20.12.2021

Gemeinschaften spielen bei der ökosystembasierten Anpassung eine zentrale Rolle

Speziell ausgebildete Feuerwehrkräfte bauen ein Beobachtungssystem für Waldgebiete auf. Foto: El Fassi

Der Zusammenhang zwischen gesunden Ökosystemen und der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel ist gut belegt. Gesunde Ökosysteme nehmen Treibhausgasemissionen auf und verringern die Anfälligkeit gegenüber klimabedingten Extremereignissen und anderen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Schocks und Katastrophen. Möglicherweise weniger bekannt ist die Rolle, die das Sozialkapital dabei spielt. Es lässt sich einfach definieren als das Vorhandensein gemeinsamer Werte und Verbindungen, die es Einzelnen und Gruppen ermöglichen, bei der Anpassung an den Klimawandel zusammenzuarbeiten.

Das Zusammenspiel dieser und anderer bestimmender Faktoren für die Gesundheit von Ökosystemen steht im Mittelpunkt des Ansatzes für eine ökosystembasierte Anpassung (EbA). EbA kann definiert werden als die Nutzung von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen, um Menschen bei der Anpassung an die negativen Folgen des Klimawandels zu helfen. Um zu verstehen, wie sich diese Wechselbeziehungen auf lokaler Ebene auswirken, haben TMG Research, der Watershed Organisation Trust (WOTR), der World Wide Fund for Nature (WWF) und ADIMI im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) seit langer Zeit bestehende Gemeinschaftsinitiativen in Indien und Guatemala analysiert. Die Studie wurde zwischen 2019 und 2020 durchgeführt.

Fünf wichtige Erkenntnisse für Bottom-up-EbA-Prozesse

Die Befähigung lokaler Gemeinschaften ist eine Grundvoraussetzung für EbA-Maßnahmen.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass EbA den Menschen dort etwas bringt, wo inklusive und partizipative Regierungsformen etabliert sind. Komitees auf Dorfebene, wie sie vom WOTR in Maharashtra, Indien einberufen wurden, fungieren als beratende Gremien und sichern eine breite Beteiligung an den getroffenen Entscheidungen. Sie können auch die vereinbarten Prozesse zur Verwaltung natürlicher Ressourcen wie Waldbewirtschaftung oder Wasserzuteilung überwachen – damit das Wasser gerecht zugeteilt und nachhaltig genutzt wird. Von der Gemeinde geführte Saatgutbanken wie in San Francisco, Guatemala sind ein weiteres Beispiel für eine gemeinschaftsbasierte Wissensressource.

Gemeinschaftsbasierte Organisationen können eine wichtige Rolle beim Beschleunigen von EbA-Prozessen spielen.

Die Studie hat außerdem gezeigt, dass zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs) eine entscheidende Rolle bei der Abstimmung und Verstärkung von EbA-Maßnahmen spielen.Mit ihrer umfassenden Kenntnis der lokalen Gegebenheiten genießen in der Gemeinschaft verankerte CSOs wie die ASOCUCH, ein Zusammenschluss von Landwirtinnen und Landwirten in der Huehuetenango-Region in Guatemala, oft ein hohes Maß an Vertrauen. Daher sind sie in der Lage, dafür zu sorgen, dass die lokalen Anforderungen an eine Anpassung bei der Klimaplanung auf höherer Ebene und in Regierungsgremien Berücksichtigung finden. Als „Brückenbauer“ können diese Organisationen die Befähigung der Menschen vor Ort fördern.

EbA-Initiativen müssen wirtschaftlich sinnvoll sein.

Investitionen in EbA erfordern – insbesondere für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern – Vorleistungen. Um die beträchtlichen Risiken auf sich zu nehmen, die mit der Umstellung auf nachhaltigere Anbaumethoden verbunden sind, müssen die Landwirtinnen und Landwirte verstehen, dass sich diese Bemühungen langfristig auszahlen werden. Für viele Landwirtinnen und Landwirte liegt der erforderliche Kapitalaufwand möglicherweise einfach außerhalb ihrer Reichweite. Daher ist es unerlässlich, im Rahmen von EbA-Initiativen auf Gemeindeebene auch finanzielle Anreize außerhalb des landwirtschaftlichen Betriebs zu prüfen, um das Einkommen der Landwirtinnen und Landwirte zu steigern.

EbA bedeutet auch, Kompromisse zwischen verschiedenen Interessen zu schließen.

Bei EbA-Projekten gilt es fast immer, Entscheidungen zwischen konkurrierenden Optionen zu treffen. Die Notwendigkeit, Wälder zu erhalten, birgt unter Umständen einen Konflikt mit der Praxis des Sammelns von Feuerholz. Dagegen kann bei Wasserknappheit der Bedarf aller Dorfbewohner an Trinkwasser eine Herausforderung für die Landwirtinnen und Landwirte darstellen, die ihre Felder bewässern. Um die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten zu wahren, ist es daher wichtig, dafür zu sorgen, dass EbA-Entscheidungen durch legitime partizipative Führungsprozesse vor Ort vermittelt werden.

EbA-Mittel müssen den lokalen Gemeinschaften als öffentliches Gut zur Verfügung stehen.

Wenn EbA-Initiativen gut geplant und durchgeführt werden, können sie dazu beitragen, ungleiche Ressourcenverteilung und Machtungleichgewichte auszugleichen, welche die Gefährdung von Frauen, indigenen Gemeinschaften und anderen Gruppen verschärfen. Dies kann zum Beispiel durch den Zugang zu klimafestem Saatgut oder durch die Bestimmung eines Teils der Zahlungen für Ökosystemleistungen geschehen, die durch die Bemühungen der Gemeinschaft generiert werden.

EbA-Projekte bauen auf einer bereits existierenden Landschaft von Programmen, Projekten und Führungsstrukturen auf

Diese Historie ist wichtig bei der Einführung oder Ausweitung von EbA. Erfolgreiche EbA-Projekte werden mit einem Verständnis sowohl für die Stärken als auch für die Unzulänglichkeiten bestehender Initiativen geplant, wobei erstere genutzt, angepasst und in den systemischen Ansatz von EbA integriert werden.

Weitere Informationen dazu, wie Gemeinschaften und lokale Selbsthilfegruppen bei einer erfolgreichen ökosystembasierten Anpassung unterstützt werden können, finden Sie im Strategiepapier „Ecosystems for resilience“, das auf Englisch und Spanisch verfügbar ist.