08.05.2019

Klimafreundlicher kühlen in Lateinamerika und der Karibik

Das Pharmaunternehmen ROCHE nutzt die ersten zwei Klimaanlagen mit Kohlenwasserstoff in Lateinamerika; Foto: Gianfranco Vivi/GIZ

Das Pharmaunternehmen ROCHE nutzt die ersten zwei Klimaanlagen mit Kohlenwasserstoff in Lateinamerika; Foto: Gianfranco Vivi/GIZ

In Lateinamerika und der Karibik ist es vor allem eines: heiß. Kühlsysteme sind lebenswichtig, insbesondere im gewerblichen Bereich haben sie zahlreiche Anwendungsgebiete, etwa bei der Lagerung oder dem Transport von Lebensmitteln und Medizin.

Gleichzeitig sind Kühlsysteme aber alles andere als klimafreundlich. Vielfach nutzen sie Kältemittel aus teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKWs), die bis zu 4000 Mal klimaschädlicher sind als Kohlenstoffdioxid (CO2), oder „teilhalogenierte“ Fluorchlorkohlenwasserstoffe (HFCKWs), die zum Abbau der Ozonschicht beitragen. Mit dem Montreal-Protokoll von 1989 und der 2016 in Kigali vereinbarten Änderung des Protokolls haben sich zahlreiche Länder der Welt in den vergangenen Jahren zum Ziel gesetzt, Treibhausgasemissionen im Kältemittelsektor zu reduzieren. Statt klimaschädlicher Kältemittel wollen sie den Umstieg z.B. auf natürliche Alternativen wie Kohlenwasserstoffe, CO2 oder Ammoniak schaffen.

Expertinnen und Experten diskutieren Umstieg auf umweltfreundliche Kühlsysteme

Rund 50 Ministeriums- und Industrievertreterinnen und -vertreter sowie technische Beraterinnen und Berater des Kälte- und Klimatechniksektors (RAC) aus 17 Ländern in Lateinamerika und der Karibik nahmen daher vom 25. bis 27. März 2019 an einer Technologie Roadshow in Costa Rica teil, um Erfahrungen in der Einführung von nachhaltigen Kühlsystemen auszutauschen und Praxisbeispiele im Land kennenzulernen. Das Pharmaunternehmen ROCHE nutzt beispielsweise die ersten zwei Kohlenwasserstoff (R290) Klimaanlagen (Chiller) in Latein- und Zentralamerika.

Im Labor für Energieeffizienz des Energieversorgers ICE werden neben Waschmaschinen und Kühlschränke auch umweltfreundliche Kühlsysteme auf Herz und Nieren getestet; Foto: Gianfranco Vivi/GIZIm Labor für Energieeffizienz des größten Energieversorgers des Landes lernte die Delegation, wie Waschmaschinen, Kühlschränke und nun auch umweltfreundliche Kühlsysteme auf Herz und Nieren getestet und ihre Energieeffizienz überwacht wird. In Costa Rica ist dieses Monitoring besonders wichtig: Das kleine Land hat 12 Klimazonen und diverse Mikroklimas und je nachdem, ob eine Klimaanlage in der Hauptstadt San Jose, in einer Küstenstadt am Pazifik oder im trockenen Norden des Landes eingesetzt wird, ist sie unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt.

Regionalnetzwerk der Green Cooling Initiative offiziell initiiert

Darüber hinaus wurde am 28. März 2019 das Regionalnetzwerk für Lateinamerika und die Karibik der Green Cooling Initiative (GCI) offiziell initiiert, einer Allianz aus Schlüsselakteuren des RAC-Sektors. In dessen Rahmen fand ein Austausch zwischen Expertinnen und Experten mit Entscheidungsbefugten über umweltfreundliche Kühltechnologie und -politik statt. Vertreterinnen und Vertretern der nationalen Ozoneinheiten wurde ein zweitägiger Workshop zur Verbesserung ihrer Verhandlungsfähigkeiten angeboten, um die im Montrealer Protokoll definierten Aktivitäten besser umsetzen und ihren Stimmen Gehör verleihen zu können.

50 Expertinnen und Experten aus 17 Ländern in Lateinamerika und der Karibik tauschten in Costa Rica Erfahrungen in der Verwendung natürlicher Kältemittel als energieeffiziente und klimaschonende Alternative aus; Foto: Gianfranco Vivi/GIZ

Organisiert wurde die Roadshow von der Direktion für Umweltqualitätsmanagement des nationalen Umweltministeriums mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Rahmen der Vorhaben Green Cooling Initiative II (im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)), dem Projekt „Nachhaltige und klimafreundliche Verringerung von ozonzerstörenden Substanzen“ – SPODS (kofinanziert von der Europäischen Kommission und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)) und dem Regionalvorhaben „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Zentralamerika“.