02.02.2020

Bürgerjournalismus für den Mekong

Bürgerjournalist interviewt einen Mann mit seinem Smartphone.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Mekong-Region berichten selbst von den Folgen des Klimawandels und das Leben am und mit dem Mekong. Foto: IUCN

Der Mekong ist die Lebensader Südostasiens. Der Fluss durchquert fünf Länder, bis er in Vietnam in einem riesigen sedimentreichen Delta endet. Millionen Menschen sind auf ihn als Lebensgrundlage angewiesen – sei es als Wasser-, Nahrungs- oder Einkommensquelle. Zudem verringern die Feuchtgebiete des unteren Mekongs das Katastrophenrisiko, indem sie als natürliche Puffer gegen Überschwemmungen und Erosion und die Auswirkungen von Extremwetterereignissen wie Dürren, Tsunamis und Erdrutschen wirken.

Doch die Feuchtgebiete des unteren Mekongs sind gefährdet: durch zunehmende Verstädterung und dem Ausbau der Infrastruktur, durch die Abholzung der Wälder und die Ausweitung der Bewässerungslandwirtschaft. Gleichzeitig sind ihre Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend von Erdrutschen, Sturzfluten und dem Eindringen von Salzwasser betroffen. Eine Entwicklung, die vom Klimawandel verschärft wird.

Feuchtgebiete des Mekong sind durch den Klimawandel gefährdet

Mekong in LaosDas Projekt „Mekong WET: Stärkung der Resilienz von Feuchtgebieten durch eine Ramsar-Regionalinitiative in der Mekong-Gegend“, das durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert und von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) durchgeführt wird, analysiert, wie die Lebensräume, Arten und Lebensgrundlagen durch die Folgen des Klimawandels gefährdet sind. Die Ergebnisse dienen zur Umsetzung ökosystembasierter Anpassungsmaßnahmen, welche die Widerstandsfähigkeit der Region gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels stärken. 

Ein Hauptziel des IKI-Projektes ist es, die Ökosystemdienstleitungen der Feuchtgebiete bekanntzumachen und die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu dokumentieren. Dazu setzt es auf das Prinzip des Bürgerjournalismus. In den Partnerländern sollen also nicht professionelle Journalisteninnen und Journalisten über die Feuchtgebiete berichten, sondern ihre Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Dafür entwickelte das Projekt ein Training für Gemeindemitglieder aus Projektstandorten in Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam. Professionelle Journalisten schulten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin mit ihrem Smartphone eigene Beiträge zu erstellen. Die mehrtägigen Workshops konzentrierten sich auf die Entwicklung von Erzählstrukturen und die Techniken für das Drehen von Interviews und das Sammeln von O-Tönen.

Beiträge werden von den Fernsehsendern in den Nachrichten ausgestrahlt

„In den Videoberichten können die Einwohnerinnen und Einwohner der Region zeigen, wie sie die Ressourcen der Feuchtgebiete im Alltag nutzen und mit den Klimawandelfolgen wie Überschwemmungen und Dürren umgehen. Außerdem haben Sie die Gelegenheit, über interessante Sichtungen von einzigartigen Tieren oder Pflanzen zu berichten. Durch einen breiteren Informationsaustausch kann der Bürgerjournalismus mithilfe der sozialen und klassischen Medien dazu beitragen, das Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ressourcen der Feuchtgebiete zu schärfen“, so Chin Madepo, Journalist beim Fernsehsender Apsara und Workshop-Trainer in Kambodscha.

MedienschulingDas zukünftig durch die Bürgerjournalistinnen und -journalisten angefertigte Material wird von den nationalen Fernsehsendern bearbeitet und in den Nachrichten ausgestrahlt, um sie einem Massenpublikum zugänglich zu machen.

„Der Schulungsworkshop war sehr hilfreich für uns, denn die Vertreterinnen und Vertreter des Dorfs haben nun Zugang zu den nationalen Medien. Ihre Berichte werden damit landesweit ausgestrahlt und erreichen ein größeres Publikum“, so Keo oudone Julamontry vom Bezirksbüro für natürliche Ressourcen und Umwelt des Bezirks Champhone in Laos.

Die Schulungen verleihen dem Mekong und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern eine Stimme, die zum Schutz des Ökosystems beitragen soll. Und damit zum Schutz von Millionen von Menschen.