29.03.2019

Erste Sitzung der Deutsch-Indischen Arbeitsgruppe Biodiversität und Projektbesuch in Indien

Mitglieder der Deutsch-Indischen Arbeitsgruppe Biodiversität und Vertreter einer lokalen Tourismusinitiative am Chilika-See; Foto: ©Ritesh Kumar/Wetlands International

Mitglieder der Deutsch-Indischen Arbeitsgruppe Biodiversität und Vertreter einer lokalen Tourismusinitiative am Chilika-See; Foto: ©Ritesh Kumar/Wetlands International

Die erste Sitzung der Deutsch-Indischen Arbeitstruppe Biodiversität fand am 12. Februar 2019 in Neu-Delhi (Indien) am Rande des dritten Deutsch-Indischen Umweltforums statt. An der Sitzung nahmen Vertreter des indischen Ministeriums für Umwelt, Wald und Klimawandel (MoEFCC) sowie des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) teil. Gegenstand der Sitzung waren Themen im Bereich des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt, die für beide Seiten von Interesse sind.

Die bilaterale Arbeitsgruppe Biodiversität war im Ergebnis der Vierten Regierungskonsultationen, die im Mai 2017 in Berlin stattfanden, von dem indischen Premierminister Narendra Modi und Bundeskanzlerin Angela Merkel eingerichtet worden. In ihren Eröffnungsreden zur Sitzung der Arbeitsgruppe würdigten Dr. Sujata Arora (Beraterin, Biodiversität) vom MoEFCC und Dr. Karsten Sach (Ministerialdirektor der Abteilung Internationales, Europa, Klimaschutz) vom BMU die langjährige vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland

Im Verlauf der Sitzung stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die derzeit in Indien laufenden IKI-Projekte zum Thema Biodiversität vor und diskutierten darüber. Dazu zählten beispielsweise die Projekte BIOFIN, Private Business Action for Biodiversity und INTERACT-Bio. Darüber hinaus berichteten verschiedene Durchführungsorganisationen und Projektpartner wie die India Business and Biodiversity Initiative, die indische Behörde für Biodiversität, Wetlands International und ICLEI South Asia über den Stand der laufenden IKI-Projekte zum Thema Biodiversität. Das Treffen bot Durchführungsorganisationen und politischen Partnern eine hervorragende Gelegenheit, um sich umfassend über den aktuellen Stand und die zukünftigen Projektmaßnahmen auszutauschen. Für Mai 2019 ist eine Follow-up im Rahmen des IKI-Schnittstellenworkshops geplant.

Auf der Sitzung der Arbeitsgruppe konnten sich die Vertreter beider Länder über die in Deutschland und Indien bestehenden Initiativen und Herausforderungen auf dem Gebiet des Naturschutzes austauschen. Dabei traten einige Differenzen zu Tage, doch es wurden auch gemeinsame Anliegen und Herausforderungen benannt, die für und in beiden Ländern bestehen. Nach einer Präsentation der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI), bei der der Förderbereich Biodiversität sowie die Zusammenarbeit mit Indien im Mittelpunkt standen, wurden Themen für künftige Sitzungen der Arbeitsgruppe festgelegt, die für beide Seiten von Interesse sind.

In diesem Zusammenhang wurden drei Säulen für die künftige Zusammenarbeit definiert:

  • Indien und Deutschland als strategische und starke Partner in den CBD-Prozessen und -Verhandlungen;
  • Austausch auf technischer Ebene über Themen, die für beide Länder von Interesse sind; und
  • im Rahmen der IKI geförderte Kooperationsprojekte.

Das IKI-Projekt Feuchtgebietsmanagement

Im Rahmen der Sitzung, die am 14. und 15. Februar 2019 stattfand, besuchten die Mitglieder der Arbeitsgruppe das IKI-Projekt "Feuchtgebiete als wichtige Pfeiler für Biodiversitäts- und Klimaschutz", das seit September 2018 von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt wird. Dazu reiste die Delegation in das der Ramsar-Konvention unterliegende Feuchtgebiet am Chilika Lake im indischen Bundesstaat Odisha, das zu den von dem Projekt geförderten Modell-Feuchtgebieten gehört.

Im Zeitraum von 1950 bis 2000 haben die Degradierung des See-Ökosystems und der aus den Einzugsgebieten eingetragene Schlick die Verbindung der Lagune zum Golf von Bengalen verengt. Dadurch nahm der gesellschaftliche Nutzen des Ökosystems soweit ab, dass beispielsweise die Fangmengen der Fischer um 80 Prozent zurückgingen. Die Development Authority of Chilika reagierte mit verschiedenen Wiederherstellungsmaßnahmen und verbesserten Feuchtgebietsmanagement-Plänen auf diese Missstände und arbeitete dabei mit verschiedenen Naturschutzinitiativen zusammen. Im Jahr 2000 wurde auf der Grundlage von Empfehlungen, die auf Modellierungsstudien und Stakeholder-Konsultationen zurückgingen, eine neue Verbindung zum Golf von Bengalen geschaffen. Seitdem wird ein umfassendes Programm zum Management des See-Einzugsgebiets umgesetzt. Dieses sieht eine Wiederbegrünung des Einzugsgebiets, den Schutz des hydrologischen Systems, eine nachhaltige Fischerei, die Verbesserung der Lebensgrundlagen sowie eine Intensivierung von Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vor. Die Gespräche mit den zuständigen Behörden haben jedoch gezeigt, dass der See nach wie vor durch verschiedene anthropogene Aktivitäten und in jüngster Zeit auch zunehmend durch natürliche Extremereignisse (steigender Meeresspiegel, veränderte Monsunmuster) bedroht ist.

Chilika und die anderen Pilotstandorte des IKI-Projekts bieten günstige Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Instrumenten und Strategien, die für ein Upscaling innerhalb des Bundesstaats und darüber hinaus in anderen Landesteilen sowie einen möglichen Erfahrungsaustausch im Rahmen der Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete genutzt werden können. Dazu gehören innovative Systeme zur Überwachung von Feuchtgebieten, mit denen sich ermitteln lässt, inwieweit die umgesetzten Managementmaßnahmen greifen, sowie integrierte Managementpläne, in denen die Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen sowie die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken berücksichtigt werden. Im Rahmen des Projekts sind ferner weitere angepasste Capacity-Development-Maßnahmen geplant, die auf lokaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene zur Förderung eines integrierten Feuchtgebietsmanagements umgesetzt werden.