23.09.2014

IKI Talks mit internationalen Klimaschutzstipendiaten

Zwei Männer und eine Frau werden von einem Mann interviewt

Klimaschutzstipendiaten v.l.n.r. Jiang Shan, Daniela Caldeire; rechts Elyor Alimardonov (zusammen mit einem Vertreter des Programmbüros IKI); Foto: BMUB/Sascha Hilgers

Seit vier Jahren unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) das Stipendienprogramm der Alexander von Humboldt-Stiftung, um Nachwuchsführungskräften aus Entwicklungs- und Schwellenländern einen Forschungsaufenthalt in Deutschland zu den Themen Klima- und Ressourcenschutz zu ermöglichen. Nach der diesjährigen Zeugnisvergabe sprachen wir mit drei der sechszehn Teilnehmer: Daniela Caldeira aus Brasilien untersuchte sub-nationale politische Regelungen zur Regenwassernutzung; Elyor Alimardonov aus Usbekistan wandte globale Klimasimulationen auf hydrologische Prozesse an; und Jiang Shan aus China forschte zu Corporate-Sustainability-Strategien von chinesischen und deutschen Unternehmen, die international tätig sind.

INTERVIEW MIT DANIELA CALDEIRA, ELYOR ALIMARDONOV UND JIAN SHANG

Warum haben Sie sich für das Stipendienprogramm beworben?

Jiang Shan: Nachdem ich als Nachhaltigkeitsmanager in einem chinesischen Staatsunternehmen Erfahrungen gesammelt habe, wollte ich mein Wissen in diesem Bereich weiter vertiefen. Ansätze deutscher Unternehmen zum Management von Nachhaltigkeit – die oft Ergebnis fortschrittlicher nationaler Umwelt-Richtlinien sind – dienen häufig als Vorbild für andere Länder. In mancherlei Hinsicht könnte mein Heimatland China als Schwellenland von diesem Modell lernen. Abgesehen von meiner fachlichen Sicht fühle ich mich Deutschland gegenüber auch durch mein Studium in Hamburg sehr verbunden. Viele Professoren dort sowie andere Personen, die ich bei der GIZ kennengelernt habe, gaben mir die nötige Zuversicht und ermutigten mich, eine Bewerbung einzureichen.

Alimardonov: Erstaunlicherweise gründet sich meine Motivation auf Resultate des IPCC Reports. Da ich Usbeke bin und Wasser- und Umweltingenieurwesen studiert habe, bin ich auf ein Diagramm gestoßen, das die Wassersituation in Zentralasien im Jahr 2100 für ein "Business-as-usual"-Szenario im Vergleich zu 1980 illustriert. Die Resultate zeigen, dass in einigen Bergregionen mit einem Temperaturanstieg von vier Grad Celsius und höheren Niederschlagsraten zu rechnen ist. Das würde riesige Probleme für die Landwirtschaft mit sich bringen. Dieser Befund beschäftigte mich sehr. Ich kam zu Schluss, dass Entscheidungsträgern, insbesondere in Usbekistan, immer noch detaillierte Informationen zu technischen Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel fehlen. Außerdem bedarf es besserer Koordination zwischen zentralasiatischen Ländern bei der Wassernutzung an oberen und an unteren Flussläufen. Deshalb habe ich mich entschlossen, mein Wissen in Deutschland vertiefen – hoffentlich mit dem Ergebnis, später solche Probleme lösen zu können.

Caldeira: Seit 2004 arbeite ich in der Behörde für Wasserwirtschaft des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Als Projektmanagerin war ich beteiligt an der Einführung neuer Technologien zum nachhaltigen Wassermanagement, die auf Klimaveränderungen abgestimmt sind. Nach acht Jahren konnten wir einige Verbesserungen beobachten, aber es bestehen immer noch viele Herausforderungen. Ich war neugierig, wie deutsche Behörden mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Wasserbehandlung umgehen.

Was bietet das Stipendienprogramm?

Jiang Shan: Von Seminaren zu empirischer Forschung, bis hin zu klimapolitischen Vorträgen – das gesamte Programm war sehr nützlich. Ich möchte zwei Elemente besonders hervorheben: Interaktivität und die Flexibilität. In allen beteiligten, deutschen Institutionen entstanden intensive Diskussionen zwischen Fachexperten und den Stipendiaten. Hinsichtlich der Flexibilität habe ich das von der Alexander von Humboldt-Stiftung angebotene europäische Forschungsprogramm sehr geschätzt. Dadurch konnte ich parallel zum offiziellen Programmablauf in Deutschland einen Teil meiner Forschungsarbeit an der Universität Zürich machen. Diese Kooperation war sehr fruchtbar für meine Forschung.

Alimardonov: Mir gefielen die fachlichen Trainingsprogramme sehr gut. Sie wurden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Center for International Postgraduate Studies in Environmental Management (CIPSEM) und der Renewables Academy AG (RENAC) organisiert. Wir haben eine Menge von der deutschen Umweltgesetzgebung gelernt – mit Blick auf die Anwendung erneuerbarer Energien, die Abfallbehandlung und auf Naturschutzgebiete. Das hat sehr interessante Möglichkeiten für die Entwicklung von politischen Regelungen in meinem Heimatland aufgezeigt. Viele Fachexkursionen aber auch die interkulturellen Aktivitäten haben meinen Aufhalthalt in Deutschland sehr bereichert.

Caldeira: Ich stimme meinen Kollegen zu und möchte die Bedeutung des CIPSEM-Trainings für meine zukünftige Laufbahn hervorheben. Die Kursleiterinnen und -leiter machten uns mit speziellen Konzepten zur ökosystembasierter Anpassung vertraut, die sich besonders für die herrschenden Gegebenheiten im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais eignen. Dieses Training hat einige Punkte für mich aufgeklärt, die wichtig waren, um mein Forschungskonzept neu zu definieren. Ich konzentriere mich nun stärker auf Ansätze zur ökosystembasierte Anpassung mit Blick auf Hochwassermanagement. Hier hat mir auch die Hochwasser-Politik aus Baden-Württemberg Impulse gegeben, wo ich eine Feldstudie durchgeführt habe.

Was sind Eure Pläne für die Zukunft und wie stehen diese in Verbindung zum Programm?

Jiang Shan: Ich fühle mich dem Motto "einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer" sehr verbunden. Das heißt, dass ich einen engen Kontakt zu allen beteiligten Stipendiaten und Professoren des Programms aufrecht halten werde. Es mir gelungen, mein deutsches Netzwerk im Bereich nachhaltige Entwicklung signifikant auszubauen. Dank der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lernte ich deutsche Expertinnen und Experten aus verschiedenen Unternehmen und Institutionen kennen, beispielsweise dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Forum nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft (econsense). Ein weiterer Vorteil ist das Netzwerk der Humboldt-Stiftung, insbesondere die Social-Media-Plattform für Alumni. Dieses Netzwerk wird das Rückgrat meiner zukünftigen Laufbahn sein. Denn ich plane, die Verbindungen zwischen chinesischen und multinationalen Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zu stärken. Das beinhaltet Services zum Aufbau von Wissen und Fähigkeiten in chinesischen Unternehmen, oder die Beratung multinationaler Investoren zur Integration von Nachhaltigkeitskonzepten in strategische und operative Prozesse.

Alimardonov: In Bezug auf Vernetzung diskutieren wir Stipendiaten momentan die Gründung einer in Deutschland registrierten Non-Profit-Organisation, die Beratungsdienstleistungen für lokale Organisationen in unseren Heimatländern anbietet. In der Historie der Internationalen Klimaschutz-Stipendiaten ist das bisher einzigartig. Zusätzlich werde ich nach meiner Rückkehr nach Usbekistan mein eigenes Beratungsunternehmen gründen, um die gesammelten Kontakte und die erworbene Expertise aus dem Programm zu nutzen.

Caldeira: Zurück in Brasilien werde ich weiterhin im Wassermanagement arbeiten. Insbesondere werde ich die Entwicklung eines neuen Programms für Wasserwirtschaft und Stadtplanung unterstützen, das zukünftig noch stärker Klimaschwankungen und Klimawandel berücksichtigt. Da die Landesregierung plant, zusammen mit anderen Behörden und Universitäten die Datengrundlage und das Wissen rund um das Thema Klimawandel zu verbessern, werden meine neuen Verbindungen zu Organisationen in Deutschland sicher hilfreich sein, vor allem zu den Universitäten in Freiburg oder Dresden.

Herr Jiang, Herr Alimardonov, Frau Caldeira, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung des neu erworbenen Wissens.