07.09.2020

International Day of Clean Air for blue skies

Hanoi Skyline

Luftverschmutzung ist nicht nur für Großstädte wie Hanoi in Vietnam ein Problem. Foto: Ben Media

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich rund sieben Millionen Menschen an verschmutzter Luft. Zu den akuten und chronischen Krankheiten, die durch Luftschadstoffe ausgelöst oder verstärkt werden, gehören z.B. Atemwegserkrankungen (inkl. Asthma, Lungenkrebs) und Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems (Schlaganfälle, Herzinfarkte). Auch Geburtsfehler, Fehl- und Frühgeburten werden mit Luftverschmutzung assoziiert, wie auch viele neurologische (z. B. Migräne, Parkinson, Demenz) und psychische Krankheiten (Depressionen). Jüngste Studien zeigen zudem, dass die Anfälligkeit des menschlichen Körpers für Viruserkrankungen (z. B. Coronavirus) bei den Menschen steigt, die zuvor über längere Zeiträume verschmutzter Luft ausgesetzt waren.

Insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika sind von Luftverschmutzung betroffen. Die volkswirtschaftlichen Kosten dieses Umweltproblems sind enorm und steigend. Die Weltbank errechnete beispielsweise für das Jahr 2013 globale Wohlfahrtsverluste von 5,1 Billionen US $ durch Luftverschmutzung.

Luftverschmutzung ist nicht nur für die menschliche Gesundheit schädlich

Luftverschmutzung schadet jedoch nicht nur der menschlichen Gesundheit, sondern wirkt sich auch negativ auf Ökosysteme aus. Bodennahes Ozon schädigt das Pflanzenwachstum und führt zu erheblichen Ernteverlusten bei Weizen und Bohnen (u. a. Soja), sowie verschiedenen Reis- und Maissorten. Luftverschmutzung gefährdet dadurch die Nahrungssicherheit in einigen Regionen. Wälder und Grasländer sind global betrachtet wichtige CO2-Senken. Bodennahes Ozon hat durch diese Wachstumseinbußen eine Verringerung der CO2-Speicherkapazität der Vegetation zur Folge, was zu einer zusätzlichen Erwärmung der Atmosphäre führt. Darüber hinaus gefährdet Ozon auch die Biodiversität, da ozonsensitive Pflanzen sich in Ökosystemen nach einer Vitalitätsschwächung durch dessen Einwirkung nicht mehr behaupten können und so zur Abnahme der Artenvielfalt beitragen.

Luftverschmutzung verstärkt darüber hinaus den Klimawandel. Viele Luftschadstoffe sind zugleich Treibhausgase und tragen zur Erderwärmung bei. Sie gehören zu den kurzlebigen, klimawirksamen Luftschadstoffen (engl.: short-lived climate pollutants, kurz SLCPs), wie beispielsweise Methan, Ruß und bodennahes Ozon. Luftschadstoffe und Treibhausgase stammen oftmals aus denselben Emissionsquellen.

Weniger Luftschadstoffe bedeuten auch weniger Treibhausgase

Eine Reduktion von Luftschadstoffen geht daher mit einer Reduktion von Treibhausgasen einher und kann maßgeblich zur Erfüllung der nationalen bestimmten Klimaschutzbeiträge (NDCs) im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens beitragen. Eine Verringerung der SLCPs in die NDCs aufzunehmen bietet eine hervorragende Chance, die vielen Mitnahmeeffekte der Luftreinhaltung – wie dem Schutz der menschlichen Gesundheit, der Biosphäre, der landwirtschaftlichen Erträge – in die eigenen Klimaziele zu integrieren.

Vor diesem Hintergrund hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den siebten September als International Day of Clean Air for blue skies ausgerufen, der 2020 erstmalig stattfindet. Zukünftig soll der Tag eine Plattform für den internationalen Austausch zum Thema Luftverschmutzung bieten, um Best-Practice-Ansätze zu vergleichen und bekannte Lösungsansätze in der Luftreinhaltung zu bewerben.

Das Bundesumweltministerium (BMU) ist durch  die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) direkt an der Organisation und Finanzierung des ersten International Day of Clean Air for blue skies beteiligt. Über die GIZ unterstützt das BMU das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) bei der Implementierung des Internationalen Tages. Partner sind unter anderem die südkoreanische Regierung, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Climate and Clean Air Coalition (CCAC) und weitere internationale Akteure.

Am ersten International Day of Clean Air for blue skies sind Veranstaltungen – wegen der Corona-Pandemie oft, aber nicht ausschließlich virtuell – für Seoul, Bangkok, Bonn und New York geplant. Diese Aktionen reichen von internationalen Diskussionsforen mit Beteiligung hochrangiger Politiker und Diplomaten, wie Ban Ki-Moon, bis zu Social-Media-Kampagnen (national und global). Der Tag wird zudem in den Partnerländern IKI-Projektes „Integrierte Luftreinhaltung und Minderung des Klimawandels im Rahmen des Weltbank-Programms Pollution Management and Environmental Health (PMEH)“ Südafrika und Vietnam intensiv beworben.