15.03.2021

Die Zukunft des kolumbianischen Kakaos ist nachhaltig, klimafreundlich - und lecker

Foto: Nadege Mazars

Die Anziehungskraft einer frisch gebrühten Tasse kolumbianischen Kaffees lässt sich nicht leugnen, aber auch eine andere Bohnensorte, die in Kolumbien angebaut wird, erfordert Aufmerksamkeit: die Kakaobohne. Über die feine Schokolade hinaus, die sich aus ihr herstellen lässt, bietet Kakao aus Kolumbien eine große Chance für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Der Anbau von Kakao kann den Bäuerinnen und Bauern helfen, die durch Entwaldung verursachten Treibhausgasemissionen (THG) zu senken. Gleichzeitig wird Kolumbiens Position auf dem internationalen Schokoladenmarkt gestärkt. 

Seit langem wird in Kolumbien Kakao angebaut und konsumiert, aber in der weltweiten Produktion rangiert das Land lediglich an Stelle zehn - mit einem Marktanteil von gerade einmal einem Prozent. Im Jahr 2020 haben die Weltbank und ihr Geschäftszweig, die Internationale Finanz-Corporation (IFC), mit der kolumbianischen Regierung und Partnern aus dem privaten Sektor zusammengearbeitet, um das Potenzial für eine nachhaltige Ausweitung des Kakaoanbaus in der Region Orinoquia zu untersuchen. 

Eine neue Ausrichtung auf grüne Lieferketten

Dieses 25 Millionen Hektar große Savannen- und Feuchtgebiet im Osten des Landes hat in den vergangenen Jahren eine umfassende landwirtschaftliche Expansion erfahren. Mehr als eine Million Hektar der Wälder in der Orinoquia wurden zwischen 1990 und 2015 gerodet, um Weideland für Rinder zu schaffen. Damit ist die Rinderzucht die Hauptursache für die Entwaldung. Aber eine neue Ausrichtung auf eine klimafreundliche Landwirtschaft und grüne Lieferketten für Rindfleisch, Reis und Kakao bietet Möglichkeiten, den Entwicklungspfad der Region zu beeinflussen und sicherzustellen, dass die künftige Landnutzung Entwaldung und andere Umweltauswirkungen vermeidet. 

Mit Unterstützung der BioCarbon Fund Initiative for Sustainable Forest Landscapes (ISFL) sind die Bankengruppe und Kolumbien bereit für den Start eines bahnbrechenden Projekts in der Region: Das Projekt wird zeigen, wie ein klimafreundliches Geschäftsmodell den Absatz hochwertiger Kakaobohnen und zudem eine produktivere Landnutzung steigern kann. Das ist eine Kombination, die letztendlich das Einkommen der Erzeuger erhöhen und ihren CO2-Fußabdruck verringern wird. 

Das Projekt wird mit Bacao S.A.S. zusammenarbeiten, einem kolumbianischen Unternehmen, das eine effizientere und zuverlässigere Lieferkette aufbauen will, indem es konstante Mengen an sortenreinem Kakao liefert, der sich vom Acker bis zum Teller zurückverfolgen lässt. Durch die Zusammenarbeit mit Bacao sollen auf ehemaligem Weideland in der Orinoquia nachhaltige Kakaoplantagen entwickelt und Verbindungen zwischen benachbarten Kleinbauern geschaffen werden, um die Produktion auszuweiten. Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks aus vertrauenswürdigen Vertragsbauern, die mit nationalen und internationalen Käufern verbunden sind. 

Den Übergang von der Viehzucht auf den Kakaoanbau fördern

Hohe Vorlaufkosten und ein allgemeiner Mangel an Erfahrung mit dem Kakaoanbau in der Region bilden die Haupthindernisse, die es zu überwinden gilt. Kolumbiens „Agricultural Rural Planning Unit“ schätzt, dass mehr als eine Million Hektar in der Orinoquia gut für den Anbau von Kakao geeignet sind. Der überwiegende Teil dieser Fläche wird jedoch für die Viehzucht genutzt – eine Option mit geringem Ertrag, aber auch geringem Risiko für die Grundbesitzer. Außerdem hat der Kakaoanbau in weiten Teilen der Region keine große Tradition. Die vorhandenen Erzeuger bauen Kakao nur im kleinen Maßstab an, um ihre Einkünfte aufzubessern. Die Produktivität ist gering, und die Kakaobohnen werden nicht einheitlich fermentiert und getrocknet, was zu unterschiedlichen Qualitätsstufen führt. 

Um diese informelle Nebentätigkeit in eine wichtige Einkommensquelle für ländliche Gemeinden zu verwandeln, wird das Projekt gendergerechte Schulungen anbieten, um die Kapazitäten und das Know-how der Kleinbauern und Erzeugergemeinschaften aufzubauen. Mit der Übernahme nachhaltiger Anbaumethoden und verbesserter Koordinierungsmechanismen werden die Kakaoerzeugerinnen und -erzeuger in der Lage sein, die Produktivität ihrer Anbauflächen zu steigern, Kosten zu senken und THG-Emissionen zu verringern. Das trägt dazu bei, ihren Zugang zu den internationalen Märkten auszuweiten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. 

Das Projekt ermutigt die Erzeugerinnen und Erzeuger dazu, Agroforstsysteme einzurichten, in denen Bäume zum Schutz gegen Wind und als Schattenspender in die Kakaoplantagen auf degradierten Weideflächen integriert werden. Obwohl diese Praxis in Lateinamerika und der Karibik relativ neu ist, gewinnt sie an Bedeutung, denn: Sie steigert nicht nur die Kakao-Ausbeute, sondern verbessert auch den Boden, vermindert die Erosion und erhöht die Bindung von Kohlenstoff. Die Wiederherstellung bereits gerodeter Landflächen kann auch dazu beitragen, die Entwaldung einzudämmen. Ländliche Haushalte, die ihr Einkommen durch nachhaltige Kakaoproduktion auf wiederhergestelltem Land steigern können, müssen weniger neue Landflächen für die Viehzucht roden.

Das Projekt wird die Bauern auch dabei unterstützen, neue Produktionsmethoden und -technologien zu testen und zu bewerten, um die Effizienz, Qualität, Nachhaltigkeit und den Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Verringerung von Cadmium liegen, einem Element, das natürlich vorkommt, für Menschen jedoch schädlich ist. Im Rahmen des Projekts werden verschiedene Kakaosorten, Düngemittel und andere Betriebsmittel analysiert und die Landwirte in besonderen Techniken geschult, um den Cadmiumgehalt unter den für den Export akzeptablen Werten zu halten.

Das auf fünf Jahre ausgelegte Pilotprojekt zielt darauf ab, 3.000 Hektar nachhaltig zu bewirtschaften, die Flächenproduktivität um 25 Prozent zu steigern und die Verkaufserlöse der Kakaoerzeugerinnen und -erzeuger zu erhöhen. Es wird dazu beitragen, Methoden zu etablieren, um die Herkunft der Kakaobohnen zurückzuverfolgen und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu messen. Das Potenzial ist groß und das Projektteam bestrebt, Modelle zu testen und ihren Wert nachzuweisen. Erfolgreiche Praktiken werden im Maßstab angepasst und in einem breiteren ISFL-Programm in der Orinoquia übernommen.

Kolumbien mag für seine Schokolade noch nicht so bekannt sein wie für seinen Kaffee, aber die Voraussetzungen für eine nachhaltige und süße Zukunft werden geschaffen. 

Die Rolle der IKI 

2014 stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) insgesamt 35 Millionen Euro zur Verfügung, um das Programm der BioCarbon Fund Initiative for Sustainable Forest Landscapes (ISFL) der Weltbank zu unterstützen. Seitdem dient dieser finanzielle Beitrag dazu, die einzigartigen Ökosysteme in der Region Orinoquia in Kolumbien zu schützen und eine biodiversitäts- und klimafreundliche Entwicklung zu ermöglichen. Im Rahmen des nachhaltigen integrierten Landschaftsprogramms für die Region Orinoquia fördert die IKI in Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor und den Bauern vor Ort innovative und kohlenstoffarme Ansätze für die Landnutzung. 

Dieser Artikel wurde von Maria Soledad Requejo und Roy Parizat verfasst, und ursprünglich in einem Blog  der Weltbank veröffentlicht.