02.12.2020

BIOFIN Phase II verlängert bis 2025

Savanne

Gesunde und intakte Ökosysteme eine der besten Verteidigungslinien gegen zukünftige Pandemien und andere Katastrophen. Foto: Nina Wettern

Obwohl Wälder, Korallenriffe, Polkappen und Gletscher der Welt sehr unterschiedliche Ökosysteme sind, haben sie eines gemeinsam – sie alle schrumpfen rapide aufgrund von menschlichen Aktivitäten. Heute konzentriert sich die ganze Welt darauf, die COVID-19 Pandemie zu bekämpfen. Dabei besteht jedoch ein hohes Risiko, dass sich der Zustand der Natur weltweit weiter verschlechtert.

Da Regierungen ihre Ausgabenprioritäten überdenken, laufen die öffentlichen Budgets für die Erhaltung der Biodiversität in den meisten Ländern Gefahr, gekürzt zu werden. Auch die öffentlichen Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit für Biodiversität drohen in den kommenden Jahren stark zu sinken. Die Einnahmen aus dem Tourismus befinden sich im freien Fall. Die Nationalparks der Welt sehen sich mit beispiellosen Einnahmeverlusten konfrontiert. Die Ausgaben für Reisen werden voraussichtlich von 1 Billion US-Dollar im Jahr 2019 auf 310 bis 570 Milliarden US-Dollar sinken und damit über 100 Millionen Arbeitsplätze gefährden.

Und dabei sind gesunde und intakte Ökosysteme eine der besten Verteidigungslinien gegen zukünftige Pandemien und andere Katastrophen. Im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) haben sich Länder auf der ganzen Welt seit 1992 zusammengetan, um den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Einige vielversprechende Ergebnisse wurden bisher erzielt, der Gesamterfolg ist jedoch noch begrenzt. Der im September 2020 veröffentlichte 5. Globale Berichtzur Lage der biologischen Vielfalt kommt zu dem Schluss, dass nicht eines der im Jahr 2010 festgelegten 20 globalen Aichi-Ziele für die Biodiversität vollständig erreicht wurde. Ein wesentlicher Grund für diesen mangelnden Fortschritt ist eine große Lücke in den verfügbaren Finanzmitteln, die auf 598 bis 824 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt wird.

Die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) durchgeführte Biodiversitätsfinanzierungsinitiative (BIOFIN) wurde 2012 ins Leben gerufen. Von Beginn an erhielt BIOFIN Unterstützung vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Der Schwerpunkt der ersten Phase war es, die Länder bei der Ausarbeitung von Finanzierungsplänen für ihre Biodiversitätsstrategien zu unterstützen. BIOFIN hat eine innovative Methode entwickelt, die Ländern dabei hilft, den aktuellen Stand an verfügbaren Mitteln für den Biodiversitätsschutz zu bestimmen. So können sie berechnen, welche Mittel ihnen fehlen, um ihre Biodiversitätsziele zu erreichen. Diese Analysen ergaben in 30 Ländern, dass die Nationen in der Regel weniger als ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Erhaltung der biologischen Vielfalt ausgeben.

Finanzierung der Biodiversität muss ein zentrales Thema von Finanz- und Planungsministerien werden

Aber bei BIOFIN geht es nicht nur um diese Zahlen. Im Mittelpunkt der Philosophie steht die Idee, dass die Finanzierung der Biodiversität ein zentrales Thema von Finanz- und Planungsministerien werden muss, da diese in der Regel die größte Kontrolle über die öffentlichen Finanzen haben. Ebenso wichtig ist im Rahmen von BIOFIN die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor. Schädliche Auswirkungen von privaten Investitionen sollen vermieden und gleichzeitig Investitionen mit einem positiven Effekt gefördert werden. In 30 teilnehmenden Ländern wurden nationale Pläne zur Finanzierung der biologischen Vielfalt entwickelt. Sie beschreiben zwischen 5 und 15 Mechanismen, die das größte Potenzial haben, die Finanzlücke des jeweiligen Landes zu schließen. Das Flaggschiff der Arbeit von BIOFIN ist das BIOFIN Workbook. Es beschreibt detailliert, wie jeder Schritt im BIOFIN-Prozess zu befolgen ist. Damit ist es das wichtigste Ergebnis aus der ersten Phase der Initiative (2012-2019).

ArktisAb 2018 begann die zweite Phase und BIOFIN änderte den Schwerpunkt. Die Initiative begann damit, Länder auch aktiv dabei zu unterstützen, Finanzierungsmechanismen für den Naturschutz zu entwickeln und zu verbessern. Seitdem zeichnen sich bereits einige erste Ergebnisse ab: Die Philippinen verabschiedeten einen Haushaltsentwurf mit 40 Millionen US-Dollar für ihr Schutzgebietssystem. Indonesien plant Investitionen in Höhe von 2,7 Millionen US-Dollar für ein Vogelschutzzentrum. Und Mexiko half bei der Neugestaltung von zwei Umweltfonds. In dem Prozess konnten Einsparungen von mehr als 3 Millionen US-Dollar pro Jahr erzielt werden, da der nationale Klimafonds – der zuvor nicht einsatzbereit und nicht auf Biodiversität ausgelegt war – einen Umsatz von mehr als 2 Millionen US-Dollar für die Finanzierung von Naturschutzprojekten verzeichnete. Sambia verabschiedete sein erstes Rahmenwerk für grüne Anleihen. Und Sri Lanka führte eine nachhaltige Finanzstrategie für einen grünen Finanzsektor ein.

Mit Mitteln aus dem IKI-Corona-Response-Paket unterstützt das BMU BIOFIN weiter und konnte die Arbeit der Initiative bis Ende 2025 verlängern. BIOFIN wird Ländern weiterhin dabei helfen, Finanzierungsmechanismen zu entwickeln und zu verbessern. Darüber hinaus wird es die Länder in zwei neuen Bereichen gezielt unterstützen: Erstens, bei der Reaktion auf die COVID-19- Pandemie, und zweitens bei der Umsetzung des neuen globalen Biodiversitätsrahmens der CBD, der in 2021 verabschiedet werden soll. Im Mittelpunkt der fortgesetzten Unterstützung für über 30 Partnerländer stehen vier Lösungsansätze:

  1. Unterstützung der Länder bei der Bewältigung der Auswirkungen von COVID-19 – Unterstützung von biodiversitäts- und klimafreundlichen wirtschaftlichen Konjunkturpakten (Green Recovery) naturbasierte Lösungen fördern, Einnahmequellen wiederherstellen und konsolidieren. Dazu gehört auch die unmittelbare Unterstützung von bedürftigen Gemeinden über Crowdfunding. Im Rahmen der BIOFIN-Kampagne ‚Keep Conservation Heroes in their Job‘ konnten so bereits mehr als 23.000 US-Dollar gesammelt werden, um Ranger auf der Insel Mindoro, Philippinen, zu unterstützen, die sich für den Erhalt der letzten 480 Tamaraus (eine Art wilder Zwergbüffel) einsetzen. Zu den Maßnahmen können die Ausweisung neuer Schutzgebiete und die Verbesserung des Schutzgebietsmanagements, Baumpflanzkampagnen und Projekte zur Wiederherstellung von Ökosystemen gehören.
     
  2. Ergebnisbasierte und effektive Budgetierung für die Biodiversität – dafür sorgen, dass die Budgets auf die nationalen Biodiversitätsziele ausgerichtet sind. Die Länder werden dabei unterstützt, zu ergebnisbasierten Budgetsystemen überzugehen. Das Ziel ist, ihre Haushaltsentwürfe an den nationalen Biodiversitätszielen auszurichten und sich für konsolidierte und höhere Haushalte einzusetzen, die den sozioökonomischen, klimatischen und gesundheitlichen Nutzen von Investitionen in die biologische Vielfalt hervorheben.
     
  3. Neugestaltung von Eingriffen mit nachteiligen Auswirkungen auf die Natur – Subventionen und Anreize überprüfen, um zu ermitteln, ob sie der Natur schaden könnten, und Alternativen vorschlagen, um sie neu zu gestalten. Win-Win-Möglichkeiten ermitteln, bei denen die negativen Auswirkungen minimiert und im Idealfall positive sozioökonomische Nettogewinne erzielt werden. Jedes Land beginnt mit einer kurzen Gesamtanalyse, um zu überprüfen, welche Anreize oder größere Budgetprogramme sich negativ auf die Biodiversität des Landes auswirken könnten. In einem zweiten Schritt geht die Analyse in die Tiefe, um Möglichkeiten für eine Umgestaltung zu finden.
     
  4. Integration von Biodiversität in den Finanzsektor – Unter der Leitung von Zentralbanken und Finanzministerien können Länder eine Reihe verfügbarer Instrumente nutzen (Entwicklung grüner Finanzstrategien, grüne Kreditprogramme, grüne Anleihen, Berichterstattung und Transparenz biodiversitätsrelevanter Risiken), um einen neuen Kurs der nachhaltigen Finanzierung zu entwerfen, der eng mit der Klimaagenda verknüpft ist.