08.03.2018

Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus nehmen

Das GUCCI-Team besucht ein von Frauen geleitetes Anpassungsprojekt in Indonesien, Foto: Alber/GenderCC

Das GUCCI-Team besucht ein von Frauen geleitetes Anpassungsprojekt in Indonesien, Foto: Alber/GenderCC

Den diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März rufen die Vereinten Nationen unter dem Motto: "Time is Now: Rural and Urban Activists Transforming Women’s Lives" auf. Anlässlich dieses Tages und passend zum Motto beschreibt GenderCC - Women for Climate Justice ihre Arbeit im Rahmen des Projekts Gender into Urban Climate Change Initiative (GUCCI), das im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums gefördert wird und derzeit Geschlechtergerechtigkeit auf die Agenda von Pilotstädten in Südafrika, Indien und Indonesien setzt:

„In dem Projekt geht es um Ansätze für eine geschlechtergerechte kommunale Klimapolitik. Denn sowohl die Folgen des Klimawandels, als auch Klimaanpassungsmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen wirken sich auf die Bevölkerung der Städte aus – jedoch nicht auf alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Maß. Soziale Faktoren und das Geschlecht spielen eine große Rolle, wenn es um die Frage der Anpassungsfähigkeit geht, wer für den Ausstoß von Treibhausgasemissionen verantwortlich ist und wessen Interessen in der Klimapolitik berücksichtigt werden. Geschlechterunterschiede bei den Auswirkungen des Klimawandels und der entsprechenden Maßnahmen sind auf sozial konstruierte Geschlechterrollen, die traditionelle Arbeitsteilung und damit verbundene Ungleichheiten zurückzuführen.

Der GUCCI-Partner AIWC stellt Solarkocher vor, der für die Schulungen ihrer Frauengruppen in Indien verwendet wird; Foto: Alber/GenderCC Doch der Klimawandel ist nicht die einzige Herausforderung, mit der sich unsere Partner*innen konfrontiert sehen. Zum Beispiel ist wird die Arbeit der Frauengruppen durch religiösen Fundamentalismus bedroht, und die Mobilität von Frauen ist durch sexuelle Gewalt in den Städten vor allem abends und nachts stark eingeschränkt. Diese Probleme sind struktureller Art und lassen sich nicht kurzfristig lösen. Strukturelle Ungleichheiten zu beheben ist genau der Ansatz unseres Projekts. Durch Gender Assessments der Institutionen, Prozesse und Politikansätze, Trainingsmaßnahmen und lokalen Projekten mit Betroffenen machen wir die Geschlechterungleichheiten deutlich, die entweder vom Klimawandel selbst oder von der Klimapolitik seitens der Städte noch verstärkt werden, und geben positive Beispiele, wie Klimapolitik lokal, partizipativ und geschlechtergerecht umgesetzt werden kann. Dass Geschlechtergerechtigkeit und Klimapolitik zusammengedacht werden müssen, haben unsere Partner*innen bereits in ihren Status-Berichten herausgearbeitet.

Sowohl in Makassar und Jakarta (Indonesien) als auch in Mumbai (Indien) etwa sind die Lebensgrundlagen der Einwohner*innen bedroht, die sich seit Generationen vom Fischfang ernähren. Klassischerweise gibt es im Fischereisektor eine starke geschlechtliche Arbeitsteilung: Die Männer fahren zur See, um zu fischen, die Frauen sind für die ufernahe Muschelernte sowie die Weiterverarbeitung des Fangs verantwortlich. Der Klimawandel hat weitreichende Folgen für diese Gemeinschaften. Das häufigere Auftreten extremer Wetterereignisse wie Stürme und Hochwasser sowie starke Veränderungen in der Fischpopulation durch steigende Wassertemperaturen machen den Fischfang schwierig. Hinzu kommt, dass Großprojekte wie die geplante und umstrittene Garuda Flutmauer in Jakarta die Muschelernte voraussichtlich unmöglich machen werden. Alternative Erwerbsmöglichkeiten etwa im Tourismussektor oder die höherwertige Weiterverarbeitung der Fischereiprodukte würden den Gemeinschaften helfen. Voraussichtlich wird sich zumindest ein lokales Projekt genau mit dieser Problematik beschäftigen und Lösungen zusammen mit den Gemeinschaften erarbeiten und sie beim Zugang zur kommunalen Politik unterstützen, damit die Interessen dieser Stadtbewohner*innen ebenfalls Gehör finden.

Das GUCCI-Team lernt Technologien kennen, die Landwirtschaft und Aquakultur in wasserarmen Gebieten in Indonesien verbinden; Foto: Alber/GenderCC

Nach dem Fertigstellen der Status–Berichte erprobten die Partnerinnen die im Projekt entwickelte “Gender Assessment und Monitoring of Mitigation and Adaptation”-Methode (GAMMA) und konnten dabei wichtige Schlüsse über ihre Städte ziehen: Ist überhaupt ein Bewusstsein für Geschlechterfragen vorhanden, gibt es Ansätze, sie zu berücksichtigen, werden Frauen in die Politikentwicklung einbezogen? Während für die meisten Städte die Geschlechterperspektive im Zusammenhang mit Klimaschutz gänzlich neu war, gibt es in der Stadt Makassar in Indonesien bereits erste Schritte: Dort unterstützt der Bürgermeister persönlich, dass Gender Mainstreaming als Querschnittsthema auch bei den Klimaschutzmaßnahmen integriert wird. In Zukunft sollen Gender-Expert*innen bei der Entwicklung von Klimaschutzplänen einbezogen werden. Gleichzeitig gibt es partizipatorische Ansätze, um auch die Bevölkerung einzubeziehen. Es bleibt trotzdem noch viel zu tun, um betroffenen Frauen eine wirksame Partizipation in Konsultationsrunden zu ermöglichen.

Treffen der GUCCI-Partner aksi!/SP mit dem Bürgermeister von Makassar, Indonesien; Foto: Alber/GenderCC

Neben dem Assessment führten unsere Partner*innen während des vergangenen Jahres mehrere Stakeholder Workshops durch mit dem Ziel, Stakeholder in den Städten für die Projektthemen zu sensibilisieren – allerdings nicht immer mit den erhofften Ergebnissen. In einem Fall wurden anstatt Mitarbeiter*innen aus der Klimaschutz Abteilung der Stadt, Mitarbeiter*innen aus der Personalabteilung entsandt – weil diese sich klassischerweise mit Geschlechtergleichstellung beschäftigen. Es bleibt für uns also weiterhin noch viel zu tun - und zwar auf allen Ebenen!

Auf internationaler Ebene konnten die Gender- und Frauenorganisationen bei der letzten COP23 in Bonn einen Erfolg feiern, weil endlich ein Gender-Aktionsplan verabschiedet wurde. Der Plan sieht insgesamt 16 verschiedene Maßnahmen in fünf Prioritätsfeldern für die nächsten zwei Jahre vor. Dazu gehören Workshops für die Delegationsmitglieder der Länder, um sich über Methoden und Instrumente zur Integration von Geschlechteraspekten in die nationale Klimapolitik weiterzubilden sowie die Einrichtung eines Reisekostenfonds, um die Teilnahme weiblicher Delegationsmitglieder und Teilnehmerinnen aus der Zivilgesellschaft, insbesondere von Grassroots- und indigener Gruppen, zu fördern. Außerdem soll der Plan dafür sorgen, dass die bereits bestehenden Mandate mit Genderaspekten in der lokalen, nationalen und internationalen Klimapolitik tatsächlich umgesetzt werden. Allerdings fehlt es an finanziellen Mitteln, um den Gender-Aktionsplan umzusetzen. Aus Erfahrung bleiben wir hoffnungsvoll, dass die internationale Politik sich auch positiv auf die nationale Politik auswirkt, denn Frauen- und Genderorganisationen werden nicht locker lassen!“

Text: GenderCC - Women for Climate Justice

Das GUCCI-Team diskutiert Erklärungsvideo zu geschlechtergerechter kommunaler Klimapolitik in Südafrika; Foto: Bohland/GenderCC