Foto: UNDP-GEF SGP, Colombia

IKI unterstützt indigene Gruppen in der COVID 19-Pandemie

Angesichts der beispiellosen COVID-19-Pandemie steht die Welt nun vor den größten gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der vergangenen Jahre. COVID 19 stellt eine ernst zu nehmende Gesundheitsgefährdung für viele indigene Gemeinden dar. Vor allem wenn sie in sogenannten ICCAs leben, also in Territorien und sonstigen Gebieten, die von indigenen Völkern und lokalen Gemeinden erhalten werden.

Indigene Bevölkerungsgruppen haben oftmals nur einen unzureichenden Zugang zu medizinischen Versorgungs- und Dienstleistungen, sanitären Einrichtungen sowie weiteren Präventionsmaßnahmen.

Hinzu kommt, dass diese Gemeinden deutlich höhere Raten übertragbarer und nicht übertragbarer Krankheiten aufweisen. Ihre traditionelle Lebensweise bildet zwar eine wichtige Grundlage für ihre Widerstandsfähigkeit, führt aber auch dazu, dass es viele Gelegenheiten und Anlässe gibt, zu denen die Menschen zusammenkommen. Dies stellt eine große Herausforderung bei der Eindämmung der Pandemie dar.

Was sind ICCAs?

Die Abkürzung steht für "indigenous peoples and community conserved territories and areas". Mehr dazu auf der Website des ICCA Consortiums

Erste Schutzmaßnahmen: Hygieneprodukte und geschlossene Gebietsgrenzen

Projekt ICCA-GSI

UNDP setzt das IKI Projekt "Unterstützung für indigene Völker und gemeinschaftlich erhaltene Gebiete und Territorien" um.

Projektbeschreibung

UNDP-Website

Als Reaktion auf die dringenden Bitten der Gemeinden um persönliche Schutzausrüstung sowie Hygiene- und Sanitärprodukte zur Verhütung von Infektionen hat das IKI-Projekt „Unterstützung für indigene Völker und gemeinschaftlich erhaltene Gebiete und Territorien“ (ICCA-GSI) Masken, Desinfektionsmittel, Seife und Reinigungsmittel an die Projektstandorte verteilt.

Außerdem haben zahlreiche indigene Gemeinden die Grenzen zu ihren Gebieten geschlossen und eine Einschränkung der Mobilität sowie der Zusammenkünfte auf ihrem Gebiet durchgesetzt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Diese Maßnahmen beeinträchtigen jedoch die Nahrungsmittelversorgung und die Sicherung der Lebensgrundlagen. Dadurch werden die Ernährungsunsicherheit und die chronische Armut, unter der indigene Bevölkerungsteile vielfach zu leiden haben, noch verschärft.

Zudem hat die Isolation dazu geführt, dass die indigenen Gemeinden die Gefahr der Pandemie unterschätzen.

Im Folgenden sind einige Beispiele für die laufenden Maßnahmen von ICCA-GSI in Regionen wie Belize, Ecuador, Malaysia und Senegal aufgeführt.

Sicherung der Lebensgrundlagen

In Malaysia waren einige indigene Gemeinden ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt, weil durch den Lockdown die Käufer weggeblieben waren. Andere  hatten dagegen mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen. Zur Bewältigung dieser Herausforderung haben die lokalen Projektpartner gemeinsam in den Gemeinden mit „reichlichem Angebot“ eingekauft und die Produkte in den von Nahrungsmittelknappheit betroffenen Gebieten verteilt.

Zwar war die Zahl der COVID-19-Fälle in Belize gering (insgesamt 18 Fälle und zwei Todesfälle), doch Betriebsschließungen trafen mit der im Juni einsetzenden Regenzeit und verheerenden Waldbränden zusammen. Das hat dazu geführt, dass in ländlichen und abgelegenen Regionen in der Mitte, im Norden und im Süden des Landes Nothilfe für indigene Gemeinden geleistet werden musste. So wurden zur Sicherung der Grundversorgung Lebensmittelpakete mit Mehl, Reis, Bohnen, Milch, Speiseöl und anderen Produkten verteilt. Um Möglichkeiten für die Sicherung des Lebensunterhalts zu schaffen, die Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten und den Rückgang der Artenvielfalt zu mindern, wurden zudem Budgetumschichtungen vorgenommen. Damit konnten indigene Saatgutbanken aufgebaut, Konzepte der Agroforstwirtschaft eingeführt und agroökologische Maßnahmen realisiert werden.

Auch im Senegal wurden Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Güter (Saatgut und Ausrüstung) an mehrere Gemeinden verteilt, um den unmittelbaren Nahrungsmittelbedarf zu decken und die Subsistenzlandwirtschaft zu gewährleisten. Ferner hat das Projekt die Nahrungsmittelverteilung zwischen den Dorfvorstehern und der Regierung koordiniert. Dies gilt insbesondere für die Oulolo-Gemeinden in der Region Sédhiou, in denen die staatliche Nahrungsmittelhilfe nicht alle Menschen erreicht.

In Ecuador wurde in den Waorani-Gebieten ein Plan zur „Stärkung der Ernährungssouveränität“ entwickelt, der auf den Kapazitäten der Gemeinden und den Ernährungstraditionen beruht. In dem Kichwa-Dorf Sarayaku haben die Menschen natürliche Arzneien zur Stärkung des Atmungs- und Immunsystems wiederentdeckt.



NGOs verteilen Lebensmittel an indigene Gemeinden. Foto: UNDP-GEF SGP, Malaysia

Weitere Berichte

UNDP hat weitere Eindrücke und Berichte veröffentlicht, wie lokale und indigene Gruppen weltweit mit den Folgen der COVID 19-Pandemie umgehen (in Englisch).

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Stärkung des Bewusstseins für die Gefahren von COVID-19


Jugendliche lesen COVID-19-Informationskarten in wao tededo. Foto: UNDP-GEF SGP, Ecuador

Aufgrund der Isolation der Gemeinden erreichen die auf nationaler oder regionaler Ebene festgelegten Richtlinien und Präventionsmaßnahmen viele indigene Bevölkerungsgruppen nicht. Angepasst an die jeweiligen Umstände und Kulturen wurden daher relevante Kanäle genutzt, um entsprechende Sensibilisierungsmaßnahmen durchzuführen. Ergänzend hat das Projekt Materialien zur Aufklärung über COVID-19 in der Landessprache entwickelt.

In Ecuador stehen drei indigene Gruppen im Amazonasgebiet beispielhaft für diese Initiativen: So wurde in den Waorani-Gebieten ein Präventionsleitfaden im Waorani-Dialekt erstellt und an 54 Gemeinden verteilt. Zu den Materialien gehören verschiedene Schulungsmaterialien, Videos und Rundfunksendungen über die Auswirkungen von COVID-19. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören Information und auf Aufklärung über Quarantänemaßnahmen. Eine wichtige Zielgruppe sind ältere Menschen, weil sie zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen gehören. In dem Dorf Shuar Arutam hat das Projekt über das lokale Medium „Die Stimme der lebendigen Wasserfälle“ Richtlinien im örtlichen Dialekt verbreitet; und in dem Kichwa-Dorf Sarayaku wurden im Rahmen von Online-Sitzungen und durch die Verteilung von Präventionskarten Gesundheitsprotokolle und Evakuierungspläne auf Spanisch und Kichwa bekannt gemacht.

Koordinationsmaßnahmen zwischen externen Organisationen und indigenen Gemeinden

Das Projekt hat außerdem die Koordinierung zwischen den indigenen Gemeinden sowie den lokalen staatlichen Stellen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, dem Privatsektor und indigenen Organisationen bei der Durchsetzung von Zugangsbeschränkungen sowie der Gewährleistung des Nahrungsmitteltransports unterstützt. Gemeinsam haben die Partner kritische Ein- und Ausgangspunkte identifiziert, Verwaltungsausschüsse an strategischen Punkten ins Leben gerufen und für eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln gesorgt, um die Menschen davon abzuhalten, ihr Gebiet zu verlassen. Ferner haben die Verantwortlichen die Nahrungsmittellieferanten dazu aufgefordert, ihre Waren in der Nähe der Grenze zu dem jeweiligen Gebiet anzuliefern.

Diese Maßnahmen wurden in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedürfnissen des ICCA-Gebiets ergänzt.

 

Header photo: UNDP-GEF SGP, Colombia

 





Die Regierug verteilt Lebensmittel an Gemeindemitglieder, die sich aufgrund von Überschwemmungen und COVD-19 isoliert haben. Foto: UNDP-GEF SGP, Ecuador