29.11.2019

Infrastruktur für Klimafolgen fit machen

Schulung in Vietnam: Lernen, über welche Kausalketten sich der Klimawandel auf die Infrastruktur auswirkt; Foto: GIZ

Schulung in Vietnam: Lernen, über welche Kausalketten sich der Klimawandel auf die Infrastruktur auswirkt; Foto: GIZ

Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Sie ist entscheidend für den Zugang zu Wasser, Gesundheit, Energie und Mobilität. Extreme Wetterverhältnisse und langsam fortschreitende Ereignisse wie Dürren belasten jedoch die Infrastruktur und bedrohen dadurch zunehmend das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele. Dieses Risiko wird durch den Klimawandel noch verschärft. Um zu gewährleisten, dass die Infrastruktur weiterhin ein Fortschrittstreiber ist, haben Costa Rica und Vietnam damit begonnen, die Klimaresilienz ihrer Infrastruktur zu verbessern. Unterstützt werden sie dabei von dem IKI Projekt Verbesserte Climate Services für Infrastrukturinvestitionen (CSI).

Training the Trainers

In diesem Sommer haben 32 Personen in Costa Rica und Vietnam gelernt, wie sie mithilfe von Climate Services die Klimaresilienz ihrer Infrastruktur verbessern können. Dazu haben sie an der im Rahmen des CSI-Projekts durchgeführten Multiplikatorenschulung teilgenommen. Die Veranstaltung trägt dazu bei, Erkenntnisse zu verbreiten, die in den Partnerländern durch die Erprobung von Klimadienstleistungen und -risikobewertungen im Rahmen einer klimarisikoorientierten Infrastrukturplanung und -bewirtschaftung gewonnen wurden.

Teilnehmende der Multiplikatorenschulung in Costa Rica; Foto: GIZ

Mit dem Training-the-Trainers-Program möchte das CSI-Projekt die Anpassungsfähigkeit verbessern und Akteure erreichen, die sich in verschiedenen Institutionen mit einer klimarisikoorientierten Bewirtschaftung von Infrastrukturen befassen. Dazu wird Wissen zum sinnvollen Umgang mit infrastrukturbezogenen Klimarisiken vermittelt, um die Teilnehmenden in die Lage zu versetzen, den Prozess der Klimaanpassung aktiv zu gestalten und das erworbene Wissen als Multiplikatoren weiterzugeben. Sie lernen beispielsweise, wie sie die Debatte und die Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Klimawissenschaften, Ingenieur- und Planungswesen sowie Politik und Verwaltung fördern können. Zwar sprechen diese Akteure unterschiedliche Fachsprachen, doch eint sie das Ziel, die Klimaresilienz der Infrastruktur zu verbessern.

Daten als Grundlage für Klimarisikoentscheidungen

Wie Kaffee und andere Produkte unseres täglichen Lebens beruht auch eine klimaresiliente Infrastruktur auf einer Wertschöpfungskette. Und während die Wertschöpfungskette von Kaffee mit dem Rohstoff Kaffeebohne beginnt, hat die Klimawertschöpfungskette ihren Ausgangspunkt in der Erhebung und Verarbeitung von Klimadaten. Die Teilnehmer der CSI-Schulung erfahren, wie sie verschiedene Akteure aus der Wertschöpfungskette an einen Tisch bringen können und wie sich aus Daten Informationen gewinnen lassen, die sie für das Management von Klimarisiken nutzen können. Durch die Gesamtbetrachtung von verarbeiteten Klimadaten und dem Wissen der verschiedenen Experten (z. B. durch die Kombination einer Prognose für die abzuleitende Wassermenge im Jahr 2080 am Standort einer geplanten Brücke (Klimawissenschaft) mit Informationen darüber, wie sich die Wassermenge auf eine Brücke auswirken würde (Ingenieurwesen)) wird es möglich, Rohdaten in Risikomanagemententscheidungen zu überführen - beispielsweise in neue Bauvorschriften oder in eine angepasste Brückenkonstruktion. Informationen dieser Art, die auf bestimmte Entscheidungszusammenhänge zugeschnitten sind, werden als Klimadienstleistungen bezeichnet. In der Schulung wird vermittelt, wie die Teilnehmenden sich an der Entwicklung von Klimadienstleistungen beteiligen und diese nutzen können, um die Infrastruktur durch eine klimarisikoorientierte Infrastrukturplanung und -bewirtschaftung klimaresilient zu machen.

Schulung in Vietnam: Während der Sitzungen übernahmen die zukünftigen Multiplikatoren bereits die Rolle des Moderators; Foto: GIZ

Damit die Teilnehmenden in einem realistischen Umfeld lernen, wird in der Schulung nach dem Harvard Case Study-Konzept gearbeitet. Dieses besteht aus vier Modulen, die alle wesentlichen Elemente einer klimarisikoorientierten Infrastrukturplanung und -bewirtschaftung abdecken. Darüber hinaus wird in der Schulung behandelt, wie sich didaktische Werkzeuge sinnvoll in der Wissensvermittlung einsetzen lassen. Durch Learning-by-Doing übernehmen die künftigen Multiplikatoren bereits während der Schulung die Rolle eines Co-Schulungsleiters.

Um dem auf Fallstudien beruhenden Lehrkonzept gerecht zu werden, wurden realistische Rahmenbedingungen geschaffen. So kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Costa Rica und Vietnam aus verschiedenen Disziplinen. Der partizipative, kooperationsorientierte Schulungsansatz wurde von den Teilnehmenden sehr positiv bewertet. Viele äußerten die Absicht, die Materialien und das methodische Instrumentarium, die sie im Rahmen der Schulung erhalten bzw. kennengelernt haben, zu nutzen, um das neu erworbene Wissen in ihren Institutionen zu verbreiten. CSI wird die künftigen Multiplikatoren bei der Vorbereitung und Durchführung eigener Schulungen unterstützen.

Die nächste CSI-Schulung soll in Brasilien stattfinden. Darüber hinaus wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Schulung auch für andere interessierte Stakeholdergruppen und potenziell Begünstigte außerhalb des CSI-Projektkontexts zu öffnen.