29.01.2019

Costa Ricas Verkehrsinfrastruktur soll „climate-proof“ werden

Begehung von Anpassungsmaßnahmen mit Marco Schmidt (BBR) und Peter Fehrmann (Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz); Foto: Kristin Diederich / GIZ

Begehung von Anpassungsmaßnahmen mit Marco Schmidt (BBR) und Peter Fehrmann (Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz); Foto: Kristin Diederich / GIZ

Aufgrund seiner geographischen Lage sieht sich Costa Rica regelmäßig klimabedingten Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen wie Erdrutschen und Vulkanausbrüchen, Sturmfluten in Küstengebieten und Überschwemmungen entlang von Flussläufen ausgesetzt. Hinzu kommt, dass ausgerechnet die davon örtlich besonders betroffenen Gebiete dicht besiedelt und von großer Bedeutung für Costa Ricas Wirtschaft sind. Eine stabile Verkehrsinfrastruktur, die den verschiedenen und extremen Umwelteinflüssen standhält, ist folglich enorm wichtig für das zentralamerikanische Land und seine Bevölkerung.

Costa Rica hat sich daher in seiner Nationalen Anpassungspolitik mit Unterstützung des IKI-Projekts "Verbesserte Climate Services für Infrastrukturinvestitionen (CSI)" zum Ziel gesetzt, seine Infrastrukturplanungs- und Managementprozesse zu transformieren und damit auch die Infrastrukturen selbst "climate proof", also widerstands- und anpassungsfähig gegenüber zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels, zu machen.

Im Rahmen dieses CSI-Projekts, welches von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt wird, wurde im November 2018 eine fünftägige Delegationsreise nach Bonn und Berlin organisiert. Die Reise bot costa-ricanischen Expertinnen und Experten und ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen von der GIZ, dem Umweltministerium (BMU) und dessen Projektträgergesellschaft Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (Z-U-G) gGmbH Raum, sich intensiv über Anpassungsbedarfe und -möglichkeiten von Verkehrsinfrastrukturen an den Klimawandel auszutauschen.

Die Studienreise nach Deutschland sollte den costa-ricanischen Delegierten wertvolle Anregungen für die Entwicklung von Aktionsplänen geben, mit denen politische Entscheidungen erfolgreich umgesetzt werden können. Dem Verkehrssektor in Costa Rica kommt hier eine zentrale Rolle zu, da er einerseits ein vom Klimawandel besonders betroffener Bereich ist, andererseits das Rückgrat für Wirtschaft und Gesellschaft im Land darstellt. Die achtköpfige Delegation aus Costa Rica setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Umweltministeriums (MINAE), des Verkehrsministeriums (MOPT), sowie des Nationalen Rats für Brücken und Straßen (CONAVI), des Ingenieurs- und Architekturkollegs (CFIA) als auch des nationalen Wetterdienstes (IMN) zusammen.

Delegation aus Costa Rica und Kolleginnen und Kollegen von GIZ, BMU und Z-U-G in Berlin; Foto: Kristin Diederich / GIZ

Ein thematischer Fokus der Delegationsreise lag auf der Wertschöpfungskette von Klima- und Anpassungsdienstleistungen in Deutschland, angefangen bei der Erhebung von Klimadaten bis hin zu fertigen Anpassungslösungen. Eine funktionierende Wertschöpfungskette ist essentiell, um aus Klimainformationen evidenzbasierte und effiziente Anpassungslösungen abzuleiten. Bei zwei Workshops zu Klimadienstleistungen für die Anpassungsplanung diskutierten die Delegierten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Umweltbundesamtes (UBA), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie des Ingenieurbüros "Infrastruktur und Umwelt" Erfolgsfaktoren für nutzbare und wirksame Anpassungsdienstleistungen. Dabei wurden drei Kernvoraussetzungen zur Erreichung des Ziels 9 für Nachhaltige Entwicklung, nämlich die Schaffung einer resilienten Infrastruktur, herausgearbeitet: (i) die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit der nötigen Information, (ii) das Vorhandensein von Instrumenten zur Identifizierung von Klimarisiken und zur Priorisierung und Auswahl von Anpassungsmaßnahmen und (iii) die institutionellen Rahmenbedingungen welche klimaresiliente Planung und Management fördern. Neben Gesetzen, die zur Berücksichtigung des Klimawandels verpflichten, gehört hierzu auch die notwendige politische und wissenschaftliche Führung. In Deutschland sind dafür Strukturen wie der Deutsche Klimadienst (DKD), interministerielle Arbeitsgruppen oder das BMVI-Expertennetzwerk mit seinem Handlungsfeld zur Anpassung an den Klimawandel sehr hilfreich, welche den notwendigen interinstitutionellen Austausch ermöglichen.

Auf welche Weise Klimainformationen mit den richtigen Instrumenten, Klimawirkungs- und Klimarisikoanalysen optimiert und für die Anpassungsplanung nutzbar gemacht werden, wurde während eines Workshops mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch-Gladbach besprochen. Die BASt arbeitet im Rahmen des BMVI-Expertennetzwerks daran, Deutschlands Straßennetz für die Folgen des Klimawandels zu wappnen, wozu die Erarbeitung von Klimawirkungsanalysen in Kooperation mit dem DWD gehört. Themen des Workshops waren aber auch die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung von Infrastruktur und die zukünftige Rolle der sogenannten Big Data. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass ein wichtiges Instrument für eine widerstandsfähige Verkehrsinfrastruktur ist, ein präventives und nicht mehr länger reaktives Lifecycle-Management vorzunehmen. Denn wenn bekannte Klimarisiken bereits bei Planung und Management von Infrastrukturen mitgedacht würden, könnten Kosten für die Anpassung an Extremwetterereignisse verringert werden.

Wie konkrete Anpassungsmaßnahmen in Deutschland geplant und umgesetzt werden, konnte die Delegation in Berlin erleben. Dort zeigte die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mit ihrem "Schwammstadt-Prinzip" ein Beispiel zu ökosystembasierter Anpassung: mit einer Kombination aus Fassaden- und Dachbegrünungen sowie Wasserauffangbecken lassen sich nicht nur extreme Niederschläge besser managen, sondern zugleich das Stadtklima verbessern. Eine weitere Anpassungsmaßnahme sahen die Delegierten am Potsdamer Platz, wo Ihnen ein Experte des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) den sogenannte "Piano-See" zeigte, der den zentralen Platz in der Stadt kühl hält und die Luftqualität verbessert.

Anpassungsmaßnahmen am Potsdamer Platz: Wasserauffangbecken und Dach- bzw. Straßenbegrünung; Fotos: Kristin Diederich / GIZ

Einer der Höhepunkte der Reise war für die Delegierten ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern des BMU. Der Termin gab beiden Seiten die Gelegenheit, sich zum aktuellen Stand ihrer jeweiligen Anpassungsstrategien und der Herausforderungen für deren Umsetzung im Verkehrssektor auszutauschen. Eine wertvolle Erkenntnis aus diesem Termin und der Reise im Allgemeinen war, dass sich Costa Rica und Deutschland trotz der unterschiedlichen Lage und Größe sehr ähnlichen Herausforderungen gegenübersehen und folglich enorm von gegenseitigen Erfahrungsaustausch profitieren und gemeinsam an Lösungen arbeiten können. In den abschließenden Gesprächen waren sich die Delegierten einig darüber, dass an vielen Stellen in Deutschland bereits zukunftsorientierte Anpassung von Gebäuden, Straßen und Infrastruktur stattfindet und sie viele Ideen und Lernerfahrungen aus der Reise für ihre Arbeit in Costa Rica mitnehmen können.