19.07.2021

Gemeinsam die Landwirschaft klimaresilient machen

Landwirtschaftliche Nutzung in Sri Lanka. Foto: UNDP

Die Landwirtschaft in Asien macht zwei Drittel des Anteils der Landwirtschaft am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus. Gleichzeitig zählt sie zu den Wirtschaftssektoren, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Trotz unterschiedlicher Landschaften und Lebensgrundlagen vereint Schafhirten in der Mongolei, Reisbauern in Thailand und Agrarunternehmen entlang der wichtigsten Wertschöpfungsketten eines: Sie spüren unbestreitbar die Auswirkungen des Klimawandels in der Region. Obwohl die Klima-Governance in der Landwirtschaft dank robuster Pläne und Richtlinien an Fahrt aufnimmt, hinkt die Umsetzung hinterher. Ein gemeinsamer, sektorenübergreifender Ansatz, der den privaten Sektor einbindet, kann dazu beitragen, Maßnahmen zum Klimaschutz zu beschleunigen und ehrgeizigere Ziele für die Landwirtschaft und Landnutzung zu formulieren.

Stärkere Klimaschutzrichtlinien, die Sicherung der wichtigsten Wirtschaftssektoren und klimasichere Investitionen spielten eine wichtige Rolle beim 7. Asia and Pacific Climate Change Adaptation (APAN) Forum im März 2021. Das Forum ist die größte Zusammenkunft von Expertinnen und Experten im Bereich Anpassung an den Klimawandel in der Asien-Pazifik Region und eine wichtige Plattform, um Wissen, Erfahrungen und Praktiken in der Region auszutauschen.

In der von der Asiatischen Entwicklungsbank geleiteten Session Moving from ‘form to function’ for strengthening climate policy and governance in economic sectors  wurde das IKI-geförderte Programm Scaling up Climate Ambition in Agriculture and Land Use through Nationally Determined Contributions (NDCs) and National Adaptation Plans (SCALA) vorgestellt. Dieses Programm soll als eine der wichtigsten Initiativen dienen, um Länder bei der Umsetzung ihrer Pläne in Maßnahmen zu unterstützen.

„Wenn wir über einen Governance-Ansatz für Klimaschutz in der Landwirtschaft und Landnutzung sprechen, dann müssen wir einen Ansatz verfolgen, der die Gesellschaft als Ganzes miteinbezieht. Dazu zählt auch die stärkere Beteiligung von Unternehmen, damit wir die Herausforderungen meistern können", so Neha Rai, Expertin für Klimaschutzfinanzierung und Monitoring und Evaluierung im SCALA-Programm während der Session. „Wir können die Tatsache nicht vernachlässigen, dass die Landwirtschaft einen primären Wirtschaftssektor repräsentiert, der in hohem Maße vom Klimawandel betroffen ist. Deswegen müssen wir entsprechend handeln und eng mit dem privaten Sektor zusammenarbeiten, der eine der Zielgruppen des SCALA-Programms ist.“

Klimawandel in der Agrarwirtschaft 

In vielen der am wenigsten entwickelten Volkswirtschaften macht die Landwirtschaft mehr als 25 Prozent des BIP aus. Außerdem sind in Asien und Afrika bis zu 63 Prozent der Frauen in diesem Bereich beschäftigt. Betrachtet man die Anfälligkeit des Agrarsektors in Asien, so könnten drei Grad globale Erwärmung die Netto-Ernteerträge um ein Drittel, also 28 Prozent, reduzieren. Schätzungen zeigen, dass die Zahl der in Armut lebenden Menschen aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den Agrarsektor bis 2030 um 35 bis 122 Millionen steigen könnte.

Klimafreundliche Governance in der Landwirtschaft: Ein Allheilmittel gegen den Klimawandel?

Will man Milliarden von Menschen aus der Armut befreien, ist eine Klima-Governance in der Landwirtschaft und Landnutzung unerlässlich. Die national bestimmten Klimaschutzbeiträge (NDCs) und nationalen Anpassungspläne (NAPs) sind die vielversprechendsten Klimaschutzpläne. Dabei wird der Landwirtschaft in mehr 90 Prozent der Länder-NDCs eine hohe Priorität eingeräumt. Das inzwischen abgeschlossene Programm zur Integration der Landwirtschaft in die nationalen Anpassungspläne (NAP-Ag) unterstützte Länder dabei, den Landwirtschaftssektor in ihre nationale Planungs- und Budgetprozesse zu integrieren. Trotz dieser Fortschritte sind weitere Anstrengungen nötig, um die Pläne in Maßnahmen umzusetzen.

Es gibt noch einige gewichtige Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Dazu zählen eine mangelnde systemübergreifende Denkweise, unzureichende sektorenübergreifende Planung und begrenzte langfristige Klimadaten, um transformative Klimaschutzmaßnahmen zu identifizieren. Eine weitere Barriere bilden unzureichende Investitionen und Finanzierungsmöglichkeiten, die oft aus der begrenzten Beteiligung des privaten Sektors bei der Umsetzung von NDCs und NAPs resultieren. Der private Sektor ist ein entscheidender Akteur, wenn es um die Umsetzung von langfristigen Klimaschutzmaßnahmen im Landwirtschaftssektor geht. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die enorme Lücke in der Klimaschutzfinanzierung, die durch öffentliche Investitionen alleine nicht geschlossen werden kann. Trotz der Dringlichkeit ist die private Finanzierung für den Klimaschutz in erheblichem Umfang in Sektoren wie erneuerbare Energien (85 Prozent) und kohlenstoffarmen Verkehr (14 Prozent) geflossen, während nur ein Prozent auf andere Teilsektoren wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Landnutzung entfällt.

Vier Wege, wie Unternehmen ermutigt werden können, in eine klimafreundliche Landwirtschaft zu investieren

Das SCALA-Programm, das über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert wird, reagiert auf diese Hemmnisse: Es unterstützt zwölf Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika dabei, ihre NDCs und/oder NAPs in transformative Klimaschutzmaßnahmen in der Landnutzung und Landwirtschaft umzusetzen. Ein systemübergreifender Ansatz könnte die Beteiligung des Privatsektors im NDC-NAP-Prozess aktivieren und dazu beitragen, Geschäftsmöglichkeiten und Innovationen rund um Lösungen für den Klimaschutz zu fördern. Darüber hinaus werden Anreize und risikomindernde Maßnahmen sowie die Mobilisierung von Investitionen eine wichtige Rolle spielen, um eine stärkere Beteiligung des Privatsektors am Klimaschutz zu fördern.

SCALA wird mit Unternehmen und Kapitalgebenden zusammenarbeiten, um einen Wandel hin zu transformativen Maßnahmen zu erreichen:

  1. Prioritäten setzen: Den öffentlichen Sektor und relevante private Akteurinnen und Akteure im Rahmen des NDC-/NAP-Prozesses dazu einladen, Prioritäten für den Klimaschutz festzulegen, bei denen sich der private Sektor einbringen kann.
  2. Geschäftsmöglichkeiten bewerten: Private Unternehmen dabei unterstützen, tragfähige Geschäftsmöglichkeiten rund um Klimaschutzlösungen/-prioritäten in der Landwirtschaft und Landnutzung zu identifizieren.
  3. Risiken abbauen: Risiken und Hemmnisse bewerten und Instrumente zum Abbau von Risiken entwickeln, um finanzielle Anreize für verstärkte Investitionen des Privatsektors in den Klimaschutz zu schaffen.
  4. Investieren und aktivieren: Den Privatsektor in die Lage versetzen, eine entscheidende Rolle bei Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zu spielen.

Mit dem Versuch, die Interessen des Privatsektors zu verstehen und sie mit den Programmzielen abzustimmen, hofft SCALA, nachhaltige, marktgesteuerte Interventionen mit dem Privatsektor zu entwickeln, um die Klimaschutzprioritäten der Länder zu unterstützen.

Dieser Beitrag ist im Original auf den Website der FAO und von UNDP erschienen und erscheint hier in leicht gekürzter Form.