08.03.2019

Drei Frauen aus dem Agrarsektor engagieren sich für mehr Biodiversität und nachhaltige Verhaltensänderungen

Phidel Arunga (Kenia), Bimala Acharya Dahal (Nepal) und Daniela Borja (Ecuador) auf der CBD COP 14 in Ägypten; Foto: ©Ann-Kathrin Neureuther/Rare

Phidel Arunga (Kenia), Bimala Acharya Dahal (Nepal) und Daniela Borja (Ecuador) auf der CBD COP 14 in Ägypten; Foto: ©Ann-Kathrin Neureuther/Rare

Bei dem IKI-Projekt Bewusstseinsbildung für biologische Vielfalt in der Landwirtschaft handelt es sich um eine auf drei Jahre angelegte Initiative zur Suche nach bewährten Lösungen, die Landwirtschaft und Umwelt und Naturschutz miteinander in Einklang bringen und beiden einen Nutzen bieten. Das Projekt wird gemeinsam von den beiden NROs Rare und IFOAM - Organics International sowie der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) durchgeführt. Im Rahmen des Projekts nehmen ausgewählte Führungskräfte aus der nachhaltigen Landwirtschaft an einem zehntägigen Intensiv-Training in ihrem jeweiligen Land teil. Im Rahmen der Veranstaltung lernen sie, wie man die Grundsätze des verhaltensorientierten Designs (BCD) auf die sozialen und ökologischen Herausforderungen in ihren Gemeinden überträgt.

Phidel Arunga (Kenia), Bimala Acharya Dahal (Nepal) und Daniela Borja (Ecuador) sind drei der 32 Aktivistinnen aus neun Ländern und drei Kontinenten, die daran arbeiten, die Produktions- und Konsummuster in ihren Gemeinden zu verändern. Da sie aus ländlichen Bauerngemeinden stammen, scheuen sie sich nicht, den Status quo in ihren Dörfern in Frage zu stellen - auch nicht ihre eigene Auffassung darüber, wie sich dieser Status quo verändern lässt. Zusammen haben sie an der 14. UN-Biodiversitätskonferenz zur biologischen Vielfalt (CBD COP14) teilgenommen, die im November 2018 in Ägypten stattfand. Dies geschah am Rande der Veröffentlichung des von Rare und IFOAM-Organics International veröffentlichten Berichts über Farming for Biodiversity, in dem 338 von Gemeinden in aller Welt entwickelte Lösungen zur Verknüpfung von Landwirtschaft und biologischer Vielfalt präsentiert werden.

In einem Interview im Anschluss an die Vertragsstaatenkonferenz haben sie mit uns über ihre Arbeit, ihre partizipativen Erfahrungen und die erzielten Wirkungen gesprochen.

Phidel Hazel Arunga

Phidel und die YPARD-Gruppe (Young Professionals' Platform for Agricultural Development) versuchen, junge Menschen in Westkenia für die Landwirtschaft zu gewinnen. Phidel vermittelt der ländlichen Jugend unternehmerisches Wissen und ökologische Anbaumethoden. Dadurch schafft sie die Voraussetzungen für eine Beschäftigung im ländlichen Raum, wirkt der Landflucht entgegen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz.

Wie ich die Veranstaltungen erlebt habe: Das Training und die Veranstaltung haben mich verändert. Auf der COP habe ich gesehen, wie Leute am Verhandlungstisch sitzen und Beschlüsse fassen, die mich direkt betreffen. Da wurde mir klar: Wenn ich mich in diesen Entscheidungsprozess nicht einmische, werden weder die Herausforderungen, vor denen ich stehe, noch meine Ideen berücksichtigt. [Die beiden Veranstaltungen] haben mein Selbstvertrauen und das Vertrauen in meine Arbeit gestärkt. Ich bin seitdem sehr zuversichtlich und weiß, wer meine Zielgruppe ist und wie ich sie mit meiner Botschaft erreiche. Vor allem aber habe ich gelernt, dass man, an sich glauben muss, wenn man etwas erreichen will. Und ich weiß jetzt, dass ich das kann: Ich kann an mich glauben.

Was ich mit meiner Arbeit erreichen will: Die Zukunft, die ich gestalten möchte, sieht so aus: Jugendliche und junge Erwachsene werden angemessen vertreten und sitzen mit am Verhandlungstisch. Gleichzeitig schaffen sie sich ihre eigenen Arbeitsplätze und erarbeiten sich eigenen Wohlstand in einer intakten Umwelt. Selbst wenn ich nur in einer kleinen Gemeinde dazu beitragen kann, dass dieses Ideal gelebt wird, ist das ein Erfolg, der Schule machen kann. Denn jeder Erfolg inspiriert andere Menschen.

Bimala Acharya Dahal

Als Bimala erkannte, dass die Ökolandwirtschaft weltweit im Aufwind ist, gab sie ihre Karriere in einem Unternehmen auf und wandte sich dem ökologischen Landbau zu. Mit Blick auf Kathmandus wachsenden Markt für gesunde Nahrungsmittel fördert sie die städtische Bio-Bewegung und bietet Schulungen zur landwirtschaftlichen Nutzung von Dachflächen an. Inzwischen ist Bimala im ganzen Land tätig: Sie ermutigt die Bauern in abgelegenen Gebieten Nepals dazu, sich um eine Ökolandbau-Zertifizierung zu bemühen und unterstützt sie dabei, sich neue Möglichkeiten der Einkommenserzielung zu erschließen.

Wie ich die Veranstaltungen erlebt habe: Das Training hat mich dazu motiviert, mit den lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten, die ich bisher noch nicht in den Blick genommen hatte. Früher dachte ich nur an meine eigene Arbeit - meinen Bauernmarkt, meinen Dachgarten oder meine Frauengruppe. Nun möchte ich meine Arbeit in Kathmandu auf den ländlichen Raum ausdehnen und die dort lebenden Bauern erreichen. Seit ich von dem Training und der Konferenz zurückgekommen bin, sehen mich die Leute anders an: Sie zollen mir mehr Respekt, denn jetzt glauben sie an mich und an meine Arbeit. Das ist in gewisser Weise eine Verhaltensänderung.

Was ich mit meiner Arbeit erreichen will: Vor kurzem habe ich einen UN-Bericht gelesen, in dem es hieß, dass Kleinbauern die Welt ernähren können. Meiner Überzeugung nach gibt es an einem Ort ohne Landwirtschaft kein Leben. Ich denke, dass unser Leben besser wird, wenn die Nepalesen in ihrem Heimatland bleiben und wir unseren Bedarf an Nahrungsmitteln aus der eigenen Landwirtschaft decken. Der Aufbau eines Agrarsystems, in dem der Ökolandbau geschätzt wird, verschafft den Bauern den Respekt, den sie verdienen. Gleichzeitig haben sie die Chance, sich Wohlstand zu erarbeiten und dabei die Welt zu bereichern, ohne ihr dabei Schaden zuzufügen.

Daniela Borja Kaisin

Daniela Borja beteiligt sich an einer Initiative zur Rettung von einheimischen Pflanzenarten in Ecuador. Auf der Erzeugerseite unterstützt die Initiative die Bauern bei der Erhöhung der Menge an verfügbarem Saatgut, wobei die Bauern als "Hüter des Saatguts" gelten. Auf der Verbraucherseite fördern Daniela und ihr Team die Entwicklung einer lebendigen Gastronomie, in der traditionelle Nahrungsmittel verarbeitet werden. Mit ihrer Farming for Biodiversity-Kampagne will Daniela die Menschen für den Wert alter Kulturpflanzen sensibilisieren und die Hausfrauen von Quito für die Nutzung dieser Kulturpflanzen gewinnen.

Wie ich die Veranstaltungen erlebt habe: Auf der UN-Biodiversitätskonferenz war ich von bedeutenden Personen und Organisationen umgeben, und es ging um wichtige Ideen und Entscheidungen. Das hat mich zunächst nervös gemacht und etwas verunsichert. Ich wusste nicht, was ich als Mitglied einer kleinen Organisation dazu beitragen konnte. Doch im Laufe der Woche wurde mir klar, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz Menschen sind, die sich um ähnliche Umweltprobleme sorgen. Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, dass die politischen Entscheider wissen, welche Erfahrungen wir gemacht haben und wie wir vor Ort arbeiten. Ich habe gemerkt, dass meine Arbeit von Bedeutung ist und dass ich damit einen spürbaren Beitrag leisten kann. Dabei hat mir das Training geholfen, denn ich habe gelernt, wie sich Maßnahmen noch effektiver gestalten lassen. Das macht mir Hoffnung und hat mich so begeistert, dass ich vielen Menschen von dem Training berichtet habe und das Erlernte gerne an sie weitergebe.

Was ich mit meiner Arbeit erreichen will: Ich träume von einer bewusst lebenden Gesellschaft, in der sich die Menschen für ihre Umgebung und für andere interessieren. In dieser Gesellschaft bauen bewusste Verbraucher und Stadtgärtner ihre eigenen Lebensmittel an, pflanzen Bäume und schützen die Wasserressourcen. Die Hüter des Saatguts vernetzen sich miteinander und mit Aktivisten in anderen Ländern. Die Menschen sind miteinander verbunden, arbeiten zusammen und teilen den Traum von einem besseren Leben, vollkommen unabhängig von den Unterschieden, die zwischen ihnen bestehen mögen.