27.12.2017

Evaluierung von Fischbeständen bei mangelnden Daten

Fischer beim handwerklichen Fischfang (Bild: Neeraj Khera, GIZ Indien)

Fischer beim handwerklichen Fischfang (Bild: Neeraj Khera, GIZ Indien)

In einem zweitägigen Workshop mit dem Titel Calculating Maximum Sustainable Yield (CMSY) im indischen Kochi lernten Wissenschaftler aus dem Fischereisektor eine neue Methode kennen, mit der sich ein gegebener Fischbestand evaluieren lässt. Der Workshop wurde von dem Programm Nachhaltiges Management von Küsten- und Meeresschutzzonen, Indien (CMPA) und dem Central Marine Fisheries Research Institute (CMFRI) durchgeführt.

Wie in vielen anderen Weltregionen auch zeigen sich bei den indischen Fischbeständen Anzeichen für Überfischung - mit allen bekannten Folgen: Überkapazitäten in der Fischerei, sinkende Einkommen der Betroffenen, Gefährdung der Lebensgrundlagen von tausenden Menschen und letztlich der Rückgang des Artenreichtums im Meer mit katastrophalen Konsequenzen für die marinen Ökosysteme. Das CMFRI ermittelt deshalb die Größe der indischen Fischbestände und formuliert Empfehlungen für deren nachhaltige Nutzung. Idealerweise beruhen diese Empfehlungen auf detaillierten Statistiken und Forschungsdaten, die jedoch häufig nur mit Mühe zu beschaffen sind.

Gruppenarbeit während des CMSY-Workshops in Kochi. Bild: CFMRI Kerala (Indien)

Auf dem Workshop konnten sich Wissenschaftler aus dem indischen Fischereisektor und der Region mit einer neuen Methode vertraut machen, mit der sich die Maximum Sustainable Yield (MSY – maximale nachhaltige Fangmenge) für einen bestimmten Fischbestand ermitteln lässt. Die Methode wurde vom GEOMAR Institut in Kiel entwickelt und an zahlreichen Fischbeständen getestet. Dabei griffen die Wissenschaftler vom GEOMAR auf Fangdaten und ökologische Parameter zurück, die normalerweise bekannt sind und aus der Fish Base, der weltweit größten wissenschaftlichen Datenbank zu Fischbeständen, abgerufen werden können. 

Der Workshop wurde von Wissenschaftlern von den Philippinen, aus Deutschland und aus Kanada organisiert und fand im Oktober 2017 in Kochi (Indien) mit Präsenz- und Online-Teilnehmenden statt. Etwa 20 Wissenschaftler der CMFRI-Abteilungen für Fischerei sowie weitere Teilnehmende aus Bangladesch und Indien arbeiteten mit Daten, die sie selbst mitgebracht hatten. Mithilfe der neuen Methode gelangten sie zu belastbaren Ergebnissen für sieben Fischbestände in Indien und Bangladesch sowie für die Thunfischbestände in der gesamten Region.

Das CMPA-Projekt wird vom Bundesumweltministerium (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert.

Die Teilnehmenden des Workshops in Kochi (Indien). Bild: CMFRI, Kerala (Indien)