05.05.2017

100% Erneuerbar – Dunhuang macht’s vor

Das Logo der Europäischen Klimaschutzinitiative; BMUB

10 MW Fresnelsolarkraftwerk im Solar-Industriepark der Stadt Dunhuang. Foto: Paul Recknagel/GIZ

Noch 2015 wurde der Wärme- und Transportsektor der chinesischen Stadt Dunhuang fast komplett aus fossilen Energiequellen versorgt. Mitte 2016 hat sich die Stadt entschieden, ihren Energieverbrauch für Strom, Wärme und Transport bis 2020 zu 100% aus erneuerbaren Energien zu decken. Dunhuang ist eine von drei „Sino-German New Energy Demonstration Cities“, die im Rahmen eines Projekts der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMUB) bei der Erstellung von integrierten Energiekonzepten beraten wird. Als Modellstadt für hohe Anteile an erneuerbaren Energien erhält sie neben anderen chinesischen Städten auch Unterstützung durch die chinesische Regierung.

In China versuchen immer mehr Städte, ihre lokalen Energieversorgungssysteme nachhaltig umzustrukturieren. Die Nationale Energieadministration Chinas (NEA) wählte 2012 mehr als achtzig Pilotstädte aus, in denen der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch erhöht werden soll. Das IKI-Projekt „Deutsch-Chinesische Klimapartnerschaft und Zusammenarbeit zu erneuerbaren Energien“ unterstützt dabei drei Städte im Umbau ihrer Energieversorgung.

Vertreter aus den drei Pilotstädten (Sino-German New Energy Demonstration Cities), dem BMUB und der GIZ versammeln sich nach einem Arbeitstreffen in Dunhuang (Workshop zur Diskussion der Zwischenergebnisse der Energiekonzepte). Foto: Paul Recknagel/GIZ

Zunächst wurde dabei die energetische Ausgangsituation in den drei ausgewählten Pilotstädten eingehend untersucht, um eine detaillierte Energiebilanz zu erstellen. Im zweiten Schritt wurden die Potentiale für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie für Energieeinsparungen und -effizienz beschrieben. Darüber hinaus wurden für verschiedene Entwicklungspfade - oder Szenarien - der zukünftige Energiebedarf prognostiziert und mittels Modellierung Möglichkeiten zur nachhaltigen Transformation des lokalen Energiesystems berechnet. Darauf basierend wurden konkrete Maßnahmen und Handlungsempfehlungen sowie Konzepte für ein kontinuierliches Monitoring der Umsetzung und Optimierung in den jeweiligen Städten vorgeschlagen. Die integrierten Energiekonzepte dienen als wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage für die Städte, um ihre mittel- bis langfristige Klimaschutz- und Energiestrategie zu entwickeln.

Dunhuang ist mit seinen Mogao-Grotten (UNESCO Weltkulturerbe) ein beliebtes Ziel für Touristen. Mit einer Bevölkerung von 142.000 Einwohnern zählt die Stadt in der Provinz Gansu zu den kleineren Städten Chinas. Dunhuang bietet hervorragende Bedingungen für den Betrieb von Solaranlagen aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung und einer großen Wüstenfläche. Der örtliche Solarpark mit 663 MWp installierter Leistung  produziert jährlich rund 640 GWh Strom (Stand: 2015). Hinzu kommen rund 160 GWh, die aus Wasserkraft gewonnen werden. Damit erzeugte Dunhuang im Jahr 2015 bereits mehr als 2,5-mal so viel Strom aus erneuerbaren Energien wie es selbst verbraucht (rund 307 GWh). Mehr als die Hälfte des 2015 aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms wurde in andere Provinzen Chinas exportiert. Strom machte 2015 nur rund 7% des Endenergiebedarfs aus, während Wärme und Verkehr für ca. 74% bzw. 19% verantwortlich waren. Um die lokale Nutzung des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms zu steigern und deren Anteil am Endenergiebedarf anzuheben, plant die Stadt, den überschüssigen Solarstrom für die Wärmeversorgung sowie die Elektrifizierung des öffentlichen Nah- und Tourismusverkehrs zu nutzen. So soll der Energiebedarf für Strom, Wärme und Transport bis zum Jahr 2020 zu 100% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das im Rahmen des IKI-Projekts entwickelte Energiekonzept beinhaltet konkrete Maßnahmen sowie Projektvorschläge zur Erhöhung des Anteils der erneuerbare Energien am städtischen Energieverbrauch. Umgesetzt wird das IKI-Vorhaben von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zusammen mit dem der Nationalen Energieadministration der V.R. China (NEA) und dem Nationalen Zentrum für erneuerbare Energien (CNREC).

Das Interesse in China an deutschen Erfahrungen mit der Förderung von lokalem Klimaschutz und der Entwicklung von langfristigen Strategien zum Umbau der lokalen Energieversorgung wächst. Dabei bietet neben der IKI vor allem die Nationale Klimaschutzinitiative des BMUB gute Ansatzpunkte für eine Vertiefung des bilateralen Austausches.