21.12.2017

Entsorgung ozonschädlicher Substanzen (ODS)

Vertreter aus Ghana und Kolumbien besichtigen das Schweizer Unternehmen immark AG während eines Workshops zum Management von ODS-Beständen. Bild: GIZ Proklima

Vertreter aus Ghana und Kolumbien besichtigen das Schweizer Unternehmen immark AG während eines Workshops zum Management von ODS-Beständen. Bild: GIZ Proklima

Während der 29. Tagung der Vertragsparteien des Montrealer Protokolls im November 2017 in Montreal nahmen rund 60 politische Entscheider sowie Vertreter von Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen an einem Side Event teil, das sich mit den Auswirkungen von ozonschädlichen Substanzen (ODS) auf das Klima befasste. ODS spielen beim Schutz der Umwelt eine entscheidende Rolle. Wenn sie in die Umwelt gelangen, zerstören die hauptsächlich in Kühl- und Klimaanlagen eingesetzten chemischen Substanzen die Ozonschicht und tragen so zum Klimawandel bei.

Das IKI-Projekt Management und Entsorgung bestehender, ozonschädlicher Substanzen in ODS Banken fördert die Verringerung der ODS-Bestandsemissionen in den Partnerländern und schärft das Bewusstsein für diese Problematik. Im Rahmen des Projekts wurde eine neue Studie erstellt und auf dem Side Event vorgestellt. In der Studie werden die für ODS-Bestände verfügbaren Verbrauchsdaten des Ozon-Sekretariats analysiert und die weltweiten und regionalen Ozonbestände quantifiziert. Mit 9,9 Gt CO2-Äquivalent weisen die ODS-Bestände ein alarmierend hohes Treibhauspotenzial auf, das nach internationalen Maßnahmen verlangt.

Prognosen zufolge dürften die Bestände an ODS zurückgehen, während die Bestände an Fluorkohlenwasserstoffen (HFCs) zunehmen. Bis 2030 werden in vielen Entwicklungsländern ODS durch HFC ersetzt. Da letztere ein großes Treibhauspotenzial besitzen, ist absehbar, dass die Gesamtemissionen von ODS und HFC in den Entwicklungsländern mit durchschnittlich 200 Mt CO2-Äquivalent pro Jahr auf hohem Niveau bleiben werden. Dies entspricht der CO2-Menge, die das größte deutsche Braunkohlekraftwerk in sechs Jahren ausstößt.

Das Management der ODS- und HFC-Bestände bis zum Ende der Nutzungsdauer und zur Entsorgung ist im Montrealer Protokoll nicht geregelt. Vor diesem Hintergrund hat das IKI-Projekt einen Kurzfilm zu dieser weitgehend unbekannten Gefahr für die Umwelt erstellt. Der animierte Erklärfilm soll politische Entscheider auf das Problem aufmerksam machen und für das große Treibhauspotenzial sensibilisieren, das von alter Kühl- und Klimatechnik ausgeht. Dieses Querschnittsproblem betrifft nicht nur den Schutz von Ozonschicht und Klima, sondern auch die Sektoren Abfall und Energie und wird häufig nicht wahrgenommen.

Der Kurzfilm wurde erstmals im Oktober 2017 auf dem World Resource Forum (WRF) in Genf gezeigt. Das WRF bietet Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, NGOs sowie der Öffentlichkeit eine Plattform für den Wissensaustausch. Von 60 eingereichten Beiträgen wurde der kürzlich vom IKI-Projekt  veröffentlichte Leitfaden „Manual dismantling of Refrigerators and Air Conditioners“ für eine Präsentation während der wissenschaftlichen Sessions des WRF ausgewählt.

Im Anschluss daran veranstaltete GIZ Proklima einen Workshop zum ODS-Bestandsmanagement. Gegenstand der Veranstaltung waren unter anderem zwei Fallstudien der ghanaischen Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency - EPA) sowie des kolumbianischen Ministeriums für Umwelt und nachhaltige Entwicklung (Ministry of Environment and Sustainable Development of Colombia - MADS Colombia). MADS Columbia stellte eine Reihe von erfolgreichen Maßnahmen zur Einführung eines ODS-Bestandsmanagements vor, bei dem ODS und Altgeräte gesammelt und die ozonschädlichen Substanzen zurückgewonnen und entsorgt werden. Zu Beginn lag der Fokus dabei auf Haushaltskühlschränken. Darüber hinaus hat MADS Columbia verschiedene Kampagnen zur Sensibilisierung der Zivilgesellschaft durchgeführt.  EPA Ghana wiederum ging auf die Verhandlungen zwischen Staat und Privatwirtschaft ein und präsentierte die bisherigen ODS-Managementmaßnahmen, bei denen der Schwerpunkt auf Schäumen aus alten Kühlschränken lag. Ein weiterer Fokus von EPA Ghana waren die finanziellen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus gingen die Vertreter Ghanas auch auf die Fortschritte ein, die das Land bei Steuervergünstigungen für den Import von ozonfreundlichen Substanzen und Produkten erzielt hat.

Nidia Pabón Tello vom kolumbianischen Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung MADS stellt auf dem WRF 2017 die best practices vor, die Kolumbien beim ODS-Bestandsmanagement anwendet. Foto: GIZ Proklima

Die Beteiligung der beiden politischen Akteure aus Ghana und Kolumbien an dem WRF wurde mit einer Studienreise durch die Schweiz verknüpft, auf der die Besucher mit Vertretern aus Politik und Industrie zusammenkamen und zwei Unternehmen besuchten. Bei der vom IKI-Projekt organisierten und von GIZ Proklima durchgeführten Studienreise ging es darum, den Vertretern der Partnerländer Spitzentechnologien auf dem Gebiet des Abfallmanagements zu zeigen und einen technisch-fachlichen Austausch auf den Weg zu bringen.

Im Rahmen des Projekts wurde eine Reihe von Publikationen zum Thema ODS-Bestandsmanagement sowie zur manuellen Demontage von Kühl- und Klimaanlagen veröffentlicht, die im Publikationsbereich der IKI-Website heruntergeladen werden können.