winters nicht zufrieren und dort ein einzigartiges Biotop bilden.
  • 2019 wurden das regionale Reservat „Kolguyevskiy Zakaznik“ im Autonomen Kreis der Nenzen sowie der Kytalik Nationalpark in der Republik Sacha (Jakutien) ausgewiesen.
  • Auf der Ebene der Schutzgebiete wurden Kooperationsvereinbarungen und Aktionspläne für die Jahre 2019 - 2020 mit jedem der föderalen Schutzgebiete (Beringia-Nationalpark, Wrangel-Insel Zapovednik, Strenge Naturreservate der Nenzen, "Taymir Zapovedniks") unterzeichnet. Die durch das Projekt entwickelten Managementpläne für vier regionale Schutzgebiete im Autonomen Kreis der Nenzen, wurden am 06. Juli 2020 vom Zentrum für Naturmanagement und Umweltschutz des Kreises genehmigt. Die Entwicklung detaillierter Managementpläne für fünf regionale Schutzgebiete in Tschukotka und vier förderale Schutzgebiete im Bezirk Krasnojarsk wurde begonnen.
  • In jeder der drei Projektregionen wurden Vereinbarungen mit der lokalen Bevölkerung über die gemeinsame Durchführung von Projektaktivitäten sowie die Entwicklung von Anpassungsplänen getroffen. In der Region Tschukotka wurden zwei gemeinsame Projekte gestartet: die Gründung der lokalen NGO "Eisbärpatrouille“ im Dorf Ryrkaipiy und die Gründung eines Kulturzentrums in Novoe Chaplino.
  • Um die Populationen von Wildrentieren in den Projektregionen zu erhalten, unterstützt das Projekt den WWF Russland bei der Umsetzung verschiedener Arbeitspakete (Populationsanalysen, Einführung von SMART Patrouillen, Wildtiermonitoring, Gemeindeprojekte).
  • Eine Wanderausstellung zur Bedeutung von Naturschutzgebieten im Autonomen Kreis der Nenzen wurde erstellt und in fünf Gemeinden gezeigt. In sozialen Medien wurde die Community „Khraniteli Severa“ (Northern Nature Keepers) gegründet, die engagierte (junge) Menschen aus den Zielregionen motivieren soll, sich zu vernetzen und über welche Informationen zu Klimawandel, seinen Auswirkungen und projektrelevante Informationen veröffentlicht werden sollen. Gemeinsam mit der Initiative wurde eine Reihe von Fortbildungen für lokale Bewohnerinnen und Bewohner der Arktis angeboten, um lokale Projektinitiativen im Naturschutz anzuregen und so Themen und Ziele des Projektes in den Zielregionen zu etablieren. Dazu wurden Online-Seminare mit professionellen Trainerinnen und Trainern durchgeführt.
  • Von Teilnehmenden der “Northern Nature Keepers” Initiative wurden Filme produziert, die Kultur, Leben und Verbindung der Menschen zur arktischen Natur darstellen.
  • Um das Monitoringtool SMART zu etablieren, wurden verschiedene Trainings dazu durchgeführt und das Tool getestet.
  • Eine Analyse der Klimaveränderungen der jüngsten Vergangenheit, der folgenden drei Dekaden und bis zum Ende des Jahrhunderts in den nördlichen Regionen Russlands wurde im Januar 2018 fertiggestellt.
  • Eine Modellierung für klima-smarte Schutzgebiete wurde vorgenommen. Für die russische Arktis wurden 85 Gebiete identifiziert, 46 davon in den Projektregionen. Darauf aufbauend wurde ein Bericht zu „Klimawandel und Auswirkungen auf Lebensräume und Vegetation“ veröffentlicht.

Weiterführende Links

Projektdaten

Länder:
Russische Föderation

Durchführungs­organisation:
World Wide Fund for Nature (WWF) - Germany

Politische Partner:
  • Agency on Management of Protected Areas - Krasnoyarsk Territory
  • Association of Traditional Marine Mammal Hunters of Chukotka (ATMMHC)
  • Council for the Study of Productive Forces
  • Department of Agriculture Policy and Management - Chukotka Autonomous Okrug
  • Department of Natural Resources and Environment - Nenets Autonomous Okrug
  • Ministry of Natural Resources and Environment - Russia
  • National Park Beringia (Природно-этнический парк Берингия)
  • Pacific Scientific Research Fisheries Center) - Chukot TINRO (ТИНРО-центра)
  • Russian Academy of Sciences - PAH) - Russia
  • Russian Association of Indigenous Peoples of the North, Siberia and Far East of the Russian Federation) (RAIPON) - Russia
  • State Nature Reserve Wrangel Island
  • Taymir Reserve (Таймырский заповедник)

Durchführungspartner:
  • World Wide Fund for Nature (WWF) - Russia

BMU-Förderung:
8.400.929,00 €

Laufzeit:
04/2017  bis  03/2024




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