16.01.2020

Klimaintelligente Landwirtschaft durch die IKI

Reispflanze in Nahaufnahme

Reis zählt zu den wichtigsten Nahrungsmitteln unserer Erde. Gleichzeitig verursacht der Anbau einen hohen Ausstoß an Treibhausgasen. Foto: Pixabay

Die weltweite Landnutzung ist für fast 25 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Dabei besonders im Fokus: die Landwirtschaft. Aber auch die Forstwirtschaft und die Entwaldung von Flächen zur anderweitigen Nutzung verursachen einen signifikanten Beitrag. Gleichzeitig binden Böden mit ihrer Vegetation knapp 30 Prozent der menschgemachten Treibhausgasemissionen.

Diese Zahlen des im Oktober 2019 veröffentlichten Sonderberichtes „Klimawandel und Landsysteme“ des Weltklimarates (IPCC) machen deutlich: Wie die Menschen mit ihren Böden umgehen, ist ein zentraler Baustein für die Entwicklung des Klimawandels – positiv, wie negativ. Das gilt umso mehr, als dass die Folgen wie Extremwetterereignisse unmittelbar die Landwirtschaft und damit die Nahrungsmittelsicherheit beeinflussen.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) fördert deshalb in zahlreichen Aktivitäten eine klimafreundliche Landwirtschaft und legt großen Wert darauf, ihre Partnerländer auch bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und dem Schutz der biologischen Vielfalt im landwirtschaftlichen Sektor zu unterstützen.

Neuer Fonds mit IKI-Mitteln fördert Klimaschutz in der Landwirtschaft

Als neueste Maßnahme rief das Bundesumweltministerium (BMU) auf der Weltklimakonferenz in Madrid Ende 2019 gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Welternährungsorganisation (FAO) den neuen Fonds mit dem Titel „Support Programme on Scaling up Ambition on Land Use and Agriculture through NDCs and NAPs implementation“ ins Leben. Er soll bis zu zwölf Entwicklungsländer bei der Umsetzung ihrer nationalen Ziele in wichtigen landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und bei der Landnutzung unterstützen. Die Fördersumme beträgt 20 Millionen EUR und stammt aus den Mitteln der IKI. Das Programm ist für den Zeitraum von 2020 bis 2025 geplant.

Kaffeeppflanze mit Kaffeebeeren

„Bisher haben Landnutzung und Landwirtschaft in der internationalen Klimadiskussion viel zu wenig Beachtung gefunden. Böden sind jedoch nach den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Übernutzung und Erosion setzen aber große Mengen CO2 aus Böden frei. Zudem stellt die Anpassung an den Klimawandel die Landwirtschaft gerade in Entwicklungsländern vor immer größere Herausforderungen. In Ländern also, in denen Nahrungsmittelsicherheit und Einkommen aus der Landwirtschaft besonders hohe Priorität haben. Die Landwirtschaft ist aber auch ein großer Emittent von Treibhausgasen. Das sind die Themen, die wir jetzt gemeinsam mit unseren Partnerländern in Angriff nehmen wollen“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Minderung der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft

Neben dieser neuen Maßnahme, greifen zahlreiche IKI-Projekte die unterschiedlichen Auswirkungen von landwirtschaftlicher Landnutzung auf und erarbeiten Lösungsansätze. Ein Beispiel ist das vom WWF durchgeführte Projekt „Landnutzungswandel in Savannen und Grasländern - Lösungswege durch politisches Engagement, Landnutzungsplanung und Best Management Praktiken“, das in Kolumbien und Paraguay unter anderem Pilotprojekte zur Demonstration von klima- und biodiversitätsfreundlicher Landwirtschaft durchführt. Es entwickelt und verbessert aus diesen Erfahrungen Methoden, um zu einer nachhaltigen Landnutzung beizutragen und die von der Landwirtschaft verursachten Treibhausgasemissionen zu vermindern.

Pferde weiden unter Palmen

Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel

Neben der Minderung von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft steht die Anpassung dieses Sektors an die Klimawandelfolgen im Fokus der IKI. So fördert beispielsweise das Projekt „Mikrofinanzsysteme zur ökosystem-basierten Anpassung an den Klimawandel (MEbA)“ die Entwicklung und Verbreitung von Mikrofinanzprodukten wie Kleinkrediten, die in den Projekt-Regionen Lateinamerika und Afrika für die Anpassung an den Klimawandel eingesetzt werden. Dieses Konzept hilft vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die aufgrund fehlender Klimafinanzierung auf lokaler Ebene besonders betroffen sind.
Das Projekt „Saisonale Wettervorhersagen und innovative Versicherungslösungen als Klimarisikomanagementmaßnahme in Südostasien“ entwickelt dagegen Klimarisikomanagementsysteme und Versicherungsprodukte, für Kaffee-, Zucker-, Reis-, Maniokanbau sowie Weidemanagement. Damit soll sowohl konkreten Schäden, als auch finanziellen Folgen vorgesorgt werden. Zudem unterstützt es Ministerien in Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam bei der Entwicklung von Anpassungs- und Risikostrategien, in dem es beispielsweise saisonale Klimaprognosen erstellt.

Bau einer Wurmkompostanlage

Biodiversität in der Landwirtschaft

Doch nicht nur die Minderung der Treibhausgase und die Anpassung an die Klimawandelfolgen sind Schwerpunkte der IKI. Ebenfalls im Fokus: der Schutz der biologischen Vielfalt. Deshalb finanziert die IKI viele Projekte, die den Schutz von Biodiversität in der Landwirtschaft vorantreiben. So fördert beispielsweise das Vorhaben „Ausweitung des Biodiversitätsschutzes durch klimaintelligente agrosilvopastorile Methoden in Viehweidelandschaften („Biopasos“)“ in Mexiko Ansätze, die Bäume, Ackerkulturen und Tierhaltungen in ganzheitlichen Systemen kombinieren. Diese sogenannten agrosilvopastoralen Systeme erhöhen die Produktivität und das Einkommen der landwirtschaftlichen Akteure, verbessern den Schutz der Biodiversität und reduzieren die Anfälligkeit gegenüber Folgen des Klimawandels.

IKI-Projekt auf der grünen Woche in Berlin

Auf der am 17. Januar 2020 beginnenden Grünen Woche in Berlin wird zudem die Kaffee-Kooperative.de für nachhaltigen Kaffeegenuss sorgen. Co-Gründer Allan Mubiro ist ein Absolvent des IKI-Projektes „Stipendienprogramm für Nachwuchsführungskräfte aus Entwicklungs- und Schwellenländern im Bereich Klima- und Ressourcenschutz“. Das Social-Business-Start-up in Berlin importiert und verkauft Fairtrade-Kaffee aus Ruanda, dessen komplette Produktionskette im afrikanischen Land verbleibt. Der Kaffee wird schonend in nicht-industriellem Maßstab in Mischkultur mit anderen Nutzpflanzen und sehr häufig unter Schattenbäumen angebaut.

Noch mehr Projekte in der IKI-Projektübersicht

Natürlich bilden die vorgestellten Projekte nur einen Ausschnitt der Landnutzung betreffenden IKI-Förderung. Nicht selten betrifft die Landwirtschaft als Schlüsselsektor vieler Schwellen- und Entwicklungsländer noch viele weitere Förderaspekte der IKI. Einen Überblick über alle aktuellen und abgeschlossenen Vorhaben findet sich auf der IKI-Weltkarte.