04.08.2021

China feiert den offiziellen Start des Emissionshandels

Start des Emissionshandelssystems in China am 16. Juli 2021. Foto: GIZ

Mit der offiziellen Einführung des Handels im nationalen chinesischen Emissionshandelssystem (ETS) am 16. Juli 2021 fanden jahrelange Vorarbeiten ihren Abschluss. Bei der Einführungsfeier, die zeitgleich in Peking, Wuhan und Shanghai stattfand, eröffnete Vizepremierminister HAN Zheng in Anwesenheit des Sonderbeauftragten für den Klimawandel, XIE Zhenhua und des Ministers für Ökologie und Umwelt (MEE), HUANG Runqiu den Start des Handels. Am ersten Tag wurden mehr als vier Millionen Tonnen CO2 gehandelt. Während der Preis für ein einzelnes China-Emissionszertifikat (CEA) zu Beginn bei 48 chinesischen Yuan (6,30 Euro) lag, wurden die Zertifikate innerhalb eines Tages auf 51,23 chinesische Yuan (6,70 Euro) pro Stück aufgewertet.

Auch wenn die Verschmutzergebühren im Vergleich zu den Preisen, die in ausgereifteren Systemen erzielt werden können, noch gering sind, hat sich das chinesische Pendant bereits zum weltweit größten Emissionshandelssystem entwickelt. Die 2.162 Kraftwerke, um die es hier geht, verursachen mehr als 40 Prozent der Kohlenstoffemissionen Chinas. Das entspricht etwa einem Sechstel der weltweiten Gesamtemissionen. Zum Vergleich: Der zweitgrößte Kohlenstoffmarkt der Welt, das EU-ETS, umfasst nur die Hälfte dieser Menge.

Deutsch-chinesische Kooperation

Deutschland hat die Entwicklung des nationalen chinesischen ETS von Anfang an unterstützt. Das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit über die Internationale Klimaschutzinitiative finanzierte Projekt  „Deutsch-chinesische Kooperation zu Emissionshandel, Marktmechanismus und Minderung industriebedingter N2O-Emissionen", das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt wird, war in den vergangenen zehn Jahren ein Eckpfeiler der Zusammenarbeit zwischen beiden Regierungen im Klimabereich.

Während seiner neunjährigen Laufzeit hat das Projekt einen Wissenstransfer ermöglicht und dazu beigetragen, die notwendigen Kapazitäten für die Systeme zur Messung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) und die ETS-Infrastruktur aufzubauen. Außerdem wurden mehr als 5.000 Personen aus chinesischen Behörden und Unternehmen in den Einzelheiten des ETS geschult.

Das Projekt, das derzeit bis 2022 laufen soll, ist daher gut aufgestellt, um die nächsten Phasen des nationalen ETS zu unterstützen. Das System wird in diesen späteren Phasen sowohl für die chinesischen als auch für die globalen Bemühungen um eine Verringerung der Kohlenstoffemissionen eine wichtige Rolle spielen.

Von regionalen Pilotprojekten zu einem nationalen System

Chinas ETS hat Jahre der Vorbereitung hinter sich. Der erste Spatenstich erfolgte 2013, als mehrere Provinzen und Städte lokal erste Versuche starteten. Diese Sondierungsversuche halfen den Behörden, Erfahrungen mit den wichtigsten Aspekten eines ETS zu sammeln, etwa mit der Datenerfassung, den geeigneten Zuteilungsmethoden und der Bekanntmachung dieses marktbasierten Instruments bei Unternehmen.

Sobald die Machbarkeit im Jahr 2015 nachgewiesen war, begann Peking mit den Vorbereitungen für die Einführung des landesweiten Systems. Darüber hinaus wurde die zugehörige Richtlinie in den national bestimmten Klimaschutzbeitrag (NDC) des Landes im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens integriert. Mit dem ersten Konformitätszyklus, der ab 2021 in Kraft tritt und dem Beginn des Handels  im Juli ist die Vorbereitungsphase nun abgeschlossen und das ETS tritt in seine operative Phase ein.

Bedeutung in China und auf der ganzen Welt

Dieser Erfolg kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Staatspräsident XI Jinping kündigte im Rahmen der UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr an, dass China vor 2030 sein höchstes Niveau an Emissionen erreichen wird und drei Jahrzehnte später kohlenstoffneutral sein wolle. Mit 4,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoffemissionen aus dem Energiesektor verfügt das ETS über das Potenzial, bei der Verwirklichung dieses Ziels eine entscheidende Rolle zu spielen.

Darüber hinaus hat die Tatsache, dass der derzeit größte absolute CO2-Emittent der Welt die Bepreisung von CO2-Emissionen nutzt, auch eine überzeugende normative Wirkung. Wenn andere dazu inspiriert werden, ähnliche Systeme einzuführen, könnte ein globaler Preis für Kohlenstoff in greifbare Nähe rücken.

Dessen ungeachtet befindet sich Chinas ETS noch in seinen Anfängen. Damit die Vorteile des Systems voll zum Tragen kommen können, müssen die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in Peking in naher Zukunft eine Reihe von Schlüsselfragen klären. So müssen neben den Treibhausgasen auch weitere Sektoren einbezogen werden. Entscheidend ist auch, die Zuteilungsmechanismen zu stärken und harte Obergrenzen einzuführen.