07.09.2017

Energiekonzepte für drei chinesische Pilotstädte

Xintai; Foto: Stadt Xintai

Xintai; Foto: Stadt Xintai

Im Juli 2017 wurden Konzepte für die Energiewende in drei chinesischen Städten in Peking vorgestellt und an die Städte übergeben. Erarbeitet wurden sie im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Klimapartnerschaft. Sie bauen auf Erfahrungen deutscher Städte auf, die in den letzten Jahren Erfahrungen bei der Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutz- und Energiekonzepten sammeln konnten.

Seit zwei Jahren unterstützt das Projekt „Deutsch-Chinesische Klimapartnerschaft und Zusammenarbeit zu erneuerbaren Energien“, chinesische Städte dabei, Klimaschutz auf lokaler Ebene voranzutreiben. Das Projekt wird durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt. Nach dem Startschuss im Frühjahr 2015 wurden aus etwa 80 Bewerbern, drei Projektstädte, die sogenannten „Sino-German New Energy Demonstration Cities“ ausgewählt. Bei der Bewältigung der Klimawende auf lokaler Ebene steht jede der drei Städte vor ganz eigenen Herausforderungen.

Dunhuang; Foto: Stadt Dunhuang

Die Stadt Dunhuang in der Provinz Gansu, südlich der Wüste Gobi, deckte noch 2015 einen Großteil des Wärme- und Transportsektors aus fossilen Energiequellen ab. Inzwischen werden erneuerbare Energiequellen favorisiert. Insbesondere dank der hohen Sonneneinstrahlung ist Dunhuang ideal für Photovoltaik und solarthermische Anlagen geeignet.

Mit dem Schnellzug zwei Stunden südlich von Peking liegt die Stadt Xintai in der Provinz Shandong. Xintais Wirtschaft baut heute noch stark auf Bergbau und Kohle, doch das Bild wandelt sich rasant. Der exponentielle Aufbau von Photovoltaik in Xintai ist nur ein oberflächliches Anzeichen für ein sich veränderndes Selbstverständnis der Stadt.

Der Bezirk Xiuzhou der Stadt Jiaxing befindet sich in der östlichen Provinz Zhejiang und ist die dritte Pilotstadt. Auch Xiuzhou steht vor den Herausforderungen des Strukturwandels, hat aber aufgrund der hohen Bebauungsdichte nur ein begrenztes Potential für den Ausbau von großflächigen regenerativen Erzeugungsanlagen wie Wind oder Photovoltaik.

Um die drei Städte bei der Umsetzung der lokalen Energiewende gezielt zu beraten, entwickelte ein Konsortium der Fraunhofer Gesellschaft zusammen mit den ausgewählten Pilotstädten, der GIZ und dem China National Renewable Energy Research Centre (CNREC) für jede der drei Städte ein integriertes Energiekonzept nach deutschem Vorbild. Ausgehend von der Analyse der stadtspezifischen Wirtschaftsstruktur, des Energiebedarfs und der –versorgung, der Infrastruktur sowie der klimatischen Bedingungen, umrissen die Experten zunächst den Status Quo der Städte, um danach gezielt langfristige Ziele abzustecken und mit konkreten Maßnahmenvorschlägen den lokalen Entscheidungsträgern Umsetzungsleitlinien an die Hand zu geben. Für die Städte stellt die integrierte Energieplanung einen neuen Ansatz dar, der nicht nur einen einzelnen Angebots- oder Verbrauchssektor betrachtet und optimiert, sondern ein ganzheitliches Bild des Energiesystems einer Stadt – einschließlich der Sektoren Verkehr, Heizung, Industrie und Haushalte sowie deren Querverbindungen untereinander – umreißt.

Am Workshop zur Vorstellung und Übergabe der Energiekonzepte am 26. Juli 2017 nahmen mehr als 200 Vertreter nationaler und lokaler Regierungen, aus Forschung, Think Tanks, Hochschulen und Unternehmen sowie hochrangige Vertreter der Pilotstädte teil. Die Städte betonten dabei ihr starkes Engagement und ihre politische Unterstützung für die Umsetzung der in den Energiekonzepten empfohlenen Maßnahmen.

Lebhafte Diskussion zwischen Publikum und Herrn Dr. Bofinger, Experte des Fraunhofer IWES, zu Dunhuangs Energiekonzept; Foto: GIZ China

Die drei Pilotstädte haben mit Hilfe der integrierten Energiekonzepte und den darin definierten Maßnahmen und langfristigen Zielen bis 2030, die Möglichkeit die Energiewende aktiv zu steuern und gezielt voranzutreiben. Dunhuangs Energiekonzept verdeutlicht, wie das hohe Potential für Photovoltaik und Solarthermie mittelfristig eine 100%ig erneuerbare Energieversorgung der Stadt ermöglichen kann. In Xiuzhou wird, aufgrund des begrenzten Platzangebots, der Einsatz von Dach- und gebäudeintegrierten PV-Anlagen empfohlen. Das Energiekonzept Xintais gibt vor, wie die Sektorkopplung zwischen Energie-, Wärme- und Verkehrssektoren bestmöglich zum anstehenden Strukturwandel beitragen kann.

Vom aktuellen Stand der Energiewende in Xintai überzeugten sich die Projektpartner schon am Folgetag des Workshops. Auf Einladung der Stadtregierung Xintais reisten Vertreter von BMUB, GIZ, CNREC und Fraunhofer-Gesellschaft in die Stadt und besuchten verschiedene Energiewendeprojekte, unter anderem eine Multimegawatt-PV-Anlage und ein Umspannwerk.

In der im Herbst beginnenden nächsten Phase der deutsch-chinesischen Klimapartnerschaft, werden die gemachten Erfahrungen mit weiteren chinesische Städten geteilt. Ebenso wird die erfolgreiche Arbeit auf nationaler Ebene durch Beratung der politischen Entscheidungsträger bei der Gestaltung der Förderpolitik für eine gelungene lokale Energiewende in China fortgesetzt.