03.03.2020

Jede Tier- und Pflanzenart zählt

Wildbiene auf Blüte

Bestäuber wie Wildbienen sind eine wichtige Voraussetzung für eine sichere Welternährung. Foto: Anja Heidsiek/pixabay

Was schnell vergessen wird: Die Vielfalt der Arten ist auch eine Voraussetzung für die Ernährungssicherheit und Lebensqualität der Menschen. Der Tag des internationalen Artenschutzes macht jährlich am 3. März darauf aufmerksam, dass in der Natur alles mit allem zusammenhängt – und welche Folgen der rasant voranschreitende Verlust der Arten hat.

Der Mensch macht´s: Hohe Artenverluste im Zeitalter des Anthropozäns

Vom Nördlichen Breitmaulnashorn gibt es nur noch wenige Exemplare, es werden mehr Elefanten gewildert als Nachwuchs geboren wird, Löwen sind vom Aussterben bedroht, mehr als ein Drittel der Meeressäugetiere ebenfalls. Die Beispiele zeigen einen eindeutigen Trend: Der Artenschwund verläuft heute zehn- bis hundertmal schneller als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Das betrifft neben den Säugetieren auch andere Tiergruppen wie Insekten oder Amphibien – und zahlreiche Pflanzenarten. Zentrale Ursachen sind die Bebauung von Flächen, Landwirtschaft, intensive Nutzung natürlicher Ressourcen und andere menschliche Aktivitäten, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen einschränken.

Der Weltbiodiversitätsrat führt die Bedrohung von bis zu einer Million Arten auf den Menschen zurück. Das sind durchschnittlich 25 Prozent der Arten in den meisten Tier- und Pflanzengruppen. So hat der Mensch mit seinen Aktivitäten ein neues erdgeschichtliches Zeitalter eingeläutet, das gekennzeichnet ist durch gravierende Verluste und eine steigende Gefährdungsrate der Arten: das Anthropozän.

Nashorn mit Kalb

Spätestens seit der sogenannten Krefeld-Studie, die 2017 das Ausmaß des Insektensterbens in Deutschland deutlich gemacht hat, ist der Verlust der Artenvielfalt auch in der allgemeinen Öffentlichkeit bekannter geworden. Die Studie hat für manche Gebiete einen Verlust an Insektenbiomasse um mehr als 75 Prozent belegt. Dass das Insektensterben kein deutsches, sondern ein globales Problem ist, zeigt eine Überblicksstudie der Universität Sydney aus dem Jahr 2018, die die Ergebnisse regionaler Untersuchungen zusammenfasst. Das Ergebnis: Die Populationen von 41 Prozent der Insektenarten nehmen ab, ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Betroffen sind auch viele Bestäuberarten, die für eine produktive Landwirtschaft wichtig sind und damit für die Sicherung der Welternährung. So wird deutlich, dass auch der Mensch die Vielfalt der Arten braucht.

IKI-Projekte verbinden Arten- und Klimaschutz

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) leistet einen zentralen Beitrag zur weltweiten Biodiversitätsfinanzierung, indem sie Artenschutz und Klimaschutz verbindet. Gefördert werden vor allem Projekte, die auf den Schutz von Ökosystemen abzielen und so eine wichtige Voraussetzung für den Artenschutz schaffen.

Zum Beispiel in der Arktis: Die Ökosysteme dort sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Veränderungen wirken sich direkt auf die unterschiedlichsten hochspezialisierten Arten aus, die dort leben – von Eisbären, über Zugvögel bis zu Pflanzen und Insekten. Das Projekt „Erhaltung der Biodiversität in den nördlichen Regionen Russlands" konzipiert gemeinsam mit Partnern vor Ort ein Schutzgebietsnetzwerk, das die Folgen des Klimawandels und der industriellen Erschließung der Region einbezieht. So werden etwa durch den Klimawandel veränderte Wanderungsverhalten einzelner Arten, wie zum Beispiel des wilden Rentiers, erfasst. Entsprechend der Verlagerung von Lebensräumen gefährdeter Arten werden Schutzgebiete geplant und eingerichtet. Insbesondere traditionelle Lebensweisen der lokalen und indigenen Bevölkerung werden dabei berücksichtigt.

Seidenfalter auf einer BlüteIn der Karstregion zwischen Laos und Vietnam liegt der Fokus darauf, illegalen Wildtierhandel besser zu kontrollieren, Anreize für den Erhalt der Biodiversität aufzuzeigen und Maßnahmen umzusetzen, die den illegalen Holzhandel verringern. Damit setzt das Projekt „Biodiversitätserhalt in den Zentralannamiten durch Ökosystemschutz und Landmanagement" direkt bei den Faktoren an, die die Artenvielfalt in einem der größten zusammenhängenden Naturwaldkomplexe Zentralasiens bedrohen.

Bei einigen IKI-Vorhaben stehen direkt die bedrohten Arten im Mittelpunkt, in Marokko zum Beispiel Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge: Im Projekt „Schutz von Bestäubervielfalt für verbesserte Klimaresilienz" wird der Ansatz „Landwirtschaft mit wilden Bestäubern“eingeführt. Der Ansatz misst den Einkommensgewinn, der durch Verbesserungen der Lebensbedingungen für Bestäuber erzielt wird. Der Zugewinn dient Bauern und politischen Gestaltern als Anreiz, Bestäuber zu schützen.

Die Projektbeispiele zeigen, dass die Verbindung von Artenschutz und Klimaschutz fester Bestandteil der erfolgreichen Arbeit der IKI ist – denn: alles hängt mit allem zusammen.