05.08.2016

Chilenische Bierbrauer investieren in Energieeffizienz

Bierbrauer füllt Bier ab

Der chilenische Bierbrauer Eduardo Aguilar beim Abfüllen in seiner Brauerei Calle Calle; Foto: Kristina Kramer / CAMCHAL

Eduardo Aguilar ist Bootsbauer, doch seine große Leidenschaft ist seit 1999 das Bierbrauen. In seiner kleinen privaten Brauerei „Calle Calle“, die in einem Vorort von Valdivía einer kleinen Stadt im Süden Chiles liegt, kann man das Bier direkt am Zapftresen in mitgebrachte Flaschen abfüllen lassen. „Das ist günstiger“, kommentiert er und erklärt, dass das Abfüllen und das Etikettieren per Hand sehr aufwendig und teuer ist. Eine Ausgabe aber empfindet Aguilar als besonders ärgerlich und das sind die vergleichsweise hohen Strom- und Wärmekosten. Diese machen je nach Größe der Brauerei 10-15% der Produktionskosten aus. Aguilar interessiert sich daher sehr für Energieeffizienzmaßnahmen, mit denen er Kosten sparen und sogar etwas gegen den Klimawandel tun kann.

Betriebsgelände einer Brauerei

Die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen ist Ziel des Projekts Smart Energy Concepts, das im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Das Vorhaben arbeitet mit der chilenischen Lebensmittelindustrie, um dort den CO2-Ausstoß zu verringern. Die Brauereien im Süden Chiles mit ihrem hohen Energiekonsum sind ein durchaus relevanter Akteur. So konsumieren die Chilenen mehr Bier als etwa den über die Landesgrenzen hinaus bekannten Wein oder das Nationalgetränk Pisco, ein Traubenschnaps.
Gerade in den letzten Jahren sind zudem in den Regionen Los Ríos und Los Lagos an die 300 Brauereien entstanden, die von der kleinen „Garagenbrauerei“ bis hin zu mittelgroßen Brauereien, wie etwa „Kunstmann“, reichen. Der Einfluss der deutschen Einwanderer ist in der chilensichen Brauereilandschaft nicht  zu übersehen. So heißen die Brauereien Rothhammer, Tübinger, Starkbier und Mättig, und selbst in der Hauptstadt Santiago feiert man das „Bierfest“ und nicht etwa die „Fiesta de Cerveza“.

Bierbrauer-Workshop zu Energieeffizienzmassnahmen

Gruppenbild

Für die lokalen Bierbrauer wurde nun im Rahmen des Smart Energy Concept-Projekts ein Workshop zur „Grünen Brauerei“ organisiert. Der österreichische Experte Christoph Brunner leitete den Workshop und führte auch Beratungsgespräche bei den Brauern selbst durch. „Ziel war es, über einen Know-how-Transfer Bewusstsein zu schaffen, über die Möglichkeiten der Energieeinsparung zu informieren sowie über unterschiedliche Optionen aufzuklären“, betont  Iris Wunderlich von Smart Energy Concepts Chile.
MalzlagerAuch für die Brauereien „Cuello Negro“ und „Bundor“ spielt der Faktor „Energiekosten senken“ eine wichtige Rolle. Beide Betriebe sind über die letzten Jahre stetig gewachsen und wollen nun ihre Kapazitäten erweitern.

Hier kam die Beratung durch den Experten Brunner genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wenn wir jetzt die Produktion erhöhen, wollen wir auch in Energieeffizienz investieren“, erklärt Braumeister Jaime Astete von „Bundor“, und auch Cristián Olivares von „Cuello Negro“ erkennt großes Effizienzpotenzial in seinen Brauprozessen und hat erste Maßnahmen in Angriff genommen.

Größere Brauereien wie etwa „Kunstmann“, die in Deutschland mit einem Produktionsvolumen von 120.000 hl pro Jahr als mittlere Brauerei gelten würden, haben das Potenzial der Energieeffizienz erkannt. Ihnen fehlen aber oft Kapazitäten und Wissen. Erfahrungen aus Deutschland und Österreich, wo Brauereien durch Effizienzmaßnahmen und Erneuerbare Energie ihre Energiekosten reduzieren konnten, können die chilenischen Brauer unterstützen. Zudem hält Experte Christoph Brunner diese Erfahrungen auch für übertragbar auf die chilenische Realität.

Einfahrt Brauerei Kunstmann

Auch die Politik spielt mit und hat speziell für die Bierbrauer ein Förderprogramm ins Leben gerufen, bei dem Energie im Mittelpunkt steht. So bestätigt der regionale Vertreter des Energieministeriums Pablo Diaz: „Wir wollen die Region und das Bier über die Komponente Energie differenzieren“. Armin Kunstmann, Geschäftsführer der Brauerei „Kunstmann“, ergänzt: „Das Nachhaltigkeitsniveau unserer Produktion zu erhöhen heißt auch, die Region zu fördern“. Das Einsparungspotenzial ist enorm. „Der Großteil der benötigten Energie ist thermische Energie, die vor allem im Sudhaus, dem Kernstück jeder Brauerei, im Gärkeller in Form von Kühlung und bei der Abfüllung zur Pasteurisierung sowie zum Waschen anfällt“, weiß Experte Brunner. Daher sieht er vor allem in der Nutzung der Abwärme aus Sudprozessen sowie in Maßnahmen zur Minimierung von Energieverlusten in Leitungen und Speichern durch Isolierung eine große Chance zur Energieeinsparung.

Einsatz von Erneuerbaren Energien beim Brauen

Treber

Zudem können Erneuerbare Energien gut in die Prozesse integriert werden. Treber, der bei der Produktion abfällt, wird derzeit größtenteils als Tierfutter an die benachbarten Produzenten verschenkt, kann aber ebenso wie das Brauchwasser, das häufig einfach in die Kanalisation abfließt, zur Erzeugung von Biogas genutzt werden. Erste Initiativen in diese Richtung gibt es schon bei größeren Brauereien, wie etwa bei „Kunstmann“. Aber auch die kleinen Produzenten zeigten sich interessiert und inspiriert von Projektbeispielen aus Europa, und so wurde während des Workshops ein Zusammenschluss zu einer Kooperative mit dem Ziel, gemeinsam Biogas zu erzeugen, rege diskutiert.

 

Gute Möglichkeiten sieht der Experte beim Einsatz von Solarthermieanlagen zur Erwärmung von Brauwasser, Reinigungswasser und Kesselspeisewasser. Für die Chilenen eine Überraschung, denn der Süden des Andenlandes gilt unter Chilenen als regenreich und kalt. Solarenergie kennt man zwar aus dem Norden des Landes, wo in den letzten Jahren in der Atacamawüste riesige Solarkraftwerke errichtet worden sind, aber dass Solarenergie auch im Süden funktioniert, wo die solare Einstrahlung im Vergleich mit Deutschland immer noch hoch ist, beeindruckt.  

zwei Männer im GesprächSchwieriger ist die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen hingegen für Mini-Brauereien, wie etwa „Valtare“. Diese hatte ihren Anfang in der Garage von Braumeister Renato Alvarez mitten in einem Wohngebiet in Valdivia. Mittlerweile nehmen die Brauaktivitäten auch den Hinterhof sowie den Garten in Anspruch. Das Wohnzimmer dient als Büro, und zwischen Auqarium und Fernseher philosophiert der gelernte Schauspieler über den Energiekonsum seiner kleinen Brauerei. Sein Interesse an glänzendem, neuem und weit effizienterem Brauereizubehör ist sehr groß, doch dieses ist leider unerschwinglich, so dass vieles noch Marke „Eigenbau“ ist. Allerdings sind die erfindungsreichen Lösungen energetisch oftmals nicht optimal. Der Spielraum ist hier aufgrund des Produktionsvolumens und des Budgets gering. Verbesserungsmöglichkeiten sieht Brunner in diesem Fall vor allem in der Optimisierung von Prozessabläufen und der Isolierung von Kühlraum und Tanks.  
Eduardo Aguilar hingegen ist schon einen Schritt weiter, er verbrennt altes Frittieröl der lokalen Gastronomie, um den Wärmebedarf abzudecken, und auch seine Kessel sind gut isoliert.

 

 


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