30.04.2020

Den Monsun verstehen, Katastrophen verhindern

Der indische Monsun. Foto: Shutterstock

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist von der Monsunzeit abhängig. So fallen beispielsweise in Indien 70 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge in den vier Monsunmonaten, während es im Rest des Jahres trocken bleibt. Durch den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur verändert sich dieses altbekannte Wetterphänomen jedoch, so dass die Niederschlagsverteilung immer unberechenbarer wird. Das führt zu Unsicherheiten - bei der Planung von landwirtschaftlichen Tätigkeiten, ebenso wie bei der Vorhersage von Naturkatastrophen und der Abschätzung der Schäden.

Auswirkungen des Klimawandels auf den Monsun

„Durch den Klimawandel verändert sich der Monsun. So erreichten die Temperaturen am 22. Mai 2019 in Vidarbha, in Zentralindien, kurz vor Beginn der Monsunzeit ein Rekordhoch von 47,8 Grad Celsius. Für diese Region, die das heißeste Gebiet des Subkontinents ist, erstelle ich meine Prognosen. Vidarbha ist aber keinesfalls eine Wüste. Der Bezirk ist dicht besiedelt, und in den ländlichen Gebieten haben die meisten Menschen keine Klimaanlagen. Der Rückzug des Monsuns von der pakistanischen Grenze begann 39 Tage später als gewöhnlich. Es war der späteste Monsunrückzug, seit es Wetteraufzeichnungen gibt,“ so die Professorin Elena Surovyatkina vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Das Leben mit dem Monsun hängt von zuverlässigen Wettervorhersagen ab

Rechtzeitig zu wissen, wann sich der Monsun ausbreitet und wann er sich zurückzieht, ist in Indien für die landwirtschaftliche Planung wichtig . Die Information hat außerdem großen Einfluss auf die Wasser- und Energiewirtschaft sowie die Katastrophenvorsorge.

Seit 2016 prognostiziert Elena Surovyatkina erfolgreich, wann der indische Sommermonsun in Zentralindien einsetzen und wann er sich zurückziehen wird. Diese Langzeitvorhersage ist die einzige ihrer Art und wird über die Medien und die Lokalzeitungen verbreitet. Dadurch haben die Menschen in Zentralindien - von den Bauern bis hin zur Regierung - die Chance, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

„Die Vorhersage des Beginns und des Rückzugs des Monsuns ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil mehrere Millionen Menschen von Überschwemmungen bedroht sind. Damit ist die Monsunvorhersage entscheidend für die Katastrophenvorsorge, die Planung von Aussaat und Ernte, eine wassersparende Planung des Bewässerungsfeldbaus während der Anbaumonate, die Verhinderung von Schäden an der Infrastruktur sowie die präventive Verstärkung der Dämme“, so Professorin Elena Surovyatkina.

Vor diesem Hintergrund ist es dringend erforderlich herauszufinden, ob der indische Sommermonsun 2019 eine Ausnahme war oder ob es sich um einen anhaltenden Zukunftstrend handelt. Falls Letzteres der Fall ist, muss Indien seine Strategien zur Katastrophenvorsorge überdenken, die unter anderem im Monsunaktionsplan formuliert sind.

Veränderungen verstehen: die Arbeit der International Monsoon Study Group (IMSG)

Zwischen Oktober 2019 und Januar 2020 organisierte das Monsunvorhersage-Team unter der Leitung von Professorin Elena Surovyatkina am PIK eine internationale Arbeitsgruppe zum Thema Klimawandel. Zu den Teilnehmenden gehörten Monsunexpertinnen und -experten und Studierende, die zu verschiedenen Aspekten der Monsundynamik forschen. Das Ziel der Arbeitsgruppe bestand darin, die während der Monsunzeit auftretenden komplexen dynamischen Prozesse zu untersuchen und die Auswirkungen des Klimawandels auf diese Prozesse zu analysieren.

Der Schwerpunkt der Studie ist eine Langzeitvorhersage des Beginns und des Endes des indischen Sommermonsuns für Zentralindien. Die Langzeitvorhersage umfasst einen Zeitraum von 40 Tagen vor dem Einsetzen des Monsuns und einen Zeitraum von 70 Tagen vor dem Beginn des Rückzugs. In den vergangenen vier Jahren hat sie sich stets als richtig erwiesen.

Die Studie ist Teil des Projekts „East Africa Peru India Capacities (EPICC) (www.pik-potsdam.de/epicc), dessen übergeordnetes Ziel darin besteht, die Resilienz gegenüber widrigen Wetterphänomenen und dem Klimawandel in den drei Partnerländern Indien, Peru und Tansania auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu stärken. Das Projekt wird von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert und vom PIK zusammen mit seinen Projektpartnern, The Energy and Resources Institute (TERI) und dem Deutschen Wetterdienst (DWD), durchgeführt.

„Die IMSG hat in drei Monaten wichtige Erkenntnisse gewonnen. Auf dieser Grundlage wird das PIK die gemeinsame Forschungstätigkeit mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern  fortsetzen und den weiteren Ausbau der  Arbeitsgruppe planen“, so Elena Surovyatkina.

Weitere Informationen zur Monsunvorhersage finden Sie auf der Monsunseite des PIK unter https://www.pik-potsdam.de/services/infodesk/forecasting-indian-monsoon