11.03.2014

IKI talks mit Michael Hoppe und Professor Jürgen Kropp

Michael Hoppe und Professor Jürgen Kropp

Michael Hoppe, GIZ, und Professor Jürgen Kropp, PIK

Anfang 2014 endete das IKI-Projekt "Methodeninventar zur Klimaanpassung", das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gemeinsam umsetzten. Drei Jahre lang sammelte, entwickelte und verbreitete das Projekt Methoden zur Anpassung an den Klimawandel. Michael Hoppe, Leiter des Vorhabens in der GIZ, und Professor Jürgen Kropp, Leiter des Forschungsbereichs Klimawandel und Entwicklung am PIK, waren für die Umsetzung des Projektes verantwortlich.

Interview mit Michael Hoppe und Professor Jürgen Kropp

Bereits seit 2008 arbeiten GIZ und PIK zusammen, um Wissen zum Thema Klimawandel und Anpassung zusammenzutragen und Entscheidungsträgern weltweit zur Verfügung zu stellen. Wie kam diese Kooperation zustande?

Kropp: Die Zusammenarbeit war ursprünglich gar nicht von einem konkreten Projekt motiviert, sondern es gab einen Besuch vom damaligen Geschäftsführer der GIZ, Bernd Eisenblätter, im PIK. Da haben wir zu fünft zusammengesessen und überlegt, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gibt und was die unterschiedlichen Interessen dabei sein könnten. Das hat am Ende zu einer Kooperationsvereinbarung geführt, die bis heute gültig ist.

Hoppe: Es gibt noch ein bisschen Hintergrund dazu: Ein Mitarbeiter der GIZ aus dem Anpassungsbereich hatte damals bei euch am PIK hospitiert, und über den Zusammenhang haben sich ein paar Fäden entsponnen. Es entstand eine erste gemeinsame Publikation zum Thema Klimainformation und Anpassung, noch vor dem Projekt.

Eine Besonderheit an diesem Projekt ist sicherlich, dass hier Wissenschaft auf Praxis trifft. Was bedeutete das für die Zusammenarbeit der beiden Organisationen? Was waren konkret die Rollen von PIK und GIZ?

Kropp: Es geht ja um ein gemeinsames Ziel, nämlich die Fragen der Klimawirkung und des Klimaschutzes. Da versteht sich das PIK durchaus als ein Taktgeber in der internationalen Diskussion. Natürlich gibt es immer wieder Schwierigkeiten in Kooperationsvorhaben. Konkret: GIZ und PIK haben ja unterschiedliche Aufgaben. Aber Schwierigkeiten müssen gelöst werden und sollten uns nicht an gemeinsamen Unternehmungen hindern. Als PIK müssen wir den Erkenntnisprozess befeuern, dies tun wir nicht nur global, sondern auch zunehmend auf regionalen und lokalen Skalen. Hier kommt dann die Verzahnung mit den Fragen, die die GIZ verfolgt, zustande.

Hoppe: Aus GIZ-Perspektive steht natürlich die Kapazitätsentwicklung in den Ländern ganz oben. Wir arbeiteten bewusst in dem Projekt mit sieben Partnerländern zusammen. Wir haben einen Blick auf den Bedarf, auf die Prozesse und Notwendigkeiten, die vor Ort existieren. Unsere Rolle ist es, diesen Bedarf zu identifizieren und entsprechend zu bedienen. Im PIK spielt sich die Forschung erst einmal auf systemarer Ebene ab. Die Verzahnung zwischen lokalen Anforderungen und Klimaforschung ist uns an einigen Stellen im Projekt gelungen. Schwierig sind dabei jedoch die teils unterschiedlichen Zeithorizonte von Forschung und Projektarbeit. Manchmal ist auch die Abstraktionsebene sehr hoch. Für die Zielgruppen, mit denen wir zu tun haben, war das sicher manchmal ein "Elfenbeinturm“. Unsere Erfahrung ist: Je konkreter desto besser. Was sehr gut funktioniert hat, waren zum Beispiel die Inputs des PIK in den Workshops. Es war ein großer Mehrwert für die Teilnehmer, zu sehen wie der Stand der Forschung ist. Ein anderes gutes Beispiel ist das gemeinsame Training zum Thema Klimainformationen, das die GIZ organisiert und zu dem das PIK wesentlich inhaltlich beigetragen hat.

Was tut man, um vom Elfenbeinturm herunterzukommen? Wie vermittelt man komplexe Klimawissenschaften an Akteure, die keine Fachexperten sind?

Hoppe: Es wurden einige Medien gemeinsam entwickelt. Im Wesentlichen der Film "We know enough about climate change", der auch extrem gut angekommen und zwölfmal übersetzt worden ist - die letzte Nachfrage kam aus Pakistan. Wissenschaftlich komplexe Dinge wie Klimamodelle auf anschauliche und nutzerfreundliche Weise zu vermitteln und Unsicherheiten zu adressieren, das hat über solche Medienproduktionen gut funktioniert.

Kropp: "Edutainment" war hier das Stichwort. Man braucht solche Medienformate, um Menschen zu interessien und Wissenslücken schnell und effizient aufzufüllen - das ist eine Erfahrung, die ich in vielen internationalen Projekten gemacht habe. Wir waren wirklich überrascht, wie gut so etwas einschlägt, sowohl dieser Film als auch andere Produkte. Aber noch einmal zurück zum Punkt "Je Konkreter, desto besser": Damit tun wir uns natürlich manchmal schwer. Bevor konkrete Handlungsanweisungen abgeleitet werden können, muss man erst einmal das System verstehen. Also zum Beispiel wie sich die landwirtschaftliche Produktion oder Wasserverfügbarkeit unter Klimawandelaspekten entwickelt. Wenn dies auf eine sehr kleinräumige Skala heruntergebrochen wird, müssen naturgemäß immer detaillierte Prozesse betrachtet werden. Dies kann dann den Eindruck erwecken, als hätte Forschung nur begrenzt etwas mit Realität zu tun. Aber das ist nicht der Fall. Wir haben gelernt, dass wir Wissen auf lokale Skalen herunterbrechen müssen. Die Webplattform ci:grasp ist ein Beispiel dafür. Und in diesem Zusammenhang fragen wir uns auch, was vor Ort passiert. Das hat ganz konkrete Implikationen für das politische Handeln, zum Beispiel um Nahrungsmittelsicherheit sicherzustellen. Wir als PIK entwickeln zwar nicht Politik, aber wir können wichtige Informationen dafür liefern, wie Strategien für die Zukunft aussehen könnten.

Was war Ihr ganz persönliches Highlight im Projekt?

Kropp: Was mich persönlich an diesem Projekt gereizt hat, war der Punkt, dass wir auch da hin gegangen sind, wo es wehtat. Wir waren bereit, Konflikte auszudiskutieren. Uns als wissenschaftliche Institution hat dieser Prozess weitergebracht. Das kann man auch daran erkennen, dass Anpassung mittlerweile durchaus ein Querschnittsthema im gesamten PIK ist. Lange Zeit lag der Fokus sehr stark auf der Minderung von Treibhausgasemissionen, das hat sich jetzt geändert.

Hoppe: Mir ist in Erinnerung geblieben, wie ich letztes Jahr mit Jürgen in Bonn abends in der Straßenbahn saß. Er hatte sein iPad in der Hand und führte uns begeistert ein Spiel vor, den Prototyp von "Find", ein interaktives Wimmelbildspiel für Kinder zu den Themen Energie und Klimawandel. Da spürt man die Leidenschaft für das Thema. Daran anschließend: Für mich persönlich wächst die Leidenschaft noch einmal mehr, wenn man direkt mit den Vertretern aus den Ländern zusammen diskutiert. Erst dann versteht man, was eigentlich das Wesentliche ist und wo die Veränderungen ansetzen müssen. Das ist mir bewusst aus meiner Zeit im Ausland und ist mir in den internationalen Workshops des Vorhabens erneut aufgefallen, in Durban, Bonn oder Mexiko sowie in Projektbesuchen vor Ort.

Kropp: Was sich für uns durch solche Erfahrungen auch verändert hat, ist dass "Science and Society" ein immer wichtiger werdender Gegenstandsbereich im PIK ist. Es ist klar, dass die Klimafrage auch über Adressaten in der Zivilgesellschaft gelöst werden muss. Das ist vielleicht etwas, was wir früher nicht so sehr auf dem Radar hatten, aber das hat sich geändert. Ich persönlich habe aus der Zusammenarbeit in den IKI-Projekten und durch die Reisen in die Partnerländer viel gelernt. Ich habe gelernt, dass die Dinge, die sich in diesen Ländern abspielen, doch ganz anders sind, als ich das selbst manchmal gedacht habe. Und das ist etwas, dass auch meinen Arbeitsalltag und den Blickwinkel ein wenig verändert.

Auch wenn das Projekt nun ausgelaufen ist, was bleibt?

Hoppe: Die Instrumente sind ja nicht im luftleeren Raum entwickelt worden, sondern gemeinsam anderen GIZ-IKI-Projekten und den Partnerinstitutionen in den Ländern. Das heißt, sind nicht irgendwo abgelegt, sondern sie sind schon im Prozess angewandt. Außerdem sind die Erfahrungen aus diesen Anwendungen und methodische Beschreibungen etc. auf der Plattform AdaptationCommunity.net zu finden und können da auch weiter genutzt werden. Von daher ist das Erfahrungswissen gemanagt und verfügbar. Das war ja auch Ziel des Vorhabens.

Kropp: ci:grasp wird weiterlaufen, genauso wie die Webinare. Wir überlegen, wie wir das besser institutionalisieren können zum Beispiel über den Climate-KIC.

Herr Hoppe, Professor Kropp, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.



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