23.07.2014

IKI Talks mit Dr. Arun Tripathi und Markus Wypior

Dr. Arun Tripathi und Markus Wypior

Dr. Arun Tripathi und Markus Wypior

Über das Deutsch-Indische Energieforum (DIEF) unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) seit 2012 bilaterale Kooperationen beider Länder im Bereich Energiepolitik. Das folgende Interview mit Dr. Arun Tripathi, Direktor des indischen Ministeriums für Neue und Erneuerbare Energien (MNRE), und Markus Wypior, Leiter des DIEF-Verbindungsbüros, fand während einer indischen Studienreise zur Rolle von Solarenergie in Verteilnetzen nach Deutschland statt.

INTERVIEW MIT ARUN TRIPATHI UND MARKUS WYPIOR

Nach der Wahl in Indien – wie strukturiert sich die indische Energiepolitik im neuen Kabinett von Narendra Modi?

Tripathi: Nach den indischen Parlamentswahlen 2014 wurden drei Ministerien unter einem Minister vereint: die Ministerien für Kohle, für Strom und für erneuerbare Energie. Diese Maßnahme wird die effizientere Nutzung unserer knappen Ressourcen befördern und vor allem den Ausbau von erneuerbaren Energien vorantreiben. Das senkt wiederrum das Risiko von Energieknappheit in der indischen Stromversorgung. Bislang nehmen die erneuerbaren Energien einen Anteil von 13,5 Prozent im gesamten Stromnetz ein. Bis 2017 soll dieser Anteil auf 15 Prozent und bis 2030 auf 20 Prozent anwachsen. Im Bereich der Solarenergie, mit Schwerpunkt auf Photovoltaik und Solarthermie, streben wir national bis 2022 eine installierte Kapazität von 20.000 Megawatt an, indem wir jedes Jahr 2.000 Megawatt zusätzliche in das indische Netz einspeisen. Unser neuer Premierminister Narendra Modi unterstützt dieses Unterfangen und ist dabei besonders aufgeschlossen gegenüber innovativen Ansätzen.

Wie sind die indischen Entwicklungen im Bereich erneuerbare Energien aus deutscher Perspektive einzuschätzen?

Wypior: Für mich sind die Entwicklungen hochgradig positiv. In den 80er Jahren hat es sich als sinnvoll erwiesen, ein spezialisiertes Ministerium zu haben, um in einer Anfangsphase die richtigen Anreize für erneuerbare Energien zu setzen und neue Technologien am Markt zu etablieren. Die Koordination der erneuerbaren und konventionellen Energien unter einem Minister signalisiert einen Reifeprozess. Erneuerbare sind also in der Mitte der indischen Politik angekommen.

Tripathi: Dem stimme ich vollkommen zu und würde gerne Folgendes hinzufügen: In den nächsten Jahren wird die umfangreiche Einspeisung von erneuerbarer Energie in das Verteilernetz unsere größte Herausforderung sein. Da das Stromministerium für das Netzmanagement und MNRE weiterhin für den Ausbau der Erneuerbaren verantwortlich ist, wird ein gemeinsamer Minister nun eine bessere Koordination zwischen diesen beiden Ressorts ermöglichen. Das Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft (MoEF) kümmert sich um Umweltprobleme und ist ein weiteres Ressort, das eng mit uns zusammen arbeitet.

Wie wird das Thema Klimawandel derzeit in Indien wahrgenommen?

Tripathi: Auf der politischen Agenda steht der Klimawandel weit oben. Zum Beispiel werden alle geplanten Projekte mittlerweile einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Dementsprechend ist Indien sehr bemüht, Umweltschutz durch Energieeffizienzmaßnahmen, den Ausbau erneuerbarer Energien und nachhaltige Landwirtschaft sicherzustellen. Deshalbhaben wir im Rahmen unseres Nationalen Aktionsplan zum Klimawandel acht nationale Missionen eingeführt, inklusive der angesprochenen Zielsetzungen für Solarenergie.

Würde ein drastischer Ausbau an Solarenergie starken Widerstand hervorrufen?

Tripathi: Als wir unsere Solarmission 2010 starten, war der Anteil von Photovoltaik und Solarthermie gleich. Unter Berücksichtigung der technologischen und kommerziellen Vorteile hat die indische Regierung anschließend den Anteil an Photovoltaik kontinuierlich erhöht. Er erreicht derzeit ein kritisches Niveau im Stromnetz. Ursprünglich sollte die Netzparität – ein Zustand bei dem die Kosten für Solarenergie dem Preis konventioneller Strombereitstellung entsprechen –2017 erreicht werden. Ein Vergleich zwischen den Auktionspreisen für erneuerbare Energien und den Strompreisen für Endverbrauer deutet jedoch darauf hin, dass dieser Zustand bereits 2015 erreicht wird. Dementsprechend sind wir sehr zuversichtlich.

Wypior: Aktuell sind auch viele große Projekte geplant, die das Erreichen der Netzparität weiter beschleunigen werden. zum Beispiel die Vier-Gigawatt-Solarenergie-Anlage in Rajasthan.

Inwiefern können Indien und Deutschland voneinander lernen?

Tripathi: Unser Partnerland hat schon jetzt eine Kapazität von 36 Gigawatt an erneuerbaren Energien installiert. Da kann Indien natürlich einiges von Deutschland lernen, um die Zielmarke von 20.000 Megawatt zu erreichen. In Indien regeln die Bundesstaaten die Höhe der Einspeisetarife sowie andere energiepolitische Entscheidungen. Diese Politiken müssen wir mit der nationalen Regulierung der Verteilernetze in Einklang bringen. Zudem spielt der Privatsektor eine wichtige Rolle. Deswegen nehmen auch Vertreter von privaten Energieversorgungsunternehmen an dieser Studienreise nach Deutschland teil. Durch die GIZ und das DIEF unterstützt die deutsche Bundesregierung Indien dabei, entsprechende bundesstaatliche Politiken in Uttar Predash, Madhya Pradash oder Chhattisgarh zu formulieren. Diese Bundesstaaten dienen wiederum als Vorbilder für weitere Landesteile.

Wypior: Die Fragen der indischen Kolleginnen und Kollegen auf unserem Workshop heute Morgen bestätigen unsere bisherigen Einschätzungen. Ein Vergleich der Diskussion in Indien und Deutschland zeigt, dass die Fragen, die wir uns in Deutschland hinsichtlich der Netzeinspeisung von erneuerbaren Energien stellen, nahezu identisch sind. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, braucht es also einen gemeinsamen Ansatz der beiden Länder, um Lösungen zu finden. Deutschland hat in der Vergangenheit große, aber auch kostspielige Fortschritte erzielt. Indien hat enorme Potenziale im Bereich der erneuerbaren Energie und die Chance, technische Probleme von Beginn an zu vermeiden. Ein kontinuierlicher Ideenaustausch ist demzufolge wichtig für beide Länder.



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Lee - 23.12.2014, 12:53

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