19.05.2017

Durchaus gewollt: Feuer im brasilianischen Cerrado

Das Logo der Europäischen Klimaschutzinitiative; BMUB

Ein kontrolliert angelegtes Feuer im Jalapão zur Reduzierung von Biomasse trägt zur Prävention von Großfeuern in der späten Trockenzeit bei. Foto: Anja Hoffmann

Durch großflächig eingesetztes Integriertes Feuermanagement (IFM) kann in der brasilianischen Savanne (Cerrado) die Gefahr von intensiven Großfeuern reduziert werden. Dies zeigten die Ergebnisse des erfolgreich laufenden Projektes „Prävention, Kontrolle und Monitoring von Bränden im Cerrado“ der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI), die auf einem internationalen Seminar in Brasilien präsentiert wurden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass durch die Einführung des IFM die Brandflächengröße der Feuer in der späten Trockenzeit in den Pilotgebieten in den letzten Jahren deutlich reduziert werden konnte. Langfristig und bei großflächiger Umsetzung führt das zu einer Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Die Anwendung kontrollierter Feuer fördert außerdem die Produktivität von Flora und Fauna und schützt die Biodiversität. 

Mit einer Fläche von mehr als zwei Millionen km² ist die Savannenlandschaft Cerrado in Zentral-Brasilien fast sechsmal so groß wie Deutschland. Bis zu 12.000 heimische Pflanzen- und Tierarten sind hier zu finden und ihre sozio-ökonomische Bedeutung ist für die indigenen und traditionellen Bevölkerungsgruppen sehr hoch.
Das BMUB unterstützt mit dem durch IKI-Mittel finanzierten Projekt seit 2012 Brasilien dabei, Ansätze des IFM in Schutzgebieten, indigenen Gebieten und lokalen Gemeinden im Cerrado einzuführen, um damit zum Erhalt der Biodiversität sowie dem weltweiten Klimaschutz beizutragen. Das Vorhaben wird durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umgesetzt.

In der Vergangenheit hat die traditionelle Feuerausschlusspolitik Brasiliens zu einer Ansammlung von großen Mengen brennbarer Biomasse in den Schutzgebieten geführt. Die regelmäßig in der späten Trockenzeit auftretenden Feuer wurden damit unkontrollierbar. Das IFM dagegen setzt auf kontrolliert angelegte Feuer zu Beginn der Trockenzeit, die die brennbare Biomasse reduziert und die intensiven Großfeuer in der späten Trockenzeit verhindern sollen.

Das Konzept des IFM verbindet die technischen Elemente von Feuerverhütung und -bekämpfung mit den sozio-ökonomischen, kulturellen und ökologischen Aspekten von Feuer. Es wird als ein kontinuierlicher Kreislauf von Aktivitäten in den Bereichen Prävention, Bereitschaft, Bekämpfung und Wiederherstellung degradierter Fläche angesehen. Der Ansatz wird durch Forschung und Wissenschaft sowie durch entsprechende politische Rahmenbedingungen und Gesetzgebungen auf der Basis intersektoraler Zusammenarbeit unterstützt. Zur Akzeptanz und Verbreitung von IFM-Strategien sind eine enge Beteiligung der lokalen Bevölkerung sowie formalisierte Dialogmechanismen zwischen den verschiedenen Akteuren nötig.

Auf dem Seminar wurde zudem bekräftigt, dass traditionelles Wissen über nachhaltige Anwendung von Feuer bewahrt und mit modernen Technologien zu verbesserten Feuermanagementstrategien verbunden werden sollte. Mit Hilfe des Projekts wurden daher die aus Satellitendaten gewonnenen Informationen über die verfügbare brennbare Biomasse sowie über Brandflächen aus den vergangenen Jahren, zu Karten zusammengefügt. Diese lassen sich mit einer einfachen Smartphone-App aufrufen und kombiniert mit lokalem Wissen sind sie eine unerlässliche Hilfe zur Planung und Durchführung von kontrollierten Feuern.

Nun gilt es die Herausforderung zu meistern, den Ansatz intra- und interinstitutionell in Politik- und Managementrichtlinien zu verankern, um IFM somit auf andere Flächen auszuweiten –sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schutzgebiete. Dafür werden klare Richtlinien benötigt, die vorgeben welche Feuer erwünscht und welche unerwünscht sind, auch um Grundlagen für den Gesetzesvollzug zu erarbeiten. Diese wichtige Aufgabe wird nun in der Verlängerungsphase des Projektes gemeinsam mit den Partnern in Brasilien (das brasilianische Umweltministerium, die nationale Umweltbehörde (IBAMA/Prevfogo), das Chico-Mendes-Institut für Biodiversitätsschutz (ICMBio), die nationale Weltraumbehörde (INPE), sowie das bundestaatliche Umweltsekretariat (Semarh), die Naturschutzbehörde (Naturatins) und der landwirtschaftliche Beratungsdienst (Ruraltins) von Tocantins) fortgeführt.