25.06.2019

Artenschutz - Drei Kenianische Erfolgsgeschichten

Samuel Benzi Karisa in der Baumschule (Foto: © Alex Kubasu / WWF-Kenya)

Samuel Benzi Karisa in der Baumschule (Foto: © Alex Kubasu / WWF-Kenya)

Erfolgsgeschichte 1: Der Waldschutz trägt Früchte; von Samuel Benzi Karisa

Naturschutz zahlt sich aus, erfordert jedoch Geduld, harte Arbeit und Einsatzbereitschaft. Ich bin Mitglied der Gogoni Forest Group. Als wir 1997 angefangen haben, waren wir insgesamt 52 Mitglieder. Zwei Jahrzehnte später sind es nur noch sieben. Trotzdem sind wir fest entschlossen, uns für den Schutz der Umwelt einzusetzen, damit wir der nächsten Generation einen intakten Wald hinterlassen. Die meisten Mitglieder haben unsere Waldschutzgruppe verlassen, weil ihre Erwartung, dass sie bereits nach kurzer Zeit Baumsetzlinge würden verkaufen können, nie erfüllt wurde. Sie wurden einfach ungeduldig und haben aufgegeben.

Unser Weg zum Erfolg

Zunächst haben wir uns auf die Anpflanzung von exotischen Baumarten konzentriert, darunter Casuarina-Arten, der Niembaum und Eukalyptus. Wir haben schnell gemerkt, dass wir damit die Gewinnschwelle nicht erreichen würden. Ein reifer Setzling einer exotischen Art ließ sich nur für 3-5 KSH (etwa 0,03-0,05 USD) verkaufen. Wir hätten Tausende verkaufen müssen, bevor wir Gewinn gemacht hätten. Hinzu kam, dass diese Baumarten kaum nachgefragt wurden. Doch Mitte der 2000er-Jahre kam die Trendwende, als eine Organisation Säcke, Zelte und Geräte für Setzlinge spendete. Gemeinsam beschlossen wir, unsere gesamten Ressourcen auf den Anbau einheimischer Baumarten zu verwenden, deren Ökosystemleistungen viel besser sind. Wir hofften, mit diesen Baumsetzlingen mehr verdienen zu können.

Natürlich brauchen die einheimischen Baumarten in der Baumschule viel länger und müssen intensiv gepflegt werden. Außerdem gingen am Anfang viele der Setzlinge ein. Das war ein weiterer Lackmustest, der dazu führte, dass etliche Mitglieder austraten. Zudem erwies es sich als schwierig, einen Markt für unsere neuen Produkte zu finden. Ein paar Mal konnten wir die Setzlinge für 200-300 KSH (etwa 2,00-3,00 USD) verkaufen - das war 100 Mal mehr, als das, was wir mit den exotischen Bäumen verdient hatten.

Der Geldsegen

Nachdem WWF Kenya Anfang 2019 mit Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative des deutschen Bundesumweltministeriums das Aufforstungsprogramm im Kwale County gestartet hatte, wendete sich alles zum Besseren. Unsere Geduld hatte sich endlich ausgezahlt, denn wir konnten uns über eine große Anfrage freuen: Wir sollten 3.500 Setzlinge einheimischer Baumarten zur Wiederaufforstung des Gogoni Forest Blocks liefern. Dieser Auftrag war ein echter Wendepunkt. Wir hätten nie gedacht, dass wir im Laufe des Projekts so viele Baumsetzlinge auf einmal verkaufen würden. Das Timing war perfekt, denn wir hatten eine ausreichend große Zahl reifer Setzlinge, um den Bedarf des WWF-Projekts zu decken. Endlich konnten wir die Früchte unserer Arbeit ernten.

Wir haben einen großen Teil des eingenommenen Geldes zurückgelegt und uns überlegt, wie wir unser Projekt am besten ausweiten können. Der Rest des Geldes wurde zu gleichen Teilen an die Mitglieder verteilt. Wir können jetzt das Schulgeld für unsere Kinder bequem aufbringen, Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen und für eine ausreichende Ernährung unserer Familien sorgen.

Samuel Benzi Karisa ist Gründungsmitglied und derzeit Sekretär der Gogoni Forest Conservation Group. Diese gehört zu den wichtigsten Begünstigten des Projekts Public-Private-People Partnerships, das auf den Schutz der kenianischen Küstenwälder abzielt.

Erfolgsgeschichte 2: Die Frau, die den Wald von Gogoni nie aufgegeben hat; von Mbuche Martin Nyamawe

Seit 22 Jahren besuche ich zwei Mal pro Woche unsere Baumschule in Gogoni.  Ich bin Mitglied der Gogoni Forest Conservation Group. Ich bin der Gruppe sehr dankbar für das Wissen, das sie mir vermittelt hat, und den Nutzen, den ich davon habe. Als ich der Gruppe im Jahr ihrer Gründung 1997 beitrat, wusste ich nichts darüber, wie man eine Baumschule anlegt und Baumsetzlinge heranzieht. Die Unterstützung und Ausbildung, die ich im Laufe der Zeit erhalten habe, sind von unschätzbarem Wert. Inzwischen weiß ich genau, was zu tun ist, um einen Setzling heranzuziehen.

Ich bin Witwe und arbeitslos. Es ist schwierig für mich, meine Kinder zu ernähren und zu erziehen. Neben der Subsistenzwirtschaft, die ich betreibe, habe ich Gelegenheitsjobs. Außerdem habe ich immer auf den Erfolg unserer Waldschutzgruppe gesetzt. Wie meine anderen Kollegen habe ich in der Anfangsphase des Projekts daran gedacht, der Gruppe den Rücken zu kehren. Wir haben nicht viele Baumsetzlinge verkauft, bis wir auf einheimische Baumarten umgestellt haben. Jetzt geht es langsam aber stetig bergauf. Unseren größten Durchbruch haben wir in diesem Jahr erzielt: Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Waldgruppe konnten wir mehr als dreitausend Baumsetzlinge auf einmal verkaufen.

Ich habe einen Teil des vereinnahmten Geldes dazu verwendet, um das Schulgeld für meine Kinder zu bezahlen. Ich bin froh, dass dies gerade jetzt möglich geworden ist, weil einer meiner Söhne nächstes Jahr sein Studium beginnt. Die Bäume sind von großem Nutzen, denn sie liefern uns essbare gesunde Früchte. Außerdem sorgen sie für saubere Atemluft und verhindern Bodenerosion. Ich werde alles daransetzen, so viele Bäume wie möglich zu pflanzen und das Wissen, wie man Bäume heranzieht und wie wichtig diese sind, an meine Kinder und andere Menschen weiterzugeben.

Mbuche Martin Nyamawe ist Gründungsmitglied der Gogoni Forest Conservation Group

Erfolgsgeschichte 3: Bäume lassen den Marenje-Gemeindewald wieder aufleben

Als Junge, der in unmittelbarer Nähe zum Wald aufwuchs, begleitete ich meinen Vater gerne in den Wald, wo er in traditioneller Weise mehrere Bienenstöcke hatte. Das hat Spaß gemacht. Ich habe mich immer auf den Spaziergang inmitten dieses unberührten, majestätischen Waldes gefreut. Damals gehörte Honig zu den Dingen, die der Wald uns schenkte. Wir pflegten eine von Achtung geprägte und für beide Seiten vorteilhafte Beziehung zum Marenje-Gemeindewald.

Als ich vor fast 15 Jahren aus dem öffentlichen Dienst ausgeschieden bin, wollte ich etwas Neues wagen: Ich beschloss, das Erbe meines verstorbenen Vaters fortzuführen und begann, mich und meine Gemeinde durch die Bienenzucht zu verändern. Viele Menschen wissen Bienen nur wegen des Honigs zu schätzen, den sie freiwillig und kostenlos liefern. Doch ein entscheidender Punkt wird stets vergessen: Bienen sind Bestäuber und damit sehr wichtig für den Menschen. Die Bienen liefern uns Nahrung, und zwar ganz wörtlich. Dafür sind die Bienen jedoch auf Wälder und bewaldete Gebieten angewiesen, denn nur dort finden sie Nektar und können gedeihen. In einem gesunden Wald leben gesunde Bienen - und im Gegenzug erhalten die Menschen reichlich Nahrung.

Wenn der Wald zerstört wird, können die Bienen leicht umziehen. Wir, die Bewohner von Marenje, sind dann die größten Verlierer. Durch die Schulungen von WWF Kenya haben wir versucht, die Imkerei mit dem Waldschutz zu verbinden. Der Teil meines Grundstücks, den ich für die Imkerei reserviert habe, ist bewaldet.

Ich setze alles daran, um meinem Sohn beizubringen, dass er all diese Aspekte einer schützenden Landwirtschaft berücksichtigen muss. Die Bienenzucht ist vor allem ein Handwerk, für das man Fachwissen braucht; der Arbeitsaufwand ist dagegen überschaubar. Ich ermutige die anderen Mitglieder meiner Gemeinde, sich auch als Imker zu betätigen, denn man kann damit gut Geld verdienen.

Außerdem habe ich einen Teil meines Farmgeländes als Wald angelegt, um im Gemeindewald kein Holz schlagen zu müssen. Dadurch habe das ganze Jahr über genügend Brennholz und kann überschüssiges Holz auch noch verkaufen. Derzeit versuche ich, die Mitglieder meiner Gemeinde davon zu überzeugen, vor allem während der Regenzeiten Bäume zu pflanzen, und zwar nicht nur in den nahegelegenen Wäldern, sondern auch auf dem eigenen Grundstück. Damit erreichen wir zweierlei: Zum einen leisten wir einen Beitrag zum Umweltschutz, und zum anderen haben können wir so unseren Eigenbedarf an Holz decken.  Meine Botschaft an die Mitglieder meiner Gemeinde lautet: Seht in den Wäldern keine Brennholzquelle mehr, sondern ein Stück Natur, das wertvolle Ökosystemleistungen für uns erbringt.

Simeon Mwanyumba ist Imker und lebt am Rand des Marenje-Gemeindewalds. Er ist Mitglied der Msambweni Imkervereinigung, die mit WWF Kenya an der Umsetzung des Projekts Public-Private-People-Partnerships zur Rettung der kenianischen Küstenwälder arbeitet.