04.06.2021

Der UN-Umwelttag 2021 ruft die „Generation Restoration“ ins Leben

Kenja

Der Umwelttag beginnt nicht mit Handeln, sondern mit einer neuen Vorstellung: der neuen, gelebten Wahrnehmung des Menschen als Teil der Natur. Foto: Miguel Schmitter

Der diesjährige Internationale Tag der Umwelt steht ganz im Zeichen der Wiederherstellung der durch den Menschen degradierten und zerstörten Natur. Am 5. Juni beginnt offiziell die UN-Dekade zur Ökosystemrestaurierung 2021-2030. „Nie war die Zeit dringender als jetzt, um beschädigte Ökosysteme wiederherzustellen,“ schreiben die UN-Dekade-Partnerorganisationen UNEP und FAO. „Ökosysteme unterstützen alles Leben auf der Erde. Je gesünder die Ökosysteme, desto gesünder ist der Planet – und seine Menschen.“

Die Degradierung von Ökosystemen und Ozeanen zu verhindern, zu stoppen und rückgängig zu machen – das ist das große Ziel der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Dies soll dabei helfen, Armut zu beenden, der Klimaerwärmung entgegen zu wirken und das Massensterben von Arten zu verhindern. #GenerationRestoration - Wiederherstellung unserer Welt als globale Bewegung- das ist die Ambition.

Wiederherstellung von Natur – welcher Natur?

Die Wiederherstellung von Ökosystemen wirft insbesondere im Erdzeitalter des Anthropozäns, des Menschenzeitalters, Fragen auf. Wenn es durch die menschengemachte Klimaerwärmung, Schadstoffeinträge weltweit und die Übernutzung der natürlichen Ressourcen fast keine vom Menschen unberührte Wildnis mehr gibt - welcher Zustand eines Ökosystems ist dann schützenswert bzw. wiederherzustellen?

Ökosysteme sind nicht – wie früher angenommen - statische, sondern dynamische Systeme, die sich ständig verändern. Im Naturschutz wird deswegen heute der Prozessschutz groß geschrieben – vorrangig geht es um den Erhalt und die Wiederherstellung von natürlich-dynamischen Prozessen, auch als Ökosystemleistungen umschrieben. Im engeren Sinne beruht diese Strategie auf dem Nicht-Eingreifen in die natürlichen Prozesse von Ökosystemen. Im weiteren Sinne wird darunter auch die Integration von Naturschutzbelangen in umweltfreundlichen Nutzungsformen von Kulturlandschaften verstanden.

Die UN-Dekade und die IKI

Das IKI-Projekt „Schutz der Biodiversität, von Seegrasökosystemen und deren Umweltdienstleistungen“ fokussiert den Biodiversitätsschutz und den Schutz von Seegrasökosystemen und deren Umweltdienstleistungen. Ernährungssicherung und die Sicherung der Resilienz von vulnerablen Küstengemeinden in einem sich ändernden Klima werden mitgedacht. Seegras ist eine wesentliche Nahrungsquelle für Dugongs und andere Meerestiere; es erbringt wichtige Ökosystemleistungen wie Fischereiproduktivität und Kohlenstoffbindung. Seegras-Ökosysteme gehen aufgrund des Drucks durch Küstenentwicklung, Fischerei und Bootsfahrt, Umweltverschmutzung und Klimawandel weltweit zurück. Informationen über ihren Zustand und die von ihnen erbrachten Leistungen fehlen. Das Projekt verringert diese Wissenslücken, indem es lokale NGOs und Gemeinden einbindet. Die NGOs werden in partizipativer Forschung geschult, um sie zu befähigen Daten zu sammeln und wichtige Seegrasgebiete zu identifizieren. Diese Informationen werden verwendet, um Gemeinden und Entscheidungstragende in die Entwicklung von Strategien zum Seegrasschutz einzubinden. Zudem werden alternative Geschäftsmodelle eingeführt, um Lebensgrundlagen zu verbessern und Mittel für den Schutz des Seegrases bereitzustellen. Dadurch wird die Nachhaltigkeit der Seegras-Ökosysteme im Indopazifik verbessert.Malediven

Das Projekt „Public-private-people-Partnerships - ein Konzept zur Vereinbarkeit biologischer Vielfalt und Nutzungsinteressen in Küstenwälder“ geht direkt auf die Bonn-Challenge zurück. Mit dem Konzept public-private-people partnerships sollen biologische Vielfalt und Nutzungsinteressen in Küstenwäldern in Kenia besser vereinbart werden. Ziel des Projekts sind der Schutz und die Wiederherstellung wichtiger Wald- und Mangrovenökosysteme in Kwale County. Die Ökosysteme werden durch Integration von Umwelt- und Sozialstandards vor den Auswirkungen großer Investitionsvorhaben geschützt. Dies erfolgt durch die Etablierung von Public-Private-People Partnerschaften (PPPPs). Das Projekt setzt sich zusammen mit Gemeinden, Regierungsbehörden und dem Privatsektor für eine Wiederherstellung von Ökosystemen, nachhaltiges Ressourcenmanagement und die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards in Politik und Entwicklungsplänen ein. Darüber hinaus adressiert es neue Treiber der Ökosystemzerstörung und unterstützt u.a. die Stärkung der Fähigkeiten lokaler Gemeinden zur Einflussnahme auf Regierungsentscheidungen und die verstärkte Anwendung von Standards.

Im neuen IKI-Projekt „Unterstützung bei der Gestaltung und Umsetzung der UN-Dekade für die Wiederherstellung von Ökosystemen“ wird die UN-Dekade direkt unterstützt. Die Dekade versteht sich als konkreten Beitrag zu den Zielen der drei Rio-Konventionen sowie zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs). Das Vorhaben zielt darauf ab, Schlüsselakteure bei der Umsetzung der Implementierungsstrategie der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen zu unterstützen. Dabei sollen Erfahrungen zur Wiederherstellung von Ökosystemen aufbereitet, der Staatengemeinschaft zur Verfügung gestellt und mittels Dialogforen verbreitet werden. Für den Erfahrungsaustausch werden Synergien mit Kooperationspartnern der Dekade wie IUCN, dem Global Landscapes Forum und dem World Economic Forum genutzt. In noch auszuwählenden Partnerländern sollen Kapazitätenstärkung und Methodenoptimierung in enger Kooperation mit bestehenden Vorhaben und Umsetzungsinitiativen der Bonn Challenge zur Wiederherstellung von Ökosystemen erfolgen.

Ausblick

Reimagine. Recreate. Restore. Das Motto des Umwelttags und der Dekade beginnt nicht mit Handeln, sondern mit einer neuen Vorstellung: „reimagine“ – einer neuen, gelebten Wahrnehmung des Menschen als Teil, nicht Ausbeuter der Natur. Nachhaltige Nutzungsformen zu entwickeln, die ökologische Prozesse erhalten, das fällt unter das Wort wiederherstellen, im Englischen: „recreate“. „Restore“ – so die Organisatorinnen und Organisatoren – kann nicht bedeuten, die Zeit zurück drehen zu wollen oder zu können. Doch wir können Bäume pflanzen, Städte grüner gestalten, Gärten wilder wachsen lassen, unsere Ernährungsgewohnheiten ändern und Flüsse, Küsten und Meere säubern. „Wir sind die Generation, die Frieden mit der Natur schließen kann – dies ist unser Moment - #GenerationRestoration.“