16.03.2017

Ein Leichtholz hilft Böden und Kleinbauern in Zentralkalimantan

Zwei Arbeiter mit Schutzhelömen stehen auf einer Solardachanlage und säubern sie mit Wasser und Wischer.

Pflanztraining für Kleinbauern; Foto: Fairventures

In den ländlichen Regionen Zentralkalimantans im indonesischen Teil der Insel Borneo sind in den vergangenen Jahren große Teile des tropischen Flachlandregenwalds verschwunden. Um die globale Nachfrage nach Tropenholz und Palmöl zu decken, wurden zwischen 1985 und 2001 ca. 29.000 km² Regenwald abgeholzt, was ungefähr der Landesfläche Belgiens entspricht. Dies hat nicht nur drastische Auswirkungen auf Biodiversität und Ökosystemleistungen, sondern verursacht auch klimaschädliche Emissionen, die mittlerweile einen großen Teil der indonesischen Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

Zahlreiche Flächen in Zentralkalimantan wurden seit den 80er Jahren auf sehr bodenschädigende Weise genutzt; zuerst als Holzkonzessionen. Nach illegaler Abholzung erfolgte dann vielfach eine Nutzung als Gummi- oder Palmölplantagen und schließlich für den Reisanbau. Dieser wird oft fortgeführt, bis die Böden ausgelaugt sind, die Felder keine Erträge mehr liefern und brach liegen. Die Herausforderung besteht nun darin, weiteren Waldverlust zu verhindern und die riesigen Flächen zu rehabilitieren, die durch jahrzehntelange Nutzung stark degradiert wurden.

Eine zuvor bewaldete Ebene, die nun durch Brandrodung für den Anbau von Ölpalmen von verkohlten Baumstümpfen und weißer Erde übersät ist; Foto: Christof Krackhardt

Hier setzt die Machbarkeitsstudie zur „Rehabilitierung von degradierten Flächen mit einheimischen Baumarten in Kalimantan, Indonesien“ an, die von der von deutschen NGO Fairventures Worldwide und dem Beratungsunternehmen UNIQUE durchgeführt wird. Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, ob mithilfe der einheimischen Baumart Sengon degradierte Flächen rehabilitiert und ökonomisch profitable Landnutzungsalternativen zum Anbau von Ölpalmplantagen geschaffen werden können.

Im Rahmen dieser Studie werden Sengon-Bäume in Kooperation mit Gemeinden und Kleinbauern in unterschiedlichen forstlichen und agro-forstlichen Systemen auf einer Fläche von 300 Hektar angebaut. Dabei werden verschiedene waldbauliche Ansätze getestet und Vermarktungsoptionen für die nachgelagerte Wertschöpfungskette identifiziert. Seit Ende November 2016 pflanzten 346 Kleinbauern rund 157.000 Sengon-Setzlinge in einer ersten Pflanzphase, die im Februar ihren erfolgreichen Abschluss fand. Dabei erhielten die Bauern auch Schulungen in der Anwendung verschiedener Anpflanzmethoden, um ihre brachliegenden Felder ebenfalls mit den schnellwachsenden Bäumen bepflanzen zu können.

Sobald das Sengonholz nach fünf bis sieben Jahren erntereif ist, können die Kleinbauern und ihre Familien damit ein alternatives Einkommen erwirtschaften und sind nicht gezwungen, ihre Felder zu verkaufen. Als Leguminose hat die Baumart außerdem die Eigenschaft, Stickstoff im Boden zu binden und so den degradierten Boden auf natürliche Art und Weise zu düngen. Ungenutzte Flächen können dadurch wieder ökologisch und ökonomisch nutzbar gemacht werden.

Bepflanzung degradierter Flächen rentabler als der Verkauf des Landes

Zu den Kleinbauern, die an der Machbarkeitsstudie teilnehmen, gehört auch der 37-jährige Jonie aus dem Dorf Talaken. Er lebt zusammen mit seiner Frau Ervina und seinen zwei kleinen Kinder und arbeitet halbtags als Lehrer in Talaken. Durch Veranstaltungen im Dorf hat er über die Aktivitäten des Projektes erfahren und ist neugierig geworden. Schon lange verfolgt er, wie viele Kleinbauern in der Gegend ihr Land an großen Firmen verkaufen und beobachtet die Ausbreitung der Palmölplantagen. Zwar sieht er die Arbeitsmöglichkeiten, die durch große Unternehmen für die Gemeinde entstehen können, trotzdem bleibt er skeptisch: „Wenn wir unser Land bewirtschaften und erhalten, und unseren Familien eine Zukunft bieten wollen, dann sollten wir es nicht verkaufen. Wir müssen selbst aktiv werden.“, so Jonie. Durch das Anpflanzen von Sengon auf seinem Feld will er es längerfristig bewirtschaften und wieder fruchtbar machen.

Der Kleinbauer Jonie pflanzt einen Sengon-Setzling ein (linkes Bild) und misst mit Markierungsstöcken und Faden den optimalen Abstand für die Setzlinge ab (rechtes Bild); Foto: Fairventures

Welche Fläche im Rahmen der Machbarkeitsstudie bepflanzt wird, koordiniert das Borneo Institute als lokaler Umsetzungspartner in Zentralkalimantan. Das Borneo Institute ist eine lokal etablierte und gut vernetzte Organisation und ist neben der Auswahl der Flächen für die begleitenden Sensibilisierungsmaßnahmen verantwortlich. Es agiert als Bindeglied zu den Bauerngruppen aus den drei Gemeinden der Provinz Gunung Mas, die an der Studie teilnehmen. Einbindung und Konsultation der Gruppen erfolgen durch Dorfversammlungen, Gruppendiskussionen sowie quantitative und qualitative Befragungen. Im Rahmen der Studie werden zudem Karten der Pflanzgebiete angefertigt, die für die Kleinbauern ein erster notwendiger Schritt zur Beantragung der Landrechte sind. Damit die Ergebnisse der Studie, wie Kosten und Erträge verschiedener waldbaulicher Optionen oder das Potential zur Kohlenstoffspeicherung, später auch für großflächigere Maßnahmen genutzt werden können, ist auch das indonesische Ministerium für Umwelt und Forst miteingebunden. Auf Provinz- und Landkreisebene werden zudem die Forstbehörden über die Ergebnisse informiert.

Klimaschutz durch die Verwendung schnellwachsender Leichthölzer

Zeitgleich läuft in Zusammenarbeit mit holzverarbeitenden Betrieben auf der Insel Java die Entwicklung von Produktinnovationen aus Leichtholz, die energieintensive Baumaterialien wie Stahl oder Beton ersetzen können. Zu diesen innovativen Holzprodukten gehören zum Beispiel Leimbinder aus Sengon. Diese werden für die Konstruktion von Dächern verwendet, da sie leichter als Stahl oder Beton sind, aber die gleiche Tragfähigkeit besitzen. Ein eigens konzipierter Messestand aus Leichtholz machte die indonesische Holzindustrie auf der Trade Expo in Jakarta im Oktober 2016 dann auf das Potential von Leichtholzprodukten aus Sengon aufmerksam. Langfristig  soll ein neuer Markt für produzierende Unternehmen entstehen, damit diese das heimische Leichtholz anstelle von herkömmlichen Baumaterialien einsetzen können.

Die Machbarkeitsstudie leistet neben der Minderung von klimaschädlichen Emissionen also auch einen wichtigen Beitrag zur Transformation des indonesischen Holzsektors, der bisher auf weniger ertragreiche und klimasensiblere Holzplantagen aus Monokulturen setzte. Damit ist ein erster Schritt in die Richtung eines großflächigen Wandels in der Landnutzung in Kalimantan und zu einer nachhaltigeren Holzwertschöpfungskette geschafft.

Arbeiter und andere Beteiligte sitzen auf langen Hölzern aus Sengon, die auf zwei Tischen aufliegen, um sie einem ersten Belastungstest zu unterziehen; Foto: Fairventures

Das Projekt „Rehabilitierung von degradierten Flächen mit einheimischen Baumarten in Kalimantan, Indonesien“ wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert.