15.01.2021

Erste Biosphärenreservate in Georgien

Bergdorf Dartlo im zukünftigen Biosphärenreservat in Kachetien. Foto: Succow Stiftung /Sophie Hirschelmann

Neben dem Klimawandel gehören der Schutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Kaukasus weist einen hohen Grad an Biodiversität auf. Gleichzeitig sind eine Vielzahl an Arten und die Ökosysteme der Region bedroht. In Georgien stellen unter anderem die voranschreitende Desertifikation und Bodendegradation gravierende Probleme dar. Diese treffen insbesondere die ländliche Bevölkerung in Georgien, deren Haupteinkommensquelle in der Landwirtschaft und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten liegt. Durch den Klimawandel bedingte Temperaturabweichungen und veränderte Niederschlagsmuster werden laut wissenschaftlicher Prognosen in Zukunft weiter zunehmen und diese Prozesse weiter beschleunigen, bis hin zur Überschreitung von irreversiblen Kipppunkten.

Modellregionen für nachhaltige Entwicklung

UNESCO-Biosphärenreservate sind weltweite Modellregionen für nachhaltige Entwicklung, die es ermöglichen, praktische Ansätze zum Schutz der Biodiversität und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels zu erarbeiten. Das dabei angestrebte integrierte Management fördert die regionale Einbindung sozialer, ökonomischer und ökologischer Interessen sowie der kulturellen Identität. Somit können Biosphärenreservate in Georgien zum Erhalt der biologischen Vielfalt, der Ökosysteme und auch der alten Kulturlandschaften beitragen.

Die georgische Regierung hat über verschiedene Initiativen ihren Zuspruch für ein Biosphärenreservat deutlich gemacht. Bereits vor zwanzig Jahren wurde im nationalen „Gesetz über das System der Schutzgebiete“ deren Relevanz hervorgehoben und die allgemeine Grundlage zur Ausweisung eines Biosphärenreservats geschaffen. 

Nächster Schritt: Bewerbung als Biosphärenreservat 

Das Vorhabens „Capacity Development für Klimapolitik in Südost- und Osteuropa, im Kaukasus und Zentralasien“ der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt die georgische Regierung bei ihrer Planung zur Einrichtung eines Biosphärenreservats. Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert die Arbeiten zum Aufbau eines Biosphärenreservats in Kachetien bereits seit vielen Jahren. Aufbauend auf intensiven und ausführlichen Vorarbeiten der Michael Succow Stiftung, die im Jahre 2015 starteten, arbeitet das Projekt aktuell an der umfangreichen Bewerbung des Gebiets „Three Alazani Rivers“ als UNESCO-Biosphärenreservat.

Anfang Dezember 2020 fand hierzu auf Initiative des georgischen Ministeriums für Naturschutz und Landwirtschaft ein hochrangiger Austausch zwischen den Akteuren des Projekts statt. Dabei wurden unter anderem die Ergebnisse der bisherigen Initiativen und Aktivitäten vorgestellt und die weitere Planung beschrieben. Beispielsweise wurden ein Zonierungs- und Managementkonzept erarbeitet, Trainingsmodule für Capacity Development oder das Logo des Schutzgebiets entworfen und in partizipativen Prozessen mit den beteiligten Akteuren und der Bevölkerung der Gemeinden abgestimmt. Das Nominierungsdossier für die UNESCO soll der georgischen Regierung im Frühjahr 2021 übergeben werden, damit diese es im Herbst bei der UNESCO-Kommission einreichen kann. Ein EU-finanziertes Projekt arbeitet parallel an der Konzeptionierung eines weiteren Biosphärenreservats in Vashlovani. Beide geplanten Biosphärenreservate liegen nahe beieinander und sind durch den seit Jahrhunderten bestehenden Transhumanz-Migrationskorridor verbunden. Sie werden eng zusammenarbeiten, um die historische Kulturlandschaft und Traditionen wie die Beweidung und den saisonalen Auf- und Abtrieb der Schafherden zu bewahren. 

Enge Zusammenarbeit in der Region

Zwischen den Gemeinden und den beiden potenziellen Biosphärenreservaten, Agrarverbänden, der Zivilgesellschaft und der Universität sowie den Durchführungspartnern bestehen enge Kooperationen, die bereits im Zuge der Planung Synergien ergaben.

Teilnehmende dieses jüngsten Austausches zu Biosphärenreservaten in der Region Kachetien waren neben Regierungsvertretern aus Georgien und Deutschland auch Durchführungsorganisationen und Vertreter von NGOs und Repräsentanten der georgischen Regionen, in denen die Biosphärenreservate etabliert werden sollen. Das sehr hohe Interesse und die Motivation der Teilnehmenden verdeutlichte, wie wichtig es ist, alle betroffenen Stakeholder in die gesamte Projektarbeit einzubeziehen, um das Biosphärenreservat lokal und regional nachhaltig zu verankern.

Alle Beteiligten hoffen, dass die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit und das Engagement der Partner bald Früchte trägt - und die UNESCO „Three Alazani Rivers“ offiziell als Biosphärenreservat nominiert.