13.11.2020

Global Biodiversity Outlook 5

Luftaufnahme von Flussdelta

Der GBO-5 macht deutlich: Wir sind von einem Leben im Einklang mit der Natur noch weit entfernt. Foto: Miguel Schmitter

„Leben im Einklang mit der Natur“ –  Der Titel der fünften Ausgabe des Global Biodiversity Outlooks (GBO-5), die im September vom Sekretariat des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) vorgelegt wurde, gibt das Ziel für das Jahr 2050 vor. Doch der Bericht zeigt auch deutlich: Wir sind noch sehr weit davon entfernt.

Der GBO-5 ist eine ernüchternde Zusammenfassung des weltweiten Zustands der biologischen Vielfalt. Keines der 20 Aichi-Biodiversitätsziele, die vor 10 Jahren vereinbart wurden, konnte vollkommen erreicht werden. Bei nur sechs Zielen stellt das CBD-Sekretariat eine zumindest teilweise Erreichung fest. So wurden beispielsweise die weltweiten Entwaldungsraten gesenkt Schlüsselgebiete für biologische Vielfalt und diverse Vogel- und Säugetierarten unter Schutz gestellt und das Recht von Frauen auf Besitz und Nutzung von Land verbessert.

1.7 „Erden“ werden benötigt, um die biologischen Ressourcen zu regenerieren, die von der Menschheit von 2011 bis 2016 genutzt wurden

Gleichzeitig ist der Bericht eine wichtige Grundlage für den neuen globalen Rahmen für biologische Vielfalt nach 2020, das sogenannte globale post-2020-Rahmenwerk. Zusammen mit seinen Partnern wird sich Deutschland bei den Post- 2020-Rahmenwerk Verhandlungen für ambitionierte Ziele und einen verstärkten Fokus auf die Umsetzung einsetzen, um den transformativen Wandel zu bewirken, der für den langfristigen Schutz der biologischen Vielfalt notwendig ist. Auch in diesem Rahmen kommt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) die wichtige Rolle zu, die Partnerländer bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer nationalen Biodiversitätsstrategien zu unterstützen und zur Zielerreichung der CBD beizutragen.

Der Bericht zeigt Wege auf, die dazu beitragen sollen, die Vision 2050 „Leben im Einklang mit der Natur“ wahr werden zu lassen. Das CBD hat dazu acht „Transitions to sustainable pathways“, also acht Bereiche in denen der Übergang zu nachhaltigem Handeln geschafft werden muss, identifiziert.

  1. Land and forest transition: intakte Ökosysteme werden geschützt und wiederhergestellt; die Gewährleistung von Nahrungssicherheit ist nicht mehr an großflächige Landnutzungsänderungen geknüpft;
     
  2. Sustainable freshwater transition: integrierter Ansatz zur Sicherstellung des für Natur und Menschen notwendigen Wasserbedarfs, Verbesserung der Wasserqualität, Schutz kritischer Lebensräume, Kontrolle invasiver Arten und Sicherung der Konnektivität und Wiederherstellung von Süßwasserökosystemen;
     
  3. Sustainable fisheries and oceans transition: Schutz und Wiederherstellung der Meeres- und Küsten-Ökosysteme, Wiederaufbau der Fischerei und Management von   Aquakultur und andere Nutzungen der Ozeane zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit;
     
  4. Sustainable agriculture transition: Neugestaltung der landwirtschaftlichen Produktionssysteme durch agroökologische und andere innovative Ansätze, um die Produktivität zu steigern bei Minimierung negativer Auswirkungen auf die biologische Vielfalt;
     
  5. Sustainable food system transition: nachhaltige und gesunde Ernährung mit einer größeren Vielfalt von Lebensmitteln hauptsächlich auf pflanzlicher Basis und reduziertem Verzehr von Fleisch und Fisch sowie drastische Vermeidung von Müll bei Lebensmittelversorgung;
     
  6. Cities and infrastructure transition: Bereitstellung einer „grünen Infrastruktur“ und Raum für Natur in bebauten Landschaften, Verbesserung der Gesundheit und Qualität des Lebens für die Bürger und Reduzierung des Umwelt-Fußabdruckes von Städten und Infrastruktur;
     
  7. Sustainable climate action transition: Anwendung von naturbasierten Lösungen, schneller Auslauf der Nutzung fossiler Brennstoffe, um die Wirkungen in Bezug auf Klima zu verbessern;
     
  8. Biodiversity-inclusive one health transition: Management von Ökosystemen, einschließlich landwirtschaftlicher und städtischer Ökosystemen sowie die Nutzung von Wildtieren durch einen integrierten Ansatz zur Förderung gesunder Ökosysteme und gesunder Menschen.

 

Meeresschildkröte

Wie die IKI das Leben im Einklang mit der Natur weltweit unterstützt

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt diese Wege mit verschiedenen Projekten insbesondere für den globalen Schutz der Biodiversität. Eine Auswahl:

Land and forest transition

Die IKI setzt sich mit dem Projekt „TEEB-Implementierung: Bewertung von Ökosystemleistungen für ganzheitliches und nachhaltiges Landmanagement im Agrarsektor“ für eine verbesserte ökonomische Bewertung von Ökosystemleistungen ein, die in Landnutzungsentscheidungen einfließen sollen.

Sustainable freshwater transition

Über das Projekt „Feuchtgebiete als wichtige Pfeiler für Biodiversitäts- und Klimaschutz“, fördert die IKI in Indien neben dem Schutz der Ökosysteme auch die Anwendung ökosystembasierter Maßnahmen für die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Gebiete und der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung.

Sustainable fisheries and oceans transition

Mit dem Vorhaben „Unterstützung von Fischerei abhängigen Gemeinden zur Implementierung von ökosystembasierten Anpassungsmaßnahmen durch verbessertes Management der Küstenfischerei zur Nahrungs- und Einkommenssicherung“ unterstützt die IKI in Indonesien, Marshallinseln, Mikronesien, Palau, Philippinen ökosystembasierte Anpassungsmaßnahmen für den Schutz der Küstenökosysteme, um die ökologische, soziale und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften zu sichern.

Sustainable agriculture transition

Das von der IKI geförderte Projekt „Schutz von Bestäubervielfalt für verbesserte Klimaresilienz“, unterstützt in Marokko den Schutz von Bienen, Wespen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge als wichtige Teile nachhaltiger Landwirtschaft und etabliert zudem den Ansatz „Landwirtschaft mit wilden Bestäubern“.

Cities and infrastructure transition

Aber auch die Städte stehen im Fokus von IKI-Projekten. Das Projekt „Morgenstadt Global Smart Cities Initiative: globaler Ansatz - lokale Lösungen“ entwickelt beispielsweise mit dem Format „City Labs“ in den ausgewählten Pilotstädten in Indien, Mexiko und integrierte Strategien und Roadmaps für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Sustainable climate action transition

In Indonesien, Thailand und Vietnam unterstützt die IKI mit dem Vorhaben „Saubere, bezahlbare und sichere Energie für Südostasien (CASE)“ eine Energiewende mit ambitionierten Klimazielen. Das Projekt erarbeitet mit breiter Beteiligung relevanter Stakeholder evidenzbasierte Lösungen für zentrale Herausforderungen und baut eine Wissensplattform auf.

Biodiversity-inclusive one health transition & Sustainable food system transition

Zunehmend an Bedeutung für die IKI wird darüber hinaus der „One Health“-Ansatz sein, der den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Klimawandel berücksichtigt – und durch einen integrierten Ansatz zur Förderung gesunder Ökosysteme und gesunder Menschen auf neue globale Herausforderung antwortet. Dazu gehört auch die nachhaltige Herstellung von Lebensmitteln und umweltverträgliche Lieferketten.