21.11.2016

Abbau von Lachgas-Emissionen

Traktor düngt ein Feld

Düngen auf einem Feld; Foto: Flickr/Hellebardius (CC BY-NC-ND 2.0)

Im November 2016 begann das Projekt „Unterstützung der Nitric Acid Climate Action Group (NACAG)“ der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMUB) seine Arbeit. Die NACAG wurde vom BMUB auf dem Pariser Weltklimagipfel gegründet, um den Klimaschutz bei der Herstellung von Salpetersäure voranzubringen. Ziel der Initiative ist es, die bei der Gewinnung von Salpetersäure anfallenden Lachgas-Emissionen weltweit abzubauen. Salpetersäure ist eine Stickstoffverbindung, die zur Produktion von Düngemitteln verwendet wird. Bei der Herstellung von Salpetersäure wird als Nebenprodukt Lachgas freigesetzt – N2O ist ein Treibhausgas, das die 264-fache Klimawirkung von CO2 hat. Das Minderungspotenzial bis 2020 wird auf rund 200 Millionen Tonnen CO2 Äquivalente geschätzt. Grundsätzlich sind die Techniken dafür bereits jetzt kostengünstig verfügbar.

Das IKI-Projekt wird die NACAG zu einem internationalen Netzwerk erweitern und den Austausch unter seinen Mitgliedern befördern. In einer ersten Phase soll eine technische Beratungs- und Unterstützungseinheit vor allem den Wissenstransfer zum Thema leisten und dabei konkretisieren, wie es um die technisch-wirtschaftliche Machbarkeit der N2O-Minderungstechniken vor Ort bestellt ist, z.B. durch Länderstudien. Das Vorhaben soll weltweit Expertinnen und Experten in diesem Bereich zusammenbringen und maßgeschneiderte Beratungskonzepte ausarbeiten, um dann in den Partnerländern die technische Umsetzung möglichst praxisnah unterstützen zu können. Die Beratungen können zum Beispiel die Beschaffung und den Einbau von Katalysatoren in Salpetersäurenanlagen betreffen, die nicht nur N2O vermeiden, sondern auch Nachhaltigkeitsstands erfüllen und die betrieblichen Prozesse optimieren. Durch Fachworkshops sollen beste Praktiken der N2O-Minderung, ein solides Monitoring eingeschlossen, den NACAG-Mitgliedern verfügbar gemacht werden.

Erste klimafreundliche Investitionen wurden in Salpetersäureanlagen über den Kohlenstoffmarkt (Clean Development Mechanism – CDM) getätigt. Sie können aufgrund von Engpässen in der Finanzierung jedoch nicht weitergeführt werden. Die Nachfrage nach den Zertifikaten, damit auch deren Erlös, ist schließlich eingebrochen.  Diesen ausgesetzten CDM-Projekten wird sich die NACAG als erstes widmen. Es sollen aber auch völlig neue Investitionsprojekte für den Technologietransfer in die Schwellen- und Entwicklungsländer identifiziert werden. Die Weltbank hat in diesem Zusammenhang bereits angekündigt, die N2O-Minderung ergebnisbasiert mit bis zu 12 Millionen US Dollar im Rahmen von Auktionen (sog. Pilot Auction Facility) finanzieren zu wollen. Das IKI-Projekt wird daher eng mit der Weltbank kooperieren.

Ab 2020 sollen die beigetretenen Länder der NACAG die N2O-Minderung auf Grundlage unterstützter Pilotmaßnahmen eigenständig weiterführen. Dafür stehen den Ländern  diverse politische Möglichkeiten offen. In Deutschland werden die N2O-Emissionen zum Beispiel über europäischen Emissionshandel abgedeckt, weshalb der deutsche Verband der chemischen Industrie (VDI) die Herausforderungen kennt und ebenfalls in der NACAG vertreten ist. Das IKI-Projekt kann je nach Bedarf Länder unterstützen, die für sie passende Lösung zu finden und im Anschluss deren rechtlich-institutionelle Umsetzung befördern.