08.12.2015

CO2-armer Verkehr in Indien

Verkehrsstraße, auf der sich nur Menschen zu Fuß oder auf dem Rad fortbewegen

Autofreier Sonntag in Chennai. Foto: ©Institute for Transportation and Development Policy (ITDP)

Indien ist das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt und liegt bei den Treibhausgasemissionen pro Kopf noch unterhalb des weltweiten Durchschnitts. Allerdings haben das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum der letzten 20 Jahre dazu geführt, dass die Zahl der Privatfahrzeuge rasant gestiegen ist. Gleichzeitig wurden Teile des Personen- und Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße verlagert.
Daten aus dem Jahr 2012 belegen, dass 14 Prozent des CO2-Ausstoßes des Landes auf den Verkehrssektor entfallen. Luftverschmutzung, mehr Unfälle, Verkehrsopfer sowie Gefahren für die öffentliche Gesundheit und eine nachhaltige Stadtentwicklung sind die Folge.

Das 2010 gestartete Vorhaben "CO2-armer Verkehr in Indien" diente dazu, die nationale Kimaschutzpolitik Indiens mit den Anstrengungen zur Entwicklung und Verbesserung von städtischen Verkehrssystemen zu verknüpfen. Das Projekt wurde mit 1,9 Mio. Euro aus der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMUB) finanziert und wird vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), der UNEP-DTU-Partnerschaft sowie wichtigen indischen Partnern in Abstimmung mit den indischen Ministerien für Umwelt und Wälder (MoEF) sowie für Stadtentwicklung durchgeführt.

Der von dem Projekt vorgezeichnete Weg hin zu CO2-armen Verkehrssystemen sieht Maßnahmen in den Bereichen nachhaltige Mobilität, sparsamer Einsatz von Kraftstoffen, Güterverkehr, Förderung von Biokraftstoffen und sauberer Strom vor. Zusammengenommen beläuft sich damit das CO2-Einsparpotenzial für die Jahre 2010 bis 2050 auf 13 Mrd. Tonnen CO2.

Ligia Noronha, Direktor der Division of Technology, Industry and Economics des UNEP sagte auf dem Abschlussworkshop, der im Rahmen der 8th Urban Mobility India Conference in Neu-Delhi stattfand: "Das Projekt hat sich voll und ganz auf die Bereitstellung von Analysen und Know-how konzentriert, die notwendig sind, um wirkungsvolle politische Rahmenbedingungen für den Aufbau von CO2-armen Verkehrssystemen in den Städten und darüber hinaus im gesamten Land zu schaffen. Ferner hat das Projekt die Klimaagenda und deren positive Wirkungen auf systematische und koordinierte Art und Weise in die Förderung von nachhaltigen Verkehrssystemen in Indien integriert."

leerer Konferenzsaal

Frau Annett Bäßler, die bei der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Delhi für Wirtschaft und Umweltangelegenheiten zuständig ist, sprach in ihrer Rede über den Beitrag der deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit über nachhaltige städtische Transportsysteme. Dabei hob sie die erfolgreiche Arbeit des von der IKI finanzierten Projekts sowie des neu gestarteten Vorhabens "Initiative für nachhaltige Mobilität in Indien" (Sustainable Mobility Initiative India) hervor. Dieses wird vom Institute for Transportation and Development Policy (ITDP) durchgeführt.

Eine der zentralen Komponenten des Projekts war die Entwicklung einer Methodik für die Entwicklung von umfassenden Plänen zur Erreichung einer CO2-armen städtischen Mobilität sowie deren Umsetzung in den drei Pilotstädten Visakhapatnam, Rajkot und Udaipur. Dieser Prozess umfasste Trendanalysen in Bezug auf die Nachfrage nach Mobilität sowie die Entwicklung von nachhaltigen Konzepten für besser zugängliche Verkehrssysteme, die gleichzeitig einen geringeren CO2-Ausstoß aufweisen.

So setzt der im Rahmen des Projekts entwickelte Mobilitätsplan für Udaipur auf einen Ansatz, der eine gemischte Flächennutzung, eine Erhöhung der Wohndichte entlang öffentlicher Verkehrswege sowie die Schaffung von Quartieren vorsieht, die speziell für den Einsatz nicht motorisierter Verkehrsmittel geeignet sind.

Der Plan sieht vor, die Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer zu verbessern, die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln von 69 auf 83 Prozent zu steigern und den CO2-Ausstoß um eine Million Tonnen zu senken.
In Rajkot wiederum wurden vor der Ausarbeitung des Mobilitätsplans zunächst die wichtigsten Verkehrsstrecken im Stadtgebiet ermittelt. Mit dem Plan wird angestrebt, die Zahl der Verkehrsunfälle um 20 Prozent, die durchschnittlichen Reisezeiten um 36 Prozent und die CO2-Emissionen bis 2031 um 600.000 Tonnen zu senken.


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