21.06.2021

Elektrische 2- und 3-Räder in Ostafrika und Südostasien

Pilotfahrzeuge: Elektrische Motorräder für die Postzustellung in in Pasig City, Philippinen. Foto: Clean Air Asia

2- und 3-Räder spielen in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen weltweit eine wichtige Rolle. Dabei verdienen viele ihrer Benutzerinnen und Benutzer ihren Lebensunterhalt in einkommensschwachen Sektoren wie dem Paratransit-Sektor, indem sie Motorräder und 3-Räder als Taxis einsetzen. Die Covid-19-Pandemie hat unter anderem auch die Ausweitung des e-Commerce unterstützt, und damit die unverzichtbare Rolle von Motorradbelieferungen deutlich gemacht. Die Elektrifizierung von 2- und 3-Rädern für den öffentlichen Nahverkehr, Dienstleistungen und Lebensmittellieferungen wird dazu beitragen, den Verbrauch an fossilen Brennstoffen sowie die Luftverschmutzung und die CO2-Emissionen aus dem Transportsektor zu reduzieren.

2017 initiierte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mit Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) in Ostafrika und Südostasien das IKI-Projekt „Integration elektrischer 2- & 3-Räder in bestehende städtische Verkehrssysteme in Entwicklungsländern“. Zu dieser Zeit gab es in Ostafrika so gut wie keine elektrischen 2- und 3-Räder, und in Südostasien wurde lediglich eine Handvoll Projekte umgesetzt. Diese konzentrierten sich vor allem auf elektrische 3-Räder, mit einer begrenzten Anzahl von elektrischen 2-Rädern. Zur gleichen Zeit konnte China bereits mehr als 200 Millionen elektrische 2-Räder verzeichnen und hatte damit begonnen, die Fahrzeuge in andere Länder, vor allem in Südostasien, zu exportieren.

Heute gibt es mehr als 20 Startups und Unternehmen, die elektrische Motorräder und 3-Räder in Ostafrika fördern und entwickeln. In Südostasien beträgt die Anzahl dieser Startups und Unternehmen bei weitem mehr als 100 einheimische Unternehmen, lokale Tochtergesellschaften und Joint Ventures mit meist chinesischen, indischen und japanischen Firmen. Auf den e-Commerce-Plattformen Südostasien ist es mittlerweile sehr einfach, elektrische Fahrräder, Motorräder und 3-Räder zu kaufen. 

IKI unterstützt die entwicklungspolitischen Leitlinien für elektrische 2- und 3-Räder in Südostasien

Auch die Zahl der elektrischen 2- und 3-Räder auf der Straße ist im Vergleich zu 2017 deutlich gestiegen, vor allem in südostasiatischen Ländern. Allein in Vietnam gab es im Juni 2020 bereits 1,35 Millionen registrierte elektrische 2-Räder. In Malaysia, Thailand und auf den Philippinen waren im Juni 2020 etwa 8.600 elektrische 2- und 3-Räder registriert. Aber: In diesen Ländern sind die meisten der elektrischen 2- und 3-Räder nicht registriert, was zum Teil daran liegt, dass es für diese neuen Fahrzeugkategorien keine nationalen Richtlinien gibt. UNEP hat 2020 zusammen mit Expertinnen und Experten sowie Verbänden für Elektrofahrzeuge in Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam die „Policy Guidelines for Electric 2- and 3-wheelers in Southeast Asia” (Politische Leitlinien für elektrische 2- und 3-Räder in Südostasien) entwickelt, um Regierungen bei der Entwicklung und Stärkung ihrer Richtlinien und Standards für elektrische 2- und 3-Räder zu helfen. Im Rahmen des Global Electric Mobility Programme (Globales Programm zur Förderung von Elektromobilität) von UNEP gibt es laufende Projekte auf den Philippinen, in Thailand, Vietnam und bald auch in Indonesien. 

Pilotprojekte in Ostafrika

In Ostafrika sind die Gesamtanzahl und der Absatz von Motorräder im Vergleich zu Südostasien gering, aber die Steigerung bei den Motorradverkäufen übertrifft inzwischen die der privaten Pkws, wobei die jährlichen Wachstumsraten bei der Zulassung von Motorrädern zwischen 2013 und 2017 bei über acht Prozent liegen. In absoluten Zahlen wird bis 2030 ein Anstieg der Motorradverkäufe auf 500.000 prognostiziert. 

Im März 2021 startete UNEP die ersten öffentlich-privaten Pilotprojekte für Elektromobilität in Kenia und Uganda. Im Rahmen dieser Pilotprojekte wurden 100, von einem chinesischen Unternehmen für elektrische 2- und 3-Räder – gespendete Elektromotorräder in verschiedenen Flottenanwendungen getestet. Unter anderem von Nationalpark-Ranger im Karura Forest in Nairobi, vom nationale Energieversorgungsunternehmen bei der Zählerablesungen, von Bodaboda-Taxidiensten (Fahrrad- und Motorradtaxis) in Kisii County und von städtische Beamte in Kisumu. 

UNEP arbeitet in Ostafrika eng mit den Regierungen in Kenia, Uganda, Ruanda, Äthiopien und seit kurzem in Burundi, auf Madagaskar und den Seychellen zusammen, um den Übergang zur Elektromobilität in der Region zu forcieren.

Das Global Electric Mobility Programme

UNEP leitet mit Unterstützung der IKI, der EU, der Globalen Umweltfazilität, der FIA-Stiftung für Automobil und Gesellschaft und der Hewlett-Stiftung das Global Electric Mobility Programme. Das Programm soll zum Aufbau von Kapazitäten, zur Entwicklung von Strategien und Roadmaps sowie zum Entwurf von Richtlinien beitragen. Zudem soll es Geschäfts- und Finanzierungsmodellen für den Übergang zur Elektromobilität unterstützen. 

Zusätzlich werden Demonstrationsprojekte gestartet, um vor Ort Know-how zu schaffen und das Vertrauen von Geldgebern - wie Entwicklungsbanken, grünen Fonds und Risikokapitalgeber - für Investitionen in E-Mobilität zu stärken. Das IKI-Projekt für elektrische 2- und 3-Räder hat das E-Mobilitätsprogramm  verstärkt, und die gewonnenen Erkenntnisse aus den Demoprojekten werden in die Ergebnisse der globalen Arbeitsgruppe für elektrische 2- und 3-Räder einfließen. 

Die nationalen E-Mobilitätsprojekte werden von den globalen Arbeitsgruppen für Elektroautos, elektrische 2- und 3-Räder, Elektrobusse und Ladeinfrastruktur, Batterien und Integration erneuerbarer Energien unterstützt. Die Arbeitsgruppen bieten politische Beratung, zum Beispiel zu Regulierung und Standardisierung, sowie Wissensprodukte zum Thema Elektromobilität an. Auf regionaler Ebene werden nationale Projekte durch Förder- und Investitionsplattformen in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik, Mittel- und Osteuropa, Westasien und dem Nahen Osten unterstützt, um „Communities of Practice“ zu schaffen und einen Markt für Elektromobilität zu entwickeln, der die Vermittlung zwischen Elektromobilitätsprojekten, Geldgebern und Herstellern erleichtert.