Erhaltung der Biodiversität in den nördlichen Regionen Russlands durch den Ausbau eines an den Klimawandel angepassten Schutzgebietsnetzes zur Erreichung der CBD-Ziele

Stand: Dezember 2021

Arktische Ökosysteme können einen großen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention (CBD) leisten, sind aber gleichzeitig besonders stark vom Klimawandel bedroht. Die Hälfte der Arktis liegt in Russland, das Land spielt daher eine entscheidende Rolle für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Das Projekt konzipiert gemeinsam mit Partnern vor Ort ein Schutzgebietsnetzwerk, das die Folgen des Klimawandels und der industriellen Erschließung der Region einbezieht. So werden etwa veränderte Wanderverhalten einzelner Arten, wie zum Beispiel des wilden Rentiers, erfasst. Entsprechend der Verlagerung der Lebensräume gefährdeter Arten werden Schutzgebiete geplant und eingerichtet. Dabei werden auch traditionelle Lebensweisen der lokalen und indigenen Bevölkerung berücksichtigt. Das Projekt unterstützt die Vernetzung engagierter Menschen aus der Region und bietet gemeinsam mit ihnen Fortbildungen vor Ort an. So werden lokale Initiativen im Naturschutz angeregt und etabliert.

Stand der Umsetzung/Ergebnisse

  • Das Projekt führte ein Monitoring und die Besenderung (Telemetrie) wilder Rentiere in der Region Taimyr durch, mit dem Ziel ein besseres Bild des Gefährdungsgrades und Veränderung der Wanderrouten durch den Klimawandel zu bekommen.
  • Fortschritt hinsichtlich der Ausweisung des Regionalen Naturreservats „Taimyrskiy“: Die erforderlichen Planungsdokumente wurden erstellt und eingereicht. Das geplante Schutzgebiet befindet sich in den Distrikten der Dolgan-Nenzen und der Evenken und soll zum derzeitigen Stand 8,6 Millionen Hektar umfassen.
  • In sechs föderalen Schutzgebieten (Beringia National Park, Wrangel Island, Nenetsky, Taimyrsky, Putoransky, Big Arctic State Nature Reserve) wurde ein Monitoringsystem für die Veränderungen der Ökosysteme durch die klimatischen Veränderungen etabliert.
  • Zur Einschätzung des Zustandes der Population wilder Rentiere im Autonomen Kreis der Nenzen wurde eine Erhebung durchgeführt. Diese ergab, dass die Population nur 510-540 Tiere umfasst.
  • In insgesamt sechs indigenen Gemeinden des Autonomen Kreis der Nenzen starteten kleine Pilotprojekte zur Förderung der indigenen Kultur der Nenzen, wie zum Beispiel traditionelle Handarbeit und Werkstätten, aber auch zur Einkommensgenerierung, wie zum Beispiel ein Reiseprogramm „Urlaub in der Tundra“, das mit dem Monitoring von Umweltverschmutzungen, wie zum Beispiel Ölleckagen im Pechora-Fluss verbunden wird.
  • Das Projekt unterstützt die Gemeinde Novoe Chaplino dabei, Ökotourismus-Angebote zu entwickeln.
  • Um die Zusammenarbeit zwischen dem Beringia Nationalpark und den benachbarten Dörfern zu fördern, unterstützt das Projekt diese bei der Erarbeitung von Angeboten für den Tourismus, aber auch bei gemeinsamen Veranstaltungen zwischen Gemeinden und Nationalpark, wie zum Beispiel das Fischerei-Festival "Catch, fish!".
  • Das Projekt unterstützte zwei sibirische Universitäten in Krasnojarsk mit Karten und Lehrmaterial über die arktische Natur, den Klimawandel und das Schutzgebietssystem, um dort Trainings für Mitglieder indigener Gemeinschaften ermöglichen zu können.
  • Am 23. Dezember 2020 wurde im Autonomen Kreis der Nenzen, die Pufferzone für den Naturpark Nord-Timan mit 4331,78 ha erweitert. Die Erweiterung schützt wertvolle Laichgebiete von Lachsen und Fischarten vor bergbaulicher Erschließung.
  • Am 02. Oktober 2020 wurde die Schutzfläche für das Naturdenkmal "Pym-Va-Shor" im Autonomen Kreis der Nenzen vergrößert (1999,65 ha). Damit wird das Denkmal besser gegen die umliegenden expandierenden Erdölförderstätten geschützt.
  • 2019 wurden das regionale Reservat „Kolguyevskiy Zakaznik“ im Autonomen Kreis der Nenzen sowie der Kytalik Nationalpark in der Republik Sacha (Jakutien) ausgewiesen.
  • In der Region Tschukotka wurden zwei gemeinsame Projekte gestartet: die Gründung der lokalen NGO "Eisbärpatrouille“ im Dorf Ryrkaipiy und die Gründung eines Kulturzentrums in Novoe Chaplino.
  • Eine Wanderausstellung zur Bedeutung von Naturschutzgebieten im Autonomen Kreis der Nenzen wurde erstellt und in fünf Gemeinden gezeigt. In sozialen Medien wurde die Community „Khraniteli Severa“ (Northern Nature Keepers) gegründet, die engagierte (junge) Menschen aus den Zielregionen motivieren soll, sich zu vernetzen.
  • Von Teilnehmenden der “Northern Nature Keepers” Initiative wurden Filme produziert, die Kultur, Leben und Verbindung der Menschen zur arktischen Natur darstellen.
  • Eine Analyse der Klimaveränderungen der jüngsten Vergangenheit, der folgenden drei Dekaden und bis zum Ende des Jahrhunderts in den nördlichen Regionen Russlands wurde im Januar 2018 fertiggestellt.
  • Eine Modellierung für klima-smarte Schutzgebiete wurde vorgenommen. Für die russische Arktis wurden 85 Gebiete identifiziert, 46 davon in den Projektregionen. Darauf aufbauend wurde ein Bericht zu „Klimawandel und Auswirkungen auf Lebensräume und Vegetation“ veröffentlicht.

Weiterführende Links

Projektdaten

Länder:
Russische Föderation

Durchführungs­organisation:
World Wide Fund for Nature (WWF) - Germany

Politische Partner:
  • Agency on Management of Protected Areas - Krasnoyarsk Territory
  • Association of Traditional Marine Mammal Hunters of Chukotka (ATMMHC)
  • Council for the Study of Productive Forces
  • Department of Agriculture Policy and Management - Chukotka Autonomous Okrug
  • Department of Natural Resources and Environment - Nenets Autonomous Okrug
  • Ministry of Natural Resources and Environment - Russia
  • National Park Beringia (Природно-этнический парк Берингия)
  • Pacific Scientific Research Fisheries Center) - Chukot TINRO (ТИНРО-центра)
  • Russian Academy of Sciences - PAH) - Russia
  • Russian Association of Indigenous Peoples of the North, Siberia and Far East of the Russian Federation) (RAIPON) - Russia
  • State Nature Reserve Wrangel Island
  • Taymir Reserve (Таймырский заповедник)

Durchführungspartner:
  • World Wide Fund for Nature (WWF) - Russia

BMU-Förderung:
8.400.929,00 €

Laufzeit:
04/2017  bis  03/2024




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