21.09.2020

Kleine Biogasanlagen zur Energiegewinnung aus Abfall

Inoffizielle Müllkippe

Verbrennung einer inoffiziellen Müllkippe in einer informellen Siedlung in Tshwane. Foto: GIZ

Das indische Start-up-Unternehmen Carbon Masters Ltd. ist in Indien mit kleinen bis mittelgroßen Biogasanlagen erfolgreich. Mit den aus wiederverwendeten Schiffscontainern gebauten Anlagen behandelt das Unternehmen organische Abfälle, um daraus Biomethan und organische Düngemittel zu gewinnen. Diese Produkte werden unter der Marke Carbonlites vertrieben. Bei Carbonlites bio-cng handelt es sich um klimafreundliches Biogas, das konventionelles LPG ersetzen kann. Dieses wird üblicherweise zum Kochen und als Kraftstoff für Lastkraftwagen verwendet. Carbonlites organic fertilisers sind ebenso umweltfreundliche wie kostengünstige organische Düngemittel, mit denen Landwirte den Einsatz von chemischen Düngemitteln zurückfahren und damit ihren CO2-Ausstoß senken können. Die vielfältigen Vorteile dieses Konzepts waren so bemerkenswert, dass die Carbonlites-Initiative 2019 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit dem „Better Together Award“ ausgezeichnet wurde.

Verbesserung der Luftqualität und Stärkung des Klimaschutzes

Die Auszeichnung weckte das Interesse der südafrikanischen Partner des Projekts „Integrierte Luftreinhaltung und Minderung des Klimawandels im Rahmen des Weltbank-Programms Pollution Management and Environmental Health (PMEH)“, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des BMU durchgeführt wird.

Zusammen mit lokalen Entscheidungsträgern hat das Projekt Lösungen entwickelt und realisiert, mit denen die Luftqualität verbessert und gleichzeitig der Klimawandel und seine Auswirkungen in Südafrika (und Vietnam) eingedämmt werden können. Der Schwerpunkt der Maßnahmen lag auf so genannten „kurzlebigen klimawirksamen Schadstoffen“ (SLCPs), zu denen unter anderem Methan, troposphärisches Ozon und Ruß zählen. Diese Stoffe schaden der menschlichen Gesundheit, dem Klima sowie den (Agrar-)Ökosystemen. Zwar halten sich SLCPs nicht so lange in der Atmosphäre wie CO2, weisen jedoch ein deutlich höheres Treibhauspotenzial auf. Das vom Weltklimarat (IPCC) ausgegebene 1,5°C-Ziel kann nur erreicht werden, wenn es gelingt, die Emissionen von CO2 und SLCPs gleichzeitig zu verringern.

Die Abfalldeponien in Pretoria werden schon bald an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Daher sind Lösungen gefragt, mit denen das Volumen der zu deponierenden Abfälle verringert werden kann. Gleichzeitig bietet sich mit dem Carbonlites-Konzept die Chance, die Emission von SCLPs zu verringern, Biomethan als Brenn- und Treibstoff zu gewinnen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Von Indien bis Südafrika – Upscaling der Carbonlites-Lösung

Präsentation im einem Meeting

Mit Carbonlites lässt sich Biomethan gewinnen, das anschließend in Gasnetze eingespeist oder in Gasflaschen abgefüllt werden und so zum Endverbraucher gebracht werden kann. Darüber hinaus entsteht als Nebenprodukt ein organischer Dünger, der das Potenzial bietet, chemische Düngemittel zu ersetzen. Angesichts dieser Vorteile wurde Carbon Masters dazu eingeladen, eine Machbarkeitsstudie zur Anpassung der von dem Unternehmen hergestellten Biogasanlagen an die Gegebenheiten in Afrika durchzuführen. Die ersten Berechnungen der Studie, die sich auf Abfalldeponien in Pretoria konzentriert, zeigen, dass sich die Carbonlites-Technologie zur Gewinnung von Biomethan auch in Südafrika wirtschaftlich sinnvoll nutzen lässt.

So sind die Probleme des Abfallmanagements in Pretoria durchaus mit den Verhältnissen in Indien vergleichbar: Der größte Teil des Abfalls wird auf Deponien gelagert, weil die Kapazitäten zur Behandlung von organischen Abfällen nicht ausreichen. Diese Form der Abfallwirtschaft ist jedoch nicht nachhaltig. Gleichzeitig sind die Preise für LPG und Düngemittel in Südafrika höher als in Indien, während die Arbeitskosten etwa gleich hoch sind. Dadurch steht mehr Geld für Investitionen in Reinigungs- und Abfüllanlagen zur Verfügung, die aus dem Ausland eingeführt werden müssen. Damit bietet sich die Möglichkeit, das Abfallproblem Südafrikas zu lösen und gleichzeitig eine attraktive Rendite zu erzielen. Seit ihrem Besuch in Südafrika verhandelt Carbon Masters jetzt auch mit potentiellen Kunden in Kamerun und Botswana über die Einführung seiner kleinen Biogasanlagen in diesen Ländern.

Eine in Indien entstandene Idee könnte also schon bald ihren Siegeszug in Afrika antreten – mit positiven Auswirkungen auf Klimaschutz, Luftqualität und Beschäftigung.