01.10.2020

Côte d'Ivoire und Ghana wollen grenzüberschreitendes Meeresschutzgebiet

Fischer ziehen Boot an den Strand

Fischer ziehen in Côte d'Ivoire nahe der ghanaischen Grenze ihre Piroge aus dem Meer. Foto: Rob Barnes, GRID-Arendal

Es ist schon kompliziert genug, komplexe Themen wie die Umweltverschmutzung an Land, die Rohstoffförderung, das Fischereiwesen und eine integrierte Bewirtschaftung der Küstengebiete in einem Land zu regeln. Gilt es jedoch, für diese Themen Lösungen für zwei Ländern, das heißt. zwei Sprach- und Rechtsräumen, zu entwickeln, wird die Sache noch ungleich komplizierter. Doch genau dies haben sich die Regierungen von Côte d'Ivoire und Ghana vorgenommen.

Die erste Herausforderung für die beiden Länder bestand darin, alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen, insbesondere weil die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor in Kraft sind. Bewältigt wurde diese Herausforderung durch ein ganztägiges Online-Meeting, bei dem die Diskussionsbeiträge gedolmetscht wurden. Organisiert hatte das Meeting das von der Internationalen Klimaschutzinitiative unterstützte Mami-Wata-Projekt.

Zu den wichtigsten Zielen des seit 2016 laufenden Vorhabens zählt die Förderung eines integrierten Meeresmanagements in Benin, Côte d'Ivoire und Ghana. Zu diesem Zweck haben die Länder den Zustand ihrer Meeresumwelt analysiert und ökologisch oder biologisch bedeutsame Meeresgebiete definiert, um daraus Schlussfolgerungen für die Meeresraumplanung zu ziehen. Dazu zählt nicht zuletzt die Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPA) entlang der westafrikanischen Atlantikküste.

Meilenstein für eine grenzübergreifende Naturschutzarbeit

Ein weiteres Ziel des Mami-Wata-Projekts besteht darin, die Nachbarländer in ihrer Zusammenarbeit bei der Bewirtschaftung der gemeinsamen Küstengebiete zu unterstützen. Die Verpflichtung von Côte d'Ivoire und Ghana, ein grenzüberschreitendes MPA zwischen Assinie (Côte d'Ivoire) und Half Assini (Ghana) auszuweisen, ist ein echter Meilenstein auf dem Weg zu einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit im Naturschutz – ein großer Fortschritt, und zwar sowohl für die beiden Länder als auch für ganz Westafrika.

Tatsächlich ist die Region durch Umweltverschmutzung, die Abholzung der Mangrovenwälder, Überfischung sowie eine unkontrollierte Besiedlung gekennzeichnet, Probleme, die vielfach im Zusammenhang mit Land- und Meeresnutzungskonflikten auftreten. Infolgedessen werden die Lebensräume und die Biodiversität geschädigt, und Meeressäuger wie Seekühe, Flusspferde, Delfine und Wale sind zunehmend in ihrem Bestand bedroht.

Darüber hinaus wandern die Sardinenbestände vom Cap des Trois Pointes in Côte d'Ivoire nach Ghana (sowie nach Togo und Benin). Die Fischbestände sind für beide Länder von entscheidender Bedeutung. Deshalb trägt die nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit bei.

Mehrere Arbeitssitzungen waren notwendig, um einen Rahmen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz des Gebiets und seiner biologischen Vielfalt zu entwickeln. Die Sitzungen wurden zwischen Oktober 2017 und November 2019 vom Sekretariat der Abidjan-Konvention und GRID-Arendal organisiert. Sie gipfelten am 30. Juli 2020 in einem Meeting, bei dem die Umweltminister der beiden Länder dem Prozess zustimmten und endgültig grünes Licht für die Schaffung des grenzüberschreitenden Meeresschutzgebiets gaben.

„Als Verantwortlicher für Fragen des Schutzes der Meeres- und Küstenumwelt in Côte d'Ivoire freue ich mich über diesen Erfolg und möchte meine volle Unterstützung für diese Initiative zusichern. Damit verstärken wir die auf nationaler Ebene bereits getroffenen Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität in den Küsten- und Meeresgebieten“, so Professor Joseph Seka, Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung von Côte d'Ivoire, in seiner Eröffnungsrede.

Sein ghanaischer Amtskollege aus dem Ministerium für Umwelt, Wissenschaft, Technologie und Innovation, Professor Kwabena Frimpong Boateng, erklärte: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Côte d'Ivoire bei dieser Initiative und wollen dafür sorgen, dass wir die festgelegten Ziele erreichen und ein grenzüberschreitendes Meeresschutzgebiet ausweisen.“