07.08.2020

Indigene spielen Schlüsselrolle für Biodiversität und Klimaschutz

Austausch mit der Gemeinde der Gbèvozoun in Benin. Foto: UNDP-GEF SGP, Benin

Indigene Völker leben in allen Regionen der Welt und stellen einen großen Teil der kulturellen Vielfalt dar. Sie besitzen oder verwalten laut IPBES-Report mehr als ein Viertel der weltweiten Fläche. Zudem liegen circa 35 Prozent der Landflächen, die weltweit unter Naturschutz stehen, auf indigenen Gebieten. Diese Gebiete beinhalten oft eine große Artenvielfalt und dienen als natürliche Kohlenstoffsenken. Daher spielen Indigene beim Erhalt der biologischen Vielfalt und dem Schutz des Klimas eine entscheidende Rolle - auch wenn sie mit etwa 370 bis 500 Millionen Menschen weniger als 5 Prozent der globalen Bevölkerung ausmachen. Die Weltgemeinschaft muss deshalb den Beitrag von Indigenen anerkennen und diese stärker einbeziehen, um langfristige Strategien und Ziele zum Schutz der Biodiversität und des Klimas nachhaltiger gestalten zu können. Auch für die Erreichung der Ziele der Biodiversitätskonvention (CBD) und dem Ziel, mehr Erdoberfläche unter Schutz zu stellen, können Indigene eine Schlüsselrolle einnehmen.

„Tag der indigenen Völker“ lenkt Blick auf bedrohte traditionelle Lebensweisen

Eine spirituelle Verbindung zu ihrem Land und ein Leben im Einklang mit der Natur sind oft grundlegende Bestandteile indigener Werte und Überzeugungen. Ihr traditionelles Wissen umfasst nachhaltige Nutzungspraktiken, die das Gleichgewicht in der Natur aufrechterhalten und damit die Lebensgrundlagen der Indigenen langfristig sichern. Im traditionellen Wissen und den Nutzungspraktiken Indigener ruht auch für Gesellschaften der restlichen Welt viel Potenzial beispielsweise für die Forschung zur Heilwirkung von Pflanzen oder biologischer Schädlingsbekämpfung. Das enge Verhältnis Indigener zur Natur macht sie jedoch auch besonders verletzlich: Der Verlust der biologischen Vielfalt, Klimawandel und Umweltzerstörung, zum Beispiel durch Abholzung für Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung, bedrohen ihre Existenz.

Trotz kultureller Unterschiede teilen verschiedene indigene Völker gemeinsame Probleme. Auf nationaler und lokaler Ebene werden sie nach wie vor oft marginalisiert und sind von extremer Armut und Menschenrechtsverletzungen betroffen. Unter anderem deshalb macht der internationale Tag der indigenen Völker am 9. August auf die Situation der Indigenen aufmerksam. In diesem Jahr werden die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in den Fokus gerückt, da Indigene zum einen besonders anfällig für neu auftretende Viren sind und zum anderen stark von den Folgen der Pandemie betroffen sind, die vom Grad ihrer Integration oder Isolation abhängen. Hier sind beispielsweise der schlechtere Zugang zu medizinischer Versorgung und Grundnahrungsmitteln sowie der Wegfall zusätzlicher Einkommensquellen zu nennen. Gleichzeitig können Indigene auch durch den Erhalt natürlicher Lebensräume und den Schutz von Rückzugsgebieten eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von zukünftigen Zoonosen und Pandemien einnehmen.

Lesen Sie mehr zum Thema auf der Seite IKI unterstützt indigene Gruppen in der COVID 19-Pandemie

So unterstützt die IKI Indigene weltweit

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert seit vielen Jahren Projekte und Ansätze zur Stärkung Indigener und ihrer Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt. Die Anerkennung indigener Strukturen und Lebensweisen sowie die Steigerung der Partizipation in Projektansätzen und Prozessen zur Entscheidungsfindung ist dabei zentraler Bestandteil der Projektarbeit. Dies gilt vor allem im Bereich der Landnutzungsplanung, der Schutzgebietsverwaltung und des Monitorings.

Die IKI fördert aktuell über 30 Projekte, die einen Bezug zu Indigenen haben. Diese Projekte sind rund um den Globus verteilt und schützen Ökosysteme von Peru, über Äthiopien und Indonesien bis zu nördlichen Regionen Russlands. Zusätzlich werden seit 2017 alle IKI-Projekte auf sogenannte Safeguards geprüft, um potenzielle negative Folgen von Projektaktivitäten für Indigene zu vermeiden oder zu minimieren.

Zum Beispiel: Projektarbeit in Kolumbien und Peru

Im biodiversitätsreichen Nordwesten Kolumbiens leben viele indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften, die dem Druck durch die Bergbauindustrie ausgesetzt sind. Hier unterstütz ein IKI-Projekt die Entwicklung von Strategien zur Landnutzungsplanung von indigenen Territorien, stärkt gemeinschaftliche Produktionssysteme und zeigt Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung der dort vorkommenden Artenvielfalt auf. Im Fokus stehen hier vor allem indigene Frauen, die durch die Erstellung von Planungsstrategien zur Landnutzung gestärkt werden. Diese sogenannten Lebenspläne beinhalten ethnische Ansätze und streben eine nachhaltige Nutzung und Verwaltung von Stammesgebieten an.

In Peru trägt ein Projekt zum Schutz der Biodiversität des Manu-Biosphärenreservats bei, indem die dort lebenden Indigenen am Management des Biosphärenreservats und seiner natürlichen Ressourcen beteiligt und neue Mitbestimmungsmodelle eingeführt werden. Einkommenschaffende Maßnahmen sowie die Reduzierung von Mensch-Wildtier-Konflikten tragen ebenfalls zum langfristigen Schutz bei. Aktuell werden im Rahmen des Corona-Response-Pakets der IKI wegbrechende Einnahmenquellen aus nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten in der Pufferzone kompensiert und weiter diversifiziert, um die Einkommenssituation der indigenen Gemeinden sowie des Managements des Biosphärenreservats nicht zu gefährden.

In der Ucayali-Region liegt Perus zweitgrößtes Waldgebiet, das die höchsten Entwaldungsraten des Landes verzeichnet. Hier verbessert ein Projekt den Waldschutz durch die Einrichtung von Indigenen Technischen Forstverwaltungseinheiten, interkulturelle Trainings für das indigene Waldmanagement und Unterstützung der indigenen Bevölkerung beim Monitoring zur Vermeidung illegaler Waldnutzung.