19.10.2018

"Grüner" Wasserstoff lockt die Industrie in Chile

v.l.n.r.: Gabriel Prudencio, Cedríc Philibert, Marcela Angulo, Ministerin Susana Jiménez, Rainer Schröer, Rodrigo Mancilla, Chargé d´Affaires der Deutschen Botschaft Santiago Peter Sauer; Foto: © Hugo Munoz/GIZ

v.l.n.r.: Gabriel Prudencio, Cedríc Philibert, Marcela Angulo, Ministerin Susana Jiménez, Rainer Schröer, Rodrigo Mancilla, Chargé d´Affaires der Deutschen Botschaft Santiago Peter Sauer; Foto: © Hugo Munoz/GIZ

Auf der II. Internationalen Konferenz “Grüner Wasserstoff für die Energiewende in Chile” diskutierten 34 Expertinnen und Experten aus 13 Ländern über die Herausforderungen, welche sich der chilenischen Wirtschaft durch die Herstellung und Nutzung von emissionsfreiem Wasserstoff stellen werden. Unter den über 400 Teilnehmenden befanden sich VertreterInnen von 285 Unternehmen, 80 staatlichen Institutionen und 62 Universitäten und Hochschulen. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung via Streaming übertragen und von ca. 300 Personen in 9 Ländern weltweit gesehen. Organisiert wurde die Konferenz vom Projekt „Förderung der Solarenergie“ der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMU) in Zusammenarbeit mit dem chilenischen Energieministerium und der Wirtschaftsförderinstitution CORFO.

Susana Jiménez, Energieministerin Chiles, sagte in ihrer Eröffnungsrede: “Es existiert eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Chile in der Zukunft  grünen Wasserstoff effizient und wettbewerbsfähig produzieren kann, indem das reichhaltige ökonomische Potential an erneuerbaren Energien genutzt wird“ und ergänzt im Weiteren: “Seitens des Energieministeriums fokussieren wir uns auf die gesamte Wertschöpfungskette der Wasserstoffindustrie sowie den Möglichkeiten unsere Energiematrix im Hinblick auf den Klimaschutz mit effizienten und wettbewerbsreifen erneuerbaren Energien zu sichern”.

Energieministerin Susana Jiménez; Foto: © Hugo Munoz/GIZ

Mit Wasserstoff, der über Elektrolyse erzeugt wird, kann zusammen mit dem Stickstoff aus der Luft Ammoniak im Haber-Bosch Verfahren erzeugt werden. Ammoniak ist einfach zu transportieren, leicht zu lagern und findet in der Industrie als Prozessmittel oder als wasserstoffreicher Brennstoff Anwendung. Gegenwärtig werden weltweit aus Erdgas oder der Kohlevergasung 180 Mt pro Jahr Ammoniak produziert. Dies setzt allerdings eine Emissionsbelastung von 420 Mt CO2 pro Jahr frei. Mit der Nutzung erneuerbarer Energien zur Wasserstoffproduktion könnten diese Emissionen drastisch reduziert werden.

Das in Chile vorhandene Erneuerbare-Energien-Potential wird laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH auf mindestens 1.800 GW geschätzt, wovon nur maximal 22 GW für den Strombedarf in Chile benötigt werden. Das verbleibende Potential könnte somit die Produktion von Wasserstoff bzw. Ammoniak mit Null Emissionen ermöglichen – begünstigt durch die günstigen Herstellungskosten für Solar- und Windstrom von unter 20 USD/MWh (2017).

Der Vizepräsident der Wirtschaftsförderinstitution Corfo, Sebastián Sichel, erklärte: “Chile hat eine der stärksten Sonneneinstrahlungen der Welt. Das ist eine große Chance um Chile als einen Pol für eine nachhaltige Wasserstoffproduktion zu entwickeln und damit eine neue Industrie auszubauen.“

Rodrigo Mancilla, Direktor des chilenischen Comité Solar, zeigte sich darüber hinaus davon überzeugt, dass Chile mit Hilfe solarer Groβanlagen wie Fotovoltaik oder CSP die Produktionskosten für Wasserstoff anderer Produktionsstandorte weltweit deutlich unterbieten kann. “Wir arbeiten mit Firmen und wissenschaftlichen Einrichtungen daran innovative Lösungen für diese Technologie zu entwickeln.  Zeitnah wird eine Potentialanalyse für die Wasserstoffproduktion in den Regionen Antofagasta und Atacama durchgeführt, welche die ökonomischen Auswirkungen untersuchen soll.“

Um eine globale Vorreiterrolle für grünen Wasserstoff einzunehmen, plant Chile in den nächsten 10 Jahren Investitionen in Höhe von 200 Millionen US Dollar für ein Technologieinstitut für die Energiewende und die Lithium-Materialforschung.

C-Job Ammoniak-Fährschiff; Foto: © C-Job (https://c-job.com/project/rd-project-nh3-powered-ferry-cruise-vessels/)


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