Klimafonds soll Milliarden für globalen Stadtumbau aktivieren

Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt heute in Städten, im Jahr 2050 werden es sogar zwei von drei Menschen sein. Wir kennen Städte als Zentren für Kultur, Wirtschaft, Jobs und Innovation. Doch Städte sind gleichzeitig auch die größten Energieverbraucher und CO2-Verursacher der Welt. Eine klimafreundliche Zukunft und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C sind ohne ihren Beitrag nicht erreichbar.

Viele Städte haben Pläne entwickelt, um Ihre CO2-Emissionen zu senken und sich auf Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Wirbelstürme, Trockenheit, Überschwemmungen und Hitzewellen nehmen in Häufigkeit und Intensität zu und verursachen enormes menschliches Leid und wirtschaftlichen Schaden. Ob La Chorrera in Panama, Blantyre in Malawi oder Bogor in Indonesien, sie und ihre Bewohner benötigen nachhaltige öffentlichen Verkehrsmittel, energieeffiziente Gebäude, saubere Energiesysteme, integrierte Wertstoffkreisläufe, sowie grüne Lebensräume und komplett neu gedachte nachhaltige Stadtteile.

Was Städte in naher Zukunft brauchen

Die marokkanischen Großstadt Casablanca treibt ein umfangreiches Programm zur städtischen Erneuerung voran, welches sowohl die kulturellen und historischen Eigenschaften der Stadt bewahren, aber gleichzeitig Gebäude und deren Energieverbrauch optimieren soll. Hierfür müssen konkrete Projekte definiert werden und Modelle zur Gewinnung privater Investitionen auf ihrer Machbarkeit geprüft werden.

In der mittelgroßen Stadt Santa Bárbara d’Oeste in Brasilien hingegen soll eine neue Anlage zu Verwertung von Hausmüll aus insgesamt acht Kommunen gebaut werden. Mit solch einer Anlage sollen Mülldeponien geschlossen und umweltschädliche Einflüsse sowie klimaschädliche Treibhausgasen verringert werden. Die Stadt benötigt Unterstützung bei der Durchführung einer Machbarkeitsstudie im Hinblick auf die vorgeschlagenen Technologien für die Abfallverwertung. Die Auswahl der richtigen Technologie im Anfangsstadium des Projektes ist mitentscheidend für die weiteren Schritte und erfolgreiche Umsetzung. Die Stadt konnte jedoch bisher keinen Partner hierfür finden.



Insgesamt müssen bis 2030 über 65 Billionen US Dollar in den Bau solch nachhaltiger Infrastrukturen in Städten investiert werden. Dies entspricht 70 Prozent der benötigten Investitionen in nachhaltige Infrastruktur weltweit und fast dem 20-fachen des Bruttoinlandsproduktes Deutschlands im letzten Jahr (3.344 Milliarden, 2018).

Doch Städte scheitern oft schon am Anfang, wenn es darum geht, aus Ideen konkrete Projekte zu definieren und deren Machbarkeit zu prüfen. Die internationale Unterstützung von Projektentwicklungsfazilitäten oder Klimafonds fokussierte sich meist auf die Entwicklung von Klimaplänen vor oder der Weiterentwicklung und Finanzierung von Projekten nach dieser Phase. Ein globaler Klimafond soll diese Lücke nun schließen und Städten hierbei helfen.

Wie Städte ihren Umbau finanzieren können

Am 22. September 2019 verkündete Bundesministerin Schulze auf dem vom Generalsekretär der Vereinten Nationen einberufenen Klimagipfel in New York die Gründung des Cities Climate Finance Gap Fund‘. Der Gap Fund stellt Städten in Entwicklungsländern Geld zur Verfügung, um mit Hilfe von Expertinnen und Experten nachhaltige Infrastrukturprojekte soweit zu entwickeln, dass Projektvorbereitungsfazilitäten diese weiter unterstützten können. Am Ende dieser Entwicklung stehen dann Investoren, die bereit sind, die Umsetzung zu finanzieren.

Insgesamt soll der Gap Fund mehr als 100 Million Euro an Zuschüssen erhalten und damit den Bau von urbanen Infrastrukturprojekten mit einem Gesamtwert von 4 Milliarden Euro ermöglichen. Städte können damit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung leisten.

Der Gap Fund wurde gemeinsam mit dem Städtenetzwerk Global Covenant of Mayors (GCOM) entwickelt. Auch andere multilaterale Entwicklungsbanken, Finanzinstitutionen, Klimafonds und Think Tanks waren beteiligt. Deutschland plant als Hauptgeber bis zu 40 Million Euro bereitzustellen. Luxembourg stellt bis zu 10 Millionen Euro bereit.

Der Gap Fund ist Teil der Rahmeninitiative Leadership for Urban Climate Investment (LUCI), die für subnationale Akteure den Zugang zu Mitteln der internationalen Klimafinanzierung verbessern will. Ebenso kooperiert der Fond eng mit der Cities Climate Finance Leadership Alliance (CCFLA) als führende Plattform für internationale Zusammenarbeit und Wissensaustausch im Bereich subnationale Klimafinanzierung.

Bis zu den Klimaverhandlungen auf der COP 26 in 2020 soll der Gap Fund vollends seine Arbeit aufnehmen und anfangen, Städte bei der Verwirklichung von nachhaltigen Infrastrukturprojekten zu unterstützen.

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