30.03.2021

Klimafreundliche Finanzströme in Kenia

Hirte mit Herde

Kenia ist bereits heute stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Foto: Shutterstock/Dragos Lucian Birtoiu

Ein mit Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) erschienender Bericht des Finanzministeriums von Kenia und der Climate Policy Initiative (CPI) zeigt, dass klimabezogene Investitionen in Kenia unverhältnismäßig stark auf bestimmte Sektoren und Aktivitäten ausgerichtet sind, die sich nur teilweise mit der Klimaproblematik befassen.

Kenia ist in hohem Maße anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels und spürt die Folgen bereits heute durch eine deutliche Zunahme klimabedingter Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen. Schätzungen gehen davon aus, dass diese Ereignisse jährlich zu einer wirtschaftlichen Belastung von 2 bis 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes führen.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass erhebliche Anstrengungen erforderlich sind, um alle für das Erreichen des national bestimmten Klimaschutzbeitrags (NDC) von Kenia relevanten Sektoren aufeinander abzustimmen. Diese Ausrichtung soll dazu dienen, das Land klimaresistent zu machen und seine Treibhausgasemissionen (THG) bis 2030 im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario um 32 Prozent zu reduzieren.

Die Studie zur Klimafinanzierungslandschaft wendet den CPI-Rahmen zur Abbildung von Klimafinanzströmen auf den kenianischen Kontext an und wurde im Zuge des von der IKI unterstützten GNIplus-Programms (Global NDC Implementation Partners) durchgeführt.

Die wichtigsten Ergebnisse sind unter anderem:

  • Nahezu 80 Prozent der Klimafinanzierung in Kenia flossen in die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Das steht in einem klaren Widerspruch zu der Notwendigkeit, dass sich Kenia auf die Finanzierung der Anpassung an die Folgen des Klimawandels konzentriert.
  • Auf diesen Punkt entfielen lediglich 11,7 Prozent der Klimafinanzierung in Kenia, während weitere 8,5 Prozent der Investitionen sowohl für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als auch für den Klimaschutz relevant waren. Die größte Finanzierungslücke zur Realisierung der kenianischen Klimaziele besteht in den Sektoren Wasser und „Blue Economy“. Ebenso besteht ein dringender Bedarf, die Finanzierung für die Forstwirtschaft und das Katastrophenrisiko-Management zu erhöhen. Beide Bereiche sind entscheidend für die Widerstandsfähigkeit Kenias gegenüber Dürren und Überschwemmungen.
  • Die kenianische Regierung hat im Haushaltsjahr 2017/18 76 Mrd. KES (752,4 Mio. USD) an klimarelevante Entwicklungsausgaben gezahlt, wobei 55 Prozent externe Mittel von internationalen Entwicklungspartnern waren, die in den Staatshaushalt geflossen sind.
  • Weniger als 60 Prozent der erfassten Finanzströme kamen aus internationalen öffentlichen und privaten Quellen. Die Umsetzung der kenianischen Klimapolitik erfordert, dass internationale Partner bis 2030 mindestens 87 Prozent der Kosten tragen, ein Wert, der 2018 nicht erreicht wurde. Vor allem die Entwicklungspartner stellten weniger als ein Drittel aller erfassten Finanzen zur Verfügung.
  • 79 Prozent der internationalen öffentlichen Klimafinanzierung wurden über Kredite bereitgestellt und flossen größtenteils in Klimaschutzaktivitäten (55 Prozent).

Der Bericht liefert wichtige Empfehlungen, wie klimabezogene Investitionen in Kenia bemessen werden können:

  • Es gibt einen dringenden Bedarf, die Finanzmittel für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Kenia zu erhöhen, insbesondere in den Bereichen Wasser, Katastrophenrisiko-Management und Forstwirtschaft.
  • Investitionen des privaten Sektors in wichtige Klimasektoren sollten durch Subventionen und Anreize erhöht werden. Dem privaten Sektor kommt eine Schlüsselrolle zu, um die Investitionslücke in Kenia zu schließen. Die Umsetzung von Anreizen und Subventionen zur Schaffung eines attraktiveren Umfelds, das private Investitionen in den Bereichen Transport, Forstwirtschaft, Wasser, Landnutzung und Abfallwirtschaft fördert, ist daher von entscheidender Bedeutung.
  • Es ist notwendig, dass sich die internationale öffentliche Finanzierung auf anspruchsvollere Klimasektoren, die keine umfangreiche private Finanzierung erhalten, konzentriert. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise der Einsatz innovativer Finanzierungsmodelle, um Investitionen in wichtige, allerdings unterfinanzierte Bereiche wie Forstwirtschaft, Transport und Wasser zu mobilisieren.
  • Klimafinanzierung sollte effektiver genutzt werden, um ihre Wirkung zu erhöhen. Dies erfordert eine bessere Koordination und Berichterstattung zwischen den kenianischen Akteuren – auf allen Ebenen: Ministerien, Behörden, Regierungsstellen auf kommunaler Ebene, internationale Geberpartner und Akteure aus dem privaten Sektor.
  • Es besteht ein Bedarf an regelmäßiger Berichterstattung der Ministerien an das nationale Finanzministerium über klimabezogene Ausgaben, um besser zu verstehen, ob die Finanzmittel Kenias Klimabedürfnissen entsprechen und wie die Investitionen erhöht werden können.