Kapazitätsentwicklung zum Aufbau eines Monitoring, Berichts- und Verifikationssystems für Treibhausgas-Emissionen in der Türkei - Internationale Klimaschutzinitiative (IKI)

Kapazitätsentwicklung zum Aufbau eines Monitoring, Berichts- und Verifikationssystems für Treibhausgas-Emissionen in der Türkei

Stand: Oktober 2021

Für effektive Minderungsprozesse und die Einführung von Marktmechanismen ist die Überwachung von Treibhausgasemissionen entscheidend. Das Projekt unterstützt deshalb das türkische Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung gezielt bei der Umsetzung des National Climate Change Action Plans (NCCAP). Dafür schafft es die Grundlagen für die Etablierung eines Systems für Monitoring, Berichterstattung und Überprüfung (MRV). Die Projektpartner richten die technisch-institutionelle Infrastruktur ein, entwickeln sektorspezifische Richtlinien und Rechtsvorgaben für MRV und erarbeiten Beiträge zur Politikgestaltung für ein Emissionshandelsystem (ETS). Nach dem Train-the-Trainers-Ansatz werden Multiplikatoren ausgebildet, die das Wissen in den zentralen Institutionen verbreiten. Perspektivisch schafft das Projekt so die Voraussetzungen für die Einführung eines nationalen ETS oder gegebenenfalls die Anbindung an das Europäische Emissionshandelssystem.

Stand der Umsetzung/Ergebnisse

  • Seit Projektbeginn haben sich rund 1.000 Teilnehmende durch Capacity Building-Aktivitäten die notwendigen Fähigkeiten zur Erstellung und Einreichung von Monitoringplänen und jährlichen Emissionsberichten angeeignet. Ein innovatives, maßgeschneidertes webbasiertes Datenmanagementsystem (DMS) wurde entwickelt. Mit seinen Schlüsselmerkmalen Transparenz, Präzision und Vergleichbarkeit ermöglicht das DMS die Steuerung von Minderungsmaßnahmen und die Überwachung der Fortschritte bei der Erreichung klimawandelbezogener Ziele. Ein Schulungscurriculum für die Prüferinnen und Prüfer wurde in Übereinstimmung mit dem EU-ETS-System und ISO 14064 erstellt, so dass die Infrastruktur des Prüfsystems regelmäßig aufgebaut wurde.
  • Mehr als 700 türkische Industrieanlagen übermitteln ihre verifizierten jährlichen Emissionsdaten an das DMS. Diese Anlagen sind für etwa 50 Prozent der CO₂-Emissionen in der Türkei verantwortlich; rund 250 Mt CO₂-Äquivalent, die jetzt vom türkischen MRV-System überwacht und abgedeckt werden. Mehrere türkeispezifische Leitlinien wurden für Interessengruppen erstellt, um sie in Bezug auf MRV-Prozesse und die Navigation des DMS zu leiten. Um zur Wirkung des Projekts beizutragen, wurde eine Website eingerichtet, die neben Nachrichten und Ankündigungen einen einfachen Zugang zu den Richtlinien und Informationen über die Projektaktivitäten bietet.
  • Es wurden wirksame Sensibilisierungsveranstaltungen für Interessensgruppen, öffentliche Einrichtungen und Vertretende des Sektors durchgeführt. Im Anschluss an das Pariser Abkommen fand im Mai 2016 in Ankara eine hochrangige internationale Podiumsdiskussion statt. Diese bot eine Plattform, um öffentliche Akteure, Zivilgesellschaft und NGOs für das Pariser Abkommen und national festgelegte Beiträge zu sensibilisieren. Ende September 2016 fand in İzmir eine internationale Summer School statt, die sich mit der Implementierung und Weiterentwicklung von MRV-Systemen befasste, an der Fachleute aus verschiedenen Ländern der Region teilnahmen. Es wurde ein Erfahrungsaustausch mit Projekten aus der Ukraine und Tunesien unter hochrangiger Beteiligung der Partner durchgeführt.
  • Die Broschüre „MRV in der Praxis – Erfahrungen in der Türkei mit der Gestaltung und Umsetzung eines Systems zur Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung von THG-Emissionen“ wurde erstellt, um die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Einrichtung des maßgeschneiderten MRV-Systems für die Sektoren Energie und Industrie in der Türkei nutzbar zu machen.
  • Im Rahmen einer offiziellen Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Umwelt und Urbanisierung und der Generaldirektion für Zivilluftfahrt des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur wurde ein MRV-System für den türkischen Luftverkehr eingerichtet, das die Emissionen von Inlandsflügen und internationalen Flügen abdeckt. Das wichtigste Ergebnis ist das DMS. Eine Pilot-MRV-Studie des Systems wurde mit Flugzeugbetreibern und Prüfern durchgeführt. Unter Verwendung des DMS wurden Überwachungspläne und verifizierte Emissionsberichte erstellt.
  • Eine umfassende Lückenanalyse und Konsultationen mit Interessenträgern zum türkischen MRV-System wurden abgeschlossen. Diese Studie konzentrierte sich auf die Datenqualität und die Kapazitäten der beteiligten Akteure, um die Gesamtdatenqualität zu verbessern und damit das türkische MRV-System stärker an das EU-ETS anzupassen. Die Arbeiten sind die Grundlage für die Gesetzesänderung, die Überarbeitung der MRV-Richtlinien, die Weiterentwicklung des DMS und die Anpassung ab die EU-Leitlinien.
  • In Zusammenarbeit mit dem Zement- und Glassektor in der Türkei wird eine Benchmarking-Studie durchgeführt. Die Arbeit konzentriert sich auf den Aufbau von Kapazitäten für das MoEU zur Festlegung von Benchmarks und zur Auswahl zwischen verschiedenen Benchmark-Optionen. Zudem unterstützt sie Anlagen- und Branchenverbände dabei, ihre CO2-Intensität mit der lokaler und internationaler Wettbewerber zu vergleichen und sich auf die Risiken und Chancen aus der Einführung der CO2-Bepreisung vorzubereiten. (Stand Juli 2021)

Weiterführende Links

Projektdaten

Länder:
Türkei

Durchführungs­organisation:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH - Turkey

Politische Partner:
  • Ministry of Environment and Urbanisation (MoEU) - Turkey

BMU-Förderung:
5.425.000,00 €

Laufzeit:
10/2013  bis  12/2021


Internetauftritt(e):



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