05.04.2019

Erneuerbare Energien – aber nicht bei mir?!

Windpark in Chile; Foto: ©GIZ/Shutterstock

Windpark in Chile; Foto: ©GIZ/Shutterstock

Heutzutage gilt in Chile: Sollen Bergbau- oder Energieprojekte erfolgreich umgesetzt werden, bedürfen diese der Zustimmung der Bevölkerung. Das Gleiche gilt zunehmend auch für Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energien, besonders wenn sie sehr weitreichend sind.

Aufgrund des erfolgreichen Ausbaus erneuerbarer Energien in Chile rücken derartige Projektaktivitäten inzwischen zum Teil auch in landwirtschaftlich genutzte Gebiete und urbane Zonen vor. Bei oft unzureichender Raumordnungsplanung und mangelnder Aufklärung der Bevölkerung sind dabei Interessenkonflikte vorprogrammiert.

Wie aber können Projektentwicklerinnen und -entwickler objektiv einschätzen, wie die umliegenden Kommunen das zukünftige Energieprojekt aufnehmen würden? Wie kann im Voraus und möglichst einfach Handlungsbedarf zur Verbesserung der sozialen Akzeptanz eines Projekts erkannt werden?

Nach der Analyse von Erfahrungen in Chile, aber auch in anderen Ländern wie Honduras, Mexiko, Bolivien, Peru und Deutschland, hat das IKI-Projekt zur „Förderung der Solarenergie“, umgesetzt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Zusammenarbeit mit dem Energieministerium Chiles einen „Index zur Sozialen Akzeptanz“ (ISA) von Großprojekten der erneuerbaren Energien als online-Tool entwickelt.

Die ISA-Methode erlaubt Projektentwicklerinnen und -entwicklern zusammenfassende Informationen darüber zu erheben, wie die lokale Bevölkerung aus der direkten Umgebung das neue Energieprojekt aufnimmt. Die Abfrage kann beginnend mit der Planungsphase sowie während der gesamten Bau- und Standzeit vorgenommen werden und bildet dadurch ein wichtiges Steuerungselement für das Projektmanagement.

Einführung des Tools in der Region Atacama, Chile; Foto: @4e GIZ ChileFür die beispielhaften Anwendung der Methode wurden für einen neu geplanten Windpark im Süden Chiles 89 Personen vor Ort einmal während der Planung und ein weiteres Mal am Beginn der Konstruktionsphase befragt. Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass es dem Windparkentwickler gelang gute Beziehungen zu den Gemeinden aufzubauen, was auf die permanente Anwesenheit und die durchgeführten Sensibilisierungsmaßnahmen bei der Bevölkerung zurückzuführen ist. Die Methode wurde ebenfalls erfolgreich bei fünf weiteren Projekten angewendet, unter anderem einer großen im Bau befindlichen Photovoltaikanlage in der Nähe von Santiago de Chile, einer weiteren Windkraftanlage im Norden des Landes sowie im Rahmen einer Projektidee für eine Kleinwasserkraftanlage.

Das chilenische Energieministerium hat dieses Verfahren seit März 2019 allen Projektantragstellerinnen und -antragstellern als Beurteilungs- und Steuerungsinstrument bereits in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung zur Verfügung gestellt. Das ISA-Tool ist öffentlich zugänglich und kann auch über die Internetseite des GIZ-4e-Programms www.4echile.cl bezogen werden.


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