19.11.2019

Indien: Bundeskanzlerin Merkel besucht IKI Projekte

Die Deutsche Delegation um Angela Merkel besucht das IKI-Projekt "ComSolar"; Foto: GIZ Indien

Die Deutsche Delegation um Angela Merkel besucht das IKI-Projekt "ComSolar"; Foto: GIZ Indien

Vom 31. Oktober bis 1. November 2019 fanden in Neu-Delhi die 5. Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen statt. An der hochrangigen politischen Veranstaltung nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teil. Während ihres zweitägigen Indienbesuchs führte die Bundeskanzlerin bilaterale Gespräche mit dem indischen Staatspräsidenten Ram Nath Kovind und Premierminister Narendra Modi.

Am Ende ihrer Reise besuchte Frau Merkel die Metrostation Dwarka Sector-21 in Delhi. Hier hat der U-Bahn-Betreiber Delhi Metro Rail Corporation (DMRC) seine erste Photovoltaikanlage errichtet – mit technischer Unterstützung durch das inzwischen abgeschlossene IKI Projekt „Vermarktung von Solarenergie in Ballungsräumen und Industriezentren (ComSolar)“. Das Projekt wurde von 2009 bis 2016 von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt. Dabei hat die GIZ die DMRC bei der Finanzierung und Planung der Photovoltaikanlage beraten und den U-Bahn-Betreiber bei der Suche nach geeigneten Gebäuden für die Installation der Solarmodule unterstützt. In der Pilotphase des Projekts wurden die Dächer von drei U-Bahn-Stationen mit Solaranlagen ausgestattet. Diese bildeten die Grundlage für die Planung und Realisierung weiterer Photovoltaikprojekte. Im August 2014 wurde die erste der drei Pilotanlagen mit einer Leistung von 500 kW auf dem Dach der U-Bahn-Station Dwarka Sector-21 errichtet. Der Betrieb erfolgt im Rahmen eines Renewable Energy Service (RESCO)-Modells.

Frau Merkel im Gespräch mit Herrn Manuj Singhal, leitender Ingenieur bei der Delhi Metro Rail Corporation (DMRC); Foto: GIZ Indien

Außerdem besichtigte die Bundeskanzlerin mit „Photovoltaic (PV) Port&Store“ ein kleines Inselsystem. Im Rahmen des IKI Projekts „Integration erneuerbarer Energien in das indische Stromnetz (I-RE)“ war die GIZ als Durchführungsorganisation vom indischen Partnerministerium damit beauftragt worden, eine „Plug & Play“-Solaranlage mit Batteriespeicher für Wohnimmobilien zu entwickeln, mit der mehrere Haushalte rund um die Uhr mit Solarstrom versorgt werden können. Daraufhin wurde ein entsprechendes technisches Konzept entwickelt, und bis Dezember 2018 konnte der erste Prototyp der gewünschten Solaranlage an das Indian National Solar Institute (NISE) übergeben werden. Der PV-Port besteht aus Solarmodulen in Form eines Flugzeugs. Da das steckerbasierte System aus hochgradig standardisierten Komponenten besteht, lässt es sich kostengünstig und in großen Stückzahlen herstellen. Damit bietet die Lösung beste Voraussetzungen für den sich allmählich entwickelnden indischen Markt für Aufdach-PV-Anlagen im Wohnsektor.

Damit das System auch anspruchsvollen Witterungsbedingungen standhält, wird die Elektronik des PV-Port durch mit Wasser gefüllte Elemente gekühlt. Diese dienen gleichzeitig als Ballast und bieten damit Standsicherheit bei hohen Windgeschwindigkeiten; am wichtigsten jedoch ist, dass sie Wasser für eine Sprinkleranlage liefern, mit der die Solarmodule von Staub gereinigt werden. Indien hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2022 Aufdach-Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität von 40 GW zu errichten (4 GW bis 08/2019). Die meisten Anlagen sollen in städtischen Ballungsräumen, so genannten Smart Cities, entstehen. Das I-RE-Projekt zielt darauf ab, die Klima- und Energiepolitik in Indien mit dem Schwerpunkt Stadtentwicklung zu verbinden.

Bundeskanzlerin Merkel sieht sich die solarbetriebenen E-Rikschas näher an; Foto: GIZ IndienDas Vorhaben unterstützt ausgewählte Städte der indischen „Smart City Mission“ beim Up-Scaling von Geschäftsmodellen zur Förderung und Weiterentwicklung von Aufdach-PV-Anlagen. Dadurch trägt es zur Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien am indischen Strommix bei, so dass die Emissionen aus der Nutzung von fossilen Energieträgern verringert werden können.

Am Ende ihres Besuchts in der U-Bahn-Station Dwarka 21 trat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Vorplatz, wo mehrere Rikschas standen, die mit Solarstrom anstelle von Benzin betrieben werden. Die enge Verzahnung von Ökostromerzeugung und Elektromobilität lässt darauf hoffen, dass es gelingen wird, die indischen Megastädte künftig umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten.