02.10.2019

Asien-Pazifik-Raum: Nachhaltige Fischerei zur Stärkung der Klimaresilienz

Die Provinz Südost-Sulawesi liegt auf der südöstlichen Halbinsel der Insel Sulawesi. Sie gehört zum Sunda Banda Seascape and Coral Triangle, einem Gebiet, das für seine reiche und einzigartige marine Artenvielfalt bekannt ist. Daher hat die Provinz große Bedeutung als Fischereistandort: Fast 20 Prozent der Haushalte in der Provinz verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei; Foto: Rare

Die Provinz Südost-Sulawesi liegt auf der südöstlichen Halbinsel der Insel Sulawesi. Sie gehört zum Sunda Banda Seascape and Coral Triangle, einem Gebiet, das für seine reiche und einzigartige marine Artenvielfalt bekannt ist. Daher hat die Provinz große Bedeutung als Fischereistandort: Fast 20 Prozent der Haushalte in der Provinz verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei; Foto: Rare

Im August 2019 haben eine Delegation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unter der Leitung von Norbert Gorißen, Ministerialdirigent und Leiter der Unterabteilung IK I Internationales, und Philipp Behrens, Ministerialrat und Leiter des Referats Internationale Klimaschutzinitiative (IKI), sowie Vertreter der Deutschen Botschaft und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH einen Projektstandort der Nichtregierungsorganisation (NRO) Rare in Kolono Bay besucht. Kolono Bay liegt in der Provinz Südost-Sulawesi und ist eine relativ kleine Bucht, in der sich Korallenriffe befinden und die von mehreren Fischerdörfern gesäumt ist.

Wandel in Gemeinden und Provinzen

Der Besuch bot den Vertretern des BMU die Gelegenheit, sich aus erster Hand ein Bild davon zu machen, wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Resilienz der vom Fischfang abhängigen und vom Klimawandel bedrohten Gemeinden in der Provinz stärkt. Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des BMU ist ein zentrales Element der deutschen Klimafinanzierung sowie der Finanzierungszusagen, die Deutschland im Rahmen der der Biodiversitätskonvention (CBD) abgegeben hat. Die NRO Rare trägt durch das Projekt Fishing for Climate Resilience dazu bei, dass diese Verpflichtungen erfüllt werden und bewirkt darüber hinaus Veränderungen in den Gemeinden und Provinzen.

Paula Caballero, Managing Director for Climate Change bei Rare, hatte sich der Delegation angeschlossen und führt diesen Gedanken aus: "Alleine können die Staaten der Welt wenig bewirken. Wir müssen begreifen, dass Klimaschutz jeden etwas angeht. Wir brauchen einen umfassenden Bottom-up-Ansatz, mit dem wir Anreize setzen, damit jeder Einzelne sowie die Gemeinden, Unternehmen und andere Akteure den Klimaschutz zu ihrem eigenen Anliegen machen."

Herr Mabrur, Leiter des Kolono Bay Care for the Sea Forum, erklärt den Delegierten des BMU sowie verschiedenen lokalen Verantwortlichen, inwiefern das Leben in Kolono Bay durch das vom BMU geförderte globale Küsten- und Meeresumweltprogramm von Rare positiv verändert wurde. Das Forum ist das Managementorgan auf Dorfebene, das mit Unterstützung der Lokal- und Provinzregierungen für die Bewirtschaftung der Fischereigebiete und der Fangverbotszonen gegründet wurde; Foto: Rare

Die Delegation hatte aus den Gemeinden in Kolono Bay erfahren, dass die NRO Rare mit ihrem von der IKI des BMU geförderten Projekt, positive Veränderungen herbeigeführt hat. So ist es gelungen, Konzepte für eine nachhaltige Gestaltung der Küstenfischerei und eigenverantwortlicher Leitung der Gemeinden zu entwickeln und voranzubringen. Mehr als 10 Prozent der 3.000 Einwohner von Kolono Bay sind Fischer; die meisten sind in der Kleinfischerei tätig.

Herr Mabrur, Leiter des Kolono Bay Care for the Sea Forum - eines Managementorgans, das 2017 mit Unterstützung von Rare durch eine Vereinbarung zwischen fünf Dörfern gegründet wurde -, erinnerte daran, dass sich das Leben in den letzten 15 Jahren stark verändert hat. "Wir mussten weiter hinaus fahren und haben doch weniger gefischt. Uns war nicht klar, wie sehr wir den natürlichen Ressourcen und damit uns selbst schaden." Rare hat den Menschen in Kolono Bay gezeigt, wie stark sie von den natürlichen Ressourcen der Bucht abhängig sind und welchen Nutzen gemeinsames Handeln haben kann, um beispielsweise exklusive Fischereizonen und Zugangsrechte festzulegen, sich Wissen und Kompetenzen anzueignen und die vorhandenen Ressourcen besser zu bewirtschaften. Für Mabrur bedeutet die Tatsache, dass die Gemeinden den Schutz und die nachhaltige Nutzung ihrer Fanggebiete jetzt eigenverantwortlich planen und gestalten können, dass sie ihre Zukunft selbst in der Hand haben. "Dieser Lernprozess war echtes Empowerment", so Mabrur.

Außerdem berichtete eine Frauengruppe aus Kolono Bay darüber, mit welchen Herausforderungen und Erfahrungen die Arbeit mit Rare verbunden war, die zur Verbesserung der Lebensgrundlagen sowie zum Schutz des marinen Lebensraum beigetragen hat. Sie sollten beispielsweise auf den Verzehr von in der Bucht gefangenem Fisch verzichten, weil in der Bucht mit Dynamit gefischt wurde. Außerdem waren sie länger von ihren Männern getrennt, weil diese weiter hinausfahren mussten, um Fisch zu fangen. 

"Unser Leben ist heute anders als noch vor 15 Jahren. Unsere Einkommen sind gestiegen, und wir haben keine Angst mehr, den Fisch zu essen, den unsere Männer in der Bucht fangen, weil wir wissen, dass er nicht verseucht ist." Die Delegation traf sich auch mit den Direktoren der Provinzbehörden von Sulawesi. Ali Mazi, Gouverneur der Provinz Südost-Sulawesi, verpflichtete sich dazu, die Fischerei in der Provinz künftig klimaschonend zu gestalten. Zu diesem Zweck sollen in den Plänen und Richtlinien der Provinz ökosystembasierte Anpassungsmaßnahmen (EbA) verankert und der integrierte EbA-Ansatz von Rare eingeführt werden.

Ali Mazi, Gouverneur der Provinz Südost-Sulawesi, dankt dem BMU, vertreten durch Norbert Gorißen, für die Unterstützung bei den Maßnahmen zum Schutz der marinen Ressourcen und Küstengemeinden der Provinz vor den Folgen des Klimawandels. In der Bildmitte: Herr Taufiq Alimi, Vice President von Rare Indonesia; Foto: RareDen Wandel konsequent vorantreiben und in andere Regionen tragen

Erfolgsgeschichten wie diese belegen, dass gemeindebasierte und naturnahe Lösungen wie die ökosystembasierte Anpassung, die auf lokaler Ebene funktionieren, skaliert und andernorts reproduziert werden können. Damit fällt den gemeindebasierten Lösungen eine zentrale Rolle bei der Erfüllung von nationalen und globalen Verpflichtungen im Zusammenhang mit Klimaschutz und Klimaanpassung zu.

Die erneute Umsetzung von erfolgreichen Projekten mithilfe von Gemeindenetzwerken kann dazu führen, dass sich das Konzept einer klimabewussten Fischereiwirtschaft auf breiter Front durchsetzt und ausgehend von den Gemeinden Eingang in die nationalen Klima- und Entwicklungsstrategien findet. Im Rahmen dieses Projekts kann Rare mit den Küstengemeinden und lokalen Führungspersönlichkeiten in Asien und im Pazifikraum auch künftig daran arbeiten, Überlegungen im Zusammenhang mit Klimaschutz und Klimaanpassung in den Plänen für eine nachhaltige Fischereiwirtschaft zu verankern; gleichzeitig bietet das Projekt die Chance, die Anpassungskapazitäten vor Ort in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zu verbessern.

Lesen Sie für mehr Hintergrundwissen zum IKI-Projekt auch den Beitrag "Im Fokus: Nachhaltige Fischerei im Asien/Pazifikraum"!