06.06.2014

IKI talks mit Musonda Mumba

Porträtfoto

Musonda Mumba, UNEP

Seit 2010 unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) durch das "Ecosystem Based Adaption Flagship Programme" Gemeinden in den Bergregionen Nepals, Perus und Ugandas bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Musonda Mumba vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) koordiniert das Vorhaben. Das Interview fand im Rahmen eines Workshops des EbA-Flagships in Nepal statt.

Interview mit Musonda Mumba

Das Programm "Ecosystem Based Adaptation in Mountain Ecosystems" (Ökosystembasierte Anpassung in Gebirgsökosystemen) unterstützt Menschen in Nepal, Peru und Uganda bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Warum haben Sie sich entschieden, mit diesem Projekt auf drei unterschiedlichen Kontinenten zu arbeiten?

Mumba: Unter anderem decken wir diese drei Kontinente ab, weil wir so die Möglichkeit haben, die verschiedenen Aspekte, die in unterschiedlichen Ökosystemen eine Rolle spielen, miteinander zu vergleichen. Peru und Nepal sind Hochgebirgsökosysteme, die auf mehr als 4000 Metern über dem Meeresspiegel liegen. Uganda dagegen ist ein Gebirgsökosystem, das nicht so hoch reicht wie die anderen Länder. Folglich sind die Prozesse, die die Gemeinschaften in den drei Ländern beeinflussen, sehr spezifisch. Gleichzeitig wollten wir sichergehen, dass wir die globale Reichweite der Folgen des Klimawandels auf diese Menschen besser verstehen und kommunizieren.

Das heißt, unterschiedliche Folgen des Klimawandels stellen die Menschen vor unterschiedliche Herausforderungen. Bitte erläutern Sie einige Ähnlichkeiten und Unterschiede, auf die Sie bei Ihrer Arbeit gestoßen sind.

Mumba: Zu den Ähnlichkeiten zählt, dass alle drei Regionen offenkundig vom Klimawandel betroffen sind, etwa durch eine Abnahme der Niederschläge. Die Gemeinden müssen sich diesen Veränderungen anpassen, ebenso wie an soziale Veränderungen in ihrer Region. Allerdings sind die sozialen Gegebenheiten an jedem Ort sehr spezifisch. In Uganda ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Es ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt - ungefähr 10 Haushalten oder mehr pro Quadratkilometer. Zudem sind die morphologischen geologischen Verhältnisse der Gebirgsregion in Uganda ganz anders als die im Andengebiet. Sie ist bewaldet, aber auch sehr, sehr anfällig für Erdrutsche. Die Gemeinden in den Anden sind dagegen kleiner und älter, weil die jungen Leute auf der Suche nach Arbeit außerhalb der Landwirtschaft in die Städte abwandern. Die Menschen in den Anden halten hauptsächlich Vieh wie Rinder oder manchmal auch Lamas. Die entsprechende Region in Nepal hat eine ähnliche Siedlungsstruktur und ebenfalls mit Abwanderung zu tun. Zusätzlich stehen die Gemeinden dort vor Herausforderungen bei der Existenzsicherung, beispielsweise beim Anbau und der Vermarktung spezieller Pflanzen. Diese Pflanzen sind stark abhängig von bestimmten Niederschlagsmustern. Und hier handelt es sich um hochwertige Kulturpflanze, aus denen unter anderem pharmazeutische Produkte gewonnen werden. Die Zahl der Unterschiede ist groß, und sie bereichern unsere Arbeit.

Das Vorhaben will Gemeinden in die Lage versetzen, Ökosystemleistungen zur Anpassung an den Klimawandel zu nutzen. Wie sieht das in der Praxis vor Ort aus?

Mumba: Die Gemeinden sind auf bereitstellendende und regulierende Ökosystemleistungen angewiesen, zum Beispiel auf Wasserversorgung, Feuerholz oder Klimaregulierung. Zudem haben die betreffenden Gebiete einen besonderen kulturellen Wert für die Gemeinden. Sowohl in Peru als auch in Nepal sind viele Gebiete heilig. Außerdem sind sie sehr ästhetisch. Diese Werte der Ökosysteme lassen sich sowohl finanziell als auch nicht finanziell ausdrücken und sind eng verknüpft mit dem Leben der Gemeinden. Aber in manchen Fällen haben sich die Ökosystemleistungen deutlich verändert. Ich nenne hier ein Beispiel aus Uganda: In einer der Gemeinden, in denen wir arbeiten, stellten wir fest, dass als Folge der Bodendegradation die Wasserfluss abnahm - offensichtlich eine zentrale Funktion für das Überleben. Also arbeiteten wir mit der Gemeinde eng zusammen, um die Ursachen der Degradierung zu untersuchen und darüber aufzuklären, wie man geschädigte Gebiete wieder herstellt. Sobald ein Ökosystem robust ist, hilft es auch den Menschen, ihre Anpassungsfähigkeit zu steigern.

Können Sie uns an einem weiteren Beispiel zeigen, was das Vorhaben bislang erreicht hat?

Mumba: Bei unserer Arbeit vermeiden wir es, den Gemeinden Lösungen vorzugeben. Stattdessen starten wir einen partizipativen Prozess - insbesondere unter Beteiligung von Frauen und Menschen verschiedenen Alters, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Umwelt im Laufe der Zeit verändert hat. Auf dieser Basis können wir dann gemeinsam entscheiden, wie geeignete Lösungen aussehen könnten. In Peru ist es uns zum Beispiel gelungen, Weideland wiederherzustellen, das völlig überweidet und verödet war. Die Problemlösung muss von den Bewohnern selbst kommen und dann unterstützen wir sie. Wir versuchen gemeinsam herauszufinden, wie sie sich besser anpassen und die Ökosysteme wiederherstellen können. Auf politischer Ebene diskutieren wir mit Regierungen, warum ökosystembasierte Anpassung ein nützlicher Ansatz ist, um Gemeinschaften sowie der Wirtschaft dabei zu helfen, sich an den Klimawandel anzupassen und widerstandfähiger zu werden. Die Wirtschaft, vor allem in Entwicklungsländern, ist sehr abhängig von natürlichen Ressourcen. In diesen Gesprächen werden wir immer wieder gefragt, wie lange es dauert, bis sich Erfolge einstellen. Unsere Antwort lautet, dass wir es hier mit katalytischen Prozessen zu tun haben, in denen wir nur durch langfristige Investitionen greifbare Ergebnisse erzielen können, die sowohl den Gemeinden als auch der nationalen Ebene zu Gute kommen.

Sie sprachen gerade davon, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen viel Zeit beansprucht. Bewässerungssysteme dagegen führen ziemlich schnell zu einem positiven Effekt. Könnten Sie einen kurzfristigen Nutzen eines Ihrer Projekte schildern?

Mumba: Natürlich. In dem eben beschriebenen Fall in Uganda etwa konnten wir mehrere unterschiedliche Ansätze miteinander verknüpfen. Da wäre zuerst eine technische Maßnahme, eine Anlage, die Wasser aus höheren in tiefer gelegene Gebirgsregionen transportiert. So erhielten Landwirte Zugang zu Wasser, was wichtig für die Nahrungsmittelproduktion ist. Die positive Wirkung war bereits nach sechs Monaten zu beobachten. Das hatte zur Folge, dass die Bevölkerung die Ursprungsregion des Wasserlaufs ungestört lassen konnten, damit sich das Ökosystem erholt und zukünftig wieder den Wasserfluss regulieren kann. Dieser Eingriff, der an sich nicht wirklich "grün" war, hat unsere Arbeit sinnvoll ergänzt, in dem er kurzfristig Ergebnisse lieferte.

Vielen Dank. Wir wünschen Ihnen für die Durchführung des Vorhabens alles Gute.


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