07.01.2021

Costa Rica auf dem Weg zu einer klimaresilienten Infrastruktur

Die La Guardia Brücke in Guancaste (2019) - ein Beispiel dafür, wie Infrastruktur klimaresilient werden kann. Foto: GIZ Costa Rica

In Costa Rica werden die Folgen des Klimawandels regelmäßig und deutlich sichtbar: Tropenstürme treffen das Land immer häufiger und hinterlassen große Schäden an Straßen, Brücken und anderen Teilen der Infrastruktur. Das IKI-Vorhaben „Climate Services für Infrastrukturinvestitionen“ (CSI) unterstützt die Regierung dabei, Strategien für die Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln, um  Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Im Interview spricht Andrea Meza Murillo, Umweltministerin in Costa Rica, über die Herausforderungen, die der Klimawandel für die Sicherung der Infrastruktur bedeutet – und über die Arbeit des IKI-Projekts. 

Wie geht Costa Rica mit den Herausforderungen um, die der Klimawandel für seine Infrastruktur mit sich bringt? 

Andrea Meza Murillo: Costa Rica liegt in einer der Regionen, die weltweit am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Das ist eine Realität, die die Wirtschaft, insbesondere das produzierende Gewerbe, und viele Städte bereits erleben. Ich glaube, dies hat innerhalb der öffentlichen Institutionen zu mehr Offenheit geführt, zu erkennen, wie wichtig es ist, die Infrastruktur klimaresilient zu machen.

Es ist interessant, dass Institutionen wie der Oberste Rechnungshof der Republik über die Auswirkungen solcher Ereignisse auf unsere Finanzen nachdenken - und über die Erschütterungen, die nicht nur Hurrikans, sondern auch Stürme auslösen können. Diese steuerliche Belastung, die sich widerspiegelt, wenn wichtige Infrastruktur zerstört wird, ist ein Schlüsselelement. Es treibt den Prozess des Wiederaufbaus und der Analyse einer klimasicheren Infrastruktur als wesentliche Elemente einer Anpassungspolitik voran. Ich denke, es besteht ein eindeutiger Handlungsbedarf: Wir müssen damit beginnen, unsere Infrastruktur klimasicher zu machen, und dies ist ein günstiger Zeitpunkt, weil es auf zentraler und sektoraler Ebene eine institutionelle Offenheit und Bereitschaft dafür gibt. 

Welche Rolle spielt das „Protokoll zur Bewertung des Klimarisikos“, um Costa Ricas Infrastruktur widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen?

Die Erfahrung mit dem CSI-Projekt und mit der deutschen Zusammenarbeit war auf Landesebene sehr interessant. Mithilfe dieses Projekts konnten wir ein Instrument einbringen, das das Land in verschiedenen Fällen erprobt hat. Es ermöglichte uns, Interessenvertreter aus den Sektoren Straßen- und Brückeninfrastruktur zusammenzubringen und eingehende Gespräche mit den Ingenieuren zu führen – diese Möglichkeit haben wir nicht oft. Dadurch konnten wir auch besser verstehen, was ein Ingenieur braucht, um die Infrastruktur klimasicher zu machen, und welche Art von Informationen er benötigt, die vom nationalen meteorologischen Institut generiert werden sollten. Kurz gesagt, es ermöglichte uns, die Bedürfnisse von der Nachfrageseite her zu verstehen. 

Die Erfahrung, dass es notwendig ist, die bereitgestellten Informationen mit der Nachfrage zu verknüpfen, hat sich als sehr wichtig erwiesen. Sie ermöglicht uns, Informationen zu generieren, die in einem sehr viel strategischeren Prozess für eine klimasichere Infrastruktur eingesetzt werden können. In diesem Sinne haben wir gemeinsam mit dem Projekt Fortschritte gemacht, als es darum ging, zusammen mit unserem nationalen meteorologischen Institut (IMN) Kapazitäten zu schaffen. Allerdings bestehen in unserem Land noch einige wesentliche Lücken, die wir dokumentieren konnten, und die als Roadmap dienen, um weiter voranzukommen. Dies bezieht sich darauf, nützliche Informationen zu generieren, sowohl um Entscheidungen treffen zu können als auch im Hinblick auf eine klimasichere Infrastruktur. 

Wie sehen Sie die Rolle der „Climate Services“ beim Erreichen der Anpassungsziele Costa Ricas? 

Als Land verfolgen wir eine nationale Anpassungspolitik - und das CSI-Projekt hat hierzu einen Beitrag geleistet. Es gibt eine gute Zusammenarbeit zum Thema Infrastruktur. Wir mussten jedoch verstehen, dass grundlegende Daten, wie zum Beispiel Daten aus hydrometeorologischen Projektionen, der Schlüssel sind, um angemessene Entscheidungen für eine klimasichere Infrastruktur treffen zu können. Das war - vor dem Hintergrund der Situation Costa Ricas - einer der entscheidenden Beiträge des CSI-Projekts, um die folgenden Fragen anzugehen: Wie generieren wir Informationen über das Klima? Welche Informationen brauchen wir für die verschiedenen Nutzer? Welche Elemente müssen diese Informationen beinhalten? Was ist die Ausgangsbasis für diese Daten? Und wie können wir diese Informationen für die Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit einer klimasicheren Infrastruktur vermitteln? 

Wie sieht die Zukunft einer widerstandsfähigen Infrastruktur in Costa Rica aus?

Das Projekt hat uns auch die Möglichkeit gegeben, darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, Verordnungen zu etablieren. Auf Landesebene ist es uns gelungen, die Infrastruktur widerstandsfähig gegen extreme hydrometeorologische Ereignisse zu machen. Ich glaube, das „Protokoll zur Bewertung von Klimarisiken“ ist ein wichtiger erster Schritt. Als Nächstes gilt es nun, die Instrumente zu institutionalisieren, sei es durch Änderungen im Baugesetzbuch oder durch die Schaffung spezifischer Bauvorschriften, aber um ehrlich zu sein, das Projekt hat den Weg dafür geebnet, in dieser Richtung entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Anmerkung: Andrea Meza ist seit August 2020 costa-ricanische Umweltministerin. Das Umweltministerium Costa Ricas hat das Interview im November 2020 aufgezeichnet. Hier finden Sie das Video.