14.05.2021

Costa Ricas Langfriststrategie bis 2050

Berglandschaft mit Wäldern

Digitalisiert, dekarbonisiert, inklusiv und dezentralisiert. In diese Richtung soll sich Costa Rica langfristig entwickeln. Foto: GIZ Costa Rica

Digitalisiert, dekarbonisiert und dezentralisiert: Diese drei Stichworte geben die Richtung für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung Costa Ricas vor. im März verkündete die Regierung die neue Langfriststrategie (Estrategia Territorial para una Economía Inclusiva y Descarbonizada 2020-2050), die künftigen Regierungen als Roadmap dienen wird, um Worte auch in Taten umzusetzen. 

„Die Strategie wird die territoriale Entwicklung des Landes ankurbeln und uns die Möglichkeit bieten, Arbeitsplätze und Chancen zu schaffen, und damit die Lücken der Ungleichheiten zu schließen. Unsere Vision von Costa Rica im Jahr 2050 beinhaltet Chancengleichheit für alle Menschen in allen Regionen des Landes, in denen jeder Teil des Fortschritts ist", betonte Präsident Carlos Alvarado während der Verkündung.

Dekarbonisiert …

Die neue Langfriststrategie – gepaart mit den im Dezember 2020 veröffentlichten aktualisierten NDC – ermöglicht es, die nationalen Ziele der Dekarbonisierung und Resilienz in Themen wie erneuerbare Energien, Biodiversitätsschutz und wissensbasierter Wirtschaft anzuwenden. Hierfür berücksichtigt das integrative und dekarbonisierte Entwicklungsmodell der Langfriststrategie die Ziele und Meilensteine des nationalen Dekarbonisierungsplans.

Vorgesehen ist, die Dekarbonisierung in die verschiedenen Planungsinstrumente für Flächennutzungsplanung zu integrieren, um zum Erhalt und zur Erweiterung von natürlichen Kohlenstoffsenken beizutragen. Zudem fördert die Strategie die Entwicklung eines effizienten, nachhaltigen Mobilitätssystems mit erneuerbaren Energien. Ein weiterer Schlüsselpunkt ist die Förderung der Nutzung und Erhaltung der maritimen natürlichen Ressourcen sowie ihrer Ökosystemleistungen, etwa durch öffentlich-private Allianzen in den Küstenregionen (Blue Economy).

… und inklusiv

Bislang konzentriert sich Costa Ricas Wirtschaftstätigkeit auf die Metropolregion (GAM) rund um die Hauptstadt San José. Derzeit findet die wirtschaftliche Aktivität auf nur 19 Prozent des Staatsgebiets statt, in dem jedoch 79 Prozent der Bevölkerung leben und aus dem 69 Prozent der Gesamtexporte des Landes hervorgehen.

„Die Hyperkonzentration der Wirtschaftstätigkeit in der GAM hat dazu geführt, dass im Rest des Landes strukturelle Lücken in Bezug auf Arbeitslosigkeit, Armut, technologische Innovation und Bildung bestehen. Daher ist ein neues Planungsparadigma erforderlich, dessen Maßnahmen und Strategien auf jedes Gebiet zugeschnitten sind", erklärte Olegario Sáenz, Direktor des Bereichs Entwicklungsanalyse im Planungsministerium MIDEPLAN.

Genau das ist es, was die Strategie bis 2050 anstrebt: Die Initiativen des öffentlichen und privaten Sektors, sozialer Organisationen und anderer Akteure sollen in Zukunft darauf ausgerichtet sein, jene Gebiete mit hohem Entwicklungspotential zu fördern und auf diese Weise die strukturellen Lücken zu schließen. Ziel ist bis 2050 die Wirtschaft in 50 Prozent des Landes zu aktivieren.

Wissenschaftlich fundiert

Die Strategie, die im Auftrag des Planungsministeriums durch die Firma GeoAdaptive entwickelt wurde, basiert auf einer umfangreichen Daten- und Informationsbasis. Über einen Zeitraum von 16 Monaten sammelte das Expertenteam georeferenzierte Daten zur derzeitigen Wirtschaftstätigkeit des Landes, analysierte Produktionsmuster und -möglichkeiten in den Regionen, führte ökonometrische Modellierungen durch und ermittelte die Voraussetzungen für den Übergang zu einer 3D-Wirtschaft. 2021 wird das Planungsministerium auf Basis der Strategie den Nationalen Strategieplan bis 2050 (PEN 2050) entwickeln.

Der Aktionsplan steht

Schlüsselpunkt der Langfriststrategie ist die Identifizierung von elf Entwicklungspolen im Land, auf die sich produktive Aktivitäten konzentrieren, die das Wirtschaftswachstum in den verschiedenen Regionen des Landes fördern. Mittels 50 Schlüsselmaßnahmen in den Bereichen Infrastruktur und Konnektivität, Humankapital, soziale Eingliederung, wirtschaftliche 3D-Entwicklung und Dekarbonisierung soll die Wirtschaft angekurbelt werden.

Ein Beispiel ist der Entwicklungspol Golfito-Golfo Dulce an der südlichen Pazifikküste: Während die Bevölkerung dort hauptsächlich vom Tourismus, Landwirtschaft und Fischerei lebt, sollen dort in Zukunft die Forstwirtschaft und Zement- und Stahlindustrie unter Berücksichtigung der Ziele des Dekarboniserungsplans gestärkt werden. So wird sich die Region in den kommenden 30 Jahren in der Hochtechnologie, Biotechnologie, wissensbasierter Wirtschaft und des Kreativitätssektors positionieren können.

Unterstützung der internationalen Kooperation

Unterstützt wurde die Entwicklung der territorialen Strategie durch das IKI-Vorhaben „Unterstützung der Klimaneutralitätsstrategie Costa Ricas als Modell für Low-Carbon Development (Phase II)“, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) umgesetzt wird, und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB). Auch für die künftige Umsetzung der Strategie hat die internationale Kooperation ihre Unterstützung zugesagt: 17,5 Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren von der Europäischen Union, den Vereinten Nationen, dem Bundesumweltministerium und der IDB in Projekte fließen, um die Implementierung zu begleiten.


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