11.10.2016

Finanzierungsmassnahmen zur Minderung von Emissionen – NAMAs

veraltete Klimaanlagen an einer Häuserwand

Klimaanlagen an Häuserwänden in Asien; Foto: flickr/draculina_ak (CC BY-NC-ND 2.0)

Die NAMA-Fazilität ist ein Multi-Geber-Programm zur Umsetzung ehrgeiziger national angepasster Maßnahmen zur Minderung des Treibhausgasausstoßes (NAMAs), die einen Wandel zu einer klimafreundlichen Entwicklung herbeiführen. Sie wurde gemeinsam vom britischen Ministerium für Energie (BEIS) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) eingerichtet. Die NAMA-Fazilität ermittelt die  ehrgeizigsten NAMAs im Rahmen eines offenen Wettbewerbs für NAMA-Unterstützungsprojekte (NAMA Support Projects). Der aktuelle vierte Projektaufruf läuft bis zum 31. Oktober 2016. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der NAMA-Fazilität.

Foto von Sören LütkenSøren E. Lütken ist NAMA-Experte und hat mit der IKI über das Konzept der NAMAs und über mögliche Herausforderungen bei ihrer Finanzierung sowie in der internationalen Klimaschutzzusammenarbeit gesprochen. Er ist leitender Berater der UNEP DTU Partnership an der Dänischen Technischen Universität Kopenhagen. Zuvor arbeitete als Senior Climate Finance Adviser der technischen Unterstützungseinheit der NAMA-Fazilität.

Was genau ist eine NAMA bzw. welche Art von Initiative gilt als NAMA?

NAMAs sind nicht offiziell definiert; was ein Land als ‚NAMA‘ bezeichnet, ist daher per Definition eine NAMA. Soweit man sich jedoch um eine Geberfinanzierung bemüht, wird der angestrebte Geber seine eigenen Kriterien für eine ‚förderungswürdige NAMA‘ haben, das heißt dafür, welche NAMA den vom Geber festgelegten Kriterien entspricht. Dabei handelt es sich für gewöhnlich um Anforderungen an den tiefgreifenden Charakter der Veränderung, gemessen an der Dauerhaftigkeit und dem Ausmaß der Veränderung und natürlich der erwarteten Reduzierung der CO2-Emissionen. Die meisten Geber erwarten außerdem einen soliden langfristigen Finanzierungsplan mit verschiedenen Finanzinstrumenten, wobei eine solche langfristige Finanzierung nicht auf Geberzuschüssen beruhen, sondern sich vorzugsweise aus dem nationalen Haushalt speisen soll.

Zwischen welchen Arten von NAMAs kann unterschieden werden und welche davon werden von der NAMA-Fazilität (NF) unterstützt?

Wie gesagt können NAMAs ganz unterschiedlich sein, da sie nicht offiziell definiert sind. Es gibt auch unilaterale Maßnahmen, das heißt Maßnahmen, die ausschließlich mit nationalen Ressourcen gefördert werden, die nicht als NAMAs bezeichnet werden, aber die den oben genannten Kriterien entsprechen. Die NAMA-Fazilität strebt die Förderung von Maßnahmen an, die diese Kriterien erfüllen, obwohl es nicht immer einfach ist, Definitionen auf reale Situationen anzuwenden.

Wie hängt das NAMA-Konzept mit MRV zusammen?

Eigentlich müsste die Frage andersherum gestellt werden – wie hängen Messung, Berichterstattung und Überprüfung (MRV) mit den NAMAs zusammen. Es ist ein allgemeines Bestreben, Dinge zu messen, lange bevor sie sich (vielleicht) ereignen (von Berichterstattung und Überprüfung einmal ganz abgesehen). MRV stammt aus dem CDM (Clean Development Mechanism) und bezieht sich auf einen relativ konsequenten Prozess, der sich schwer in NAMAs mit ihrem sektorweiten Ansatz und ihren oft geographisch verteilten Maßnahmen integrieren lässt. Die NAMA-Fazilität, beispielsweise, nutzt Monitoring und Evaluierung, weil dies für die Beschaffenheit der NAMAs besser geeignet ist.

Können Sie uns positive Beispiele für wirksame Finanzierungsmechanismen nennen?

Idealerweise werden NAMAs finanziert, indem nationale Anreizstrukturen und Vorschriften so angepasst werden, dass sie die klimafreundlichen Alternativen fördern. Manchmal ist in der Übergangszeit während der Veränderung des regulatorischen Rahmens eine Brückenfinanzierung erforderlich – Darlehen, Garantien oder in einigen Fällen auch Zuschüsse, doch dies wie gesagt nur vorübergehend. Der öffentliche Sektor nimmt regulatorische Veränderungen vor, die Anreize für Investitionen des Privatsektors in klimafreundliche Vermögenswerte schaffen oder diese vorschreiben. Die besten Beispiele aus der NAMA-Fazilität für solche Modelle sind wahrscheinlich die thailändische RAC NAMA und die neue kolumbianische NAMA für den Austausch von Kühlschränken. 

Worin bestehen die grössten Schwierigkeiten bei der Entwicklung von NAMAs? Und was könnte vonseiten der Geber bzw. der internationalen Gemeinschaft unternommen werden, um diese Probleme anzugehen?

Die größte Herausforderung für Antragsteller scheint die Planung eines nachhaltigen Finanzierungsmechanismus zu sein, an dem sich ein Geber wie die NAMA-Fazilität vorübergehend beteiligen kann. Oft ist nicht klar, dass schrittweise andere, darunter nationale Finanzierungsquellen eingebunden werden müssen, oder es wird nicht als Finanzierungsplan betrachtet. Außerdem ist die Kombination verschiedener Quellen eine Herausforderung. Die Programmzyklen der Gebergemeinschaft sind in diesem Prozess allerdings ebenfalls nicht hilfreich. Bei der Bereitstellung langfristiger Finanzierungsmodelle arbeiten die einzelnen Geberinstitutionen, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt zusammen.

Welche Rolle spielen NAMAs im Zusammenhang mit den NDCs und dem Klimaschutzabkommen von Paris, insbesondere vor dem Hintergrund, dass NAMAs in dem Abkommen nicht ausdrücklich genannt werden? Sehen Sie in dieser Nichtnennung eine Gefahr? Und inwiefern unterstützen NAMAs die NDCs?

Die NDCs werden in Form von ‚Maßnahmen zur Minderung des Treibhausgasausstoßes‘ umgesetzt, ob diese nun als NAMAs bezeichnet werden oder nicht. Ohne konkrete Maßnahmen kann nichts erreicht werden. Wir sind der Meinung, dass die konzeptuelle Entwicklung bei den NAMAs inzwischen sehr weit vorangetrieben wurde. Wenn man dies nun verwirft, müsste man damit von vorn beginnen – und würde wertvolle Zeit verschwenden. Es gibt bereits Initiativen zum Thema ‚Finanzierungsmöglichkeiten der NDC-Umsetzung‘. Diese unterscheiden sich in keiner Weise von den ‚Finanzierungsmöglichkeiten von NAMAs‘, die wir seit sieben Jahren vermitteln und entwickeln. Das Ganze unter der Bezeichnung ‚Finanzierung der NDC-Umsetzung‘ zu wiederholen, ist ein Umweg, für den wir keine Zeit haben.

Wie werden NAMAs derzeit in der internationalen Klimaschutz- und Entwicklungsgemeinschaft diskutiert?

Wir bemühen uns darum, die NAMA weiterhin in der Agenda zu verankern, und es sieht so aus, als würde sie Teil des Vokabulars bleiben – aber wie gesagt besteht die Gefahr, dass die Begriffe NAMA und NDC ohne sinnvolle Differenzierung parallel verwendet werden. Eine sinnvolle Differenzierung wäre ein Verständnis der NAMA als das offensichtliche Umsetzungskonzept für die NDCs.

Welche Rolle spielt der (Zusatz-)Nutzen und kann dieses Konzept verwendet werden, um die NAMA-Entwicklung voranzutreiben/zu stärken?

Allgemein ist der Nutzen oder irreführenderweise der ‚Zusatznutzen‘ von NAMAs im Wesentlichen das, was ihrer Realisierung zugrunde liegt. Obwohl es sich um ‚Minderungsmaßnahmen‘ handelt, liegt der eigentliche Nutzen im Inhalt der Initiative – Verkehr, Wohnraum, Energie, ... – während der eigentliche ‚Zusatznutzen‘ die Reduzierung der Emissionen ist. NAMAs sollten idealerweise die Mehrkosten der klimafreundlichen Alternative finanzieren, doch oft wird eine Klimaschutzfinanzierung für die gesamte Maßnahme angestrebt. Bei dieser Herangehensweise wäre die Zuschussförderung, wie sie etwa die NAMA-Fazilität anbietet, schnell erschöpft.

 

 


Weitere Informationen

Webseite der NAMA-Fazilität (englisch, extern)


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